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Lokales Dresdner Jugendamtschef kritisiert Schulsystem in Sachsen
Dresden Lokales Dresdner Jugendamtschef kritisiert Schulsystem in Sachsen
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06:17 18.01.2019
Jugendamtsleiter Claus Lippmann. Quelle: Stadt/S.Harder
Dresden

Der größte Kostenanteil in der Jugendhilfe sind die Gelder für die Arbeit mit Familien, die bei der Erziehung an ihre Grenzen stoßen. Sie sollen mit „Hilfen zur Erziehung“ (HzE) unterstützt werden. Seit Jahren steigen die Kosten. Im DNN-Interview erklärt Jugendamtsleiter Claus Lippmann, dass es dafür Grenzen gibt.

DNN: Wie haben sich die Kosten für Hilfen zur Erziehung 2018 entwickelt?

Wir haben im vergangenen Jahr voraussichtlich 81,8 Millionen Euro ausgegeben, geplant waren Ausgaben von 83,6 Millionen Euro.

Ist das schon sicher?

Die Abrechnung hängt von vielen Faktoren ab. Derzeit erhalten wir noch viele Rechnungen für 2018. Beispielsweise haben freie Träger drei Jahre Zeit, um ihre Rechnungen zu stellen. Wir werden keinen Mehrbedarf haben, aber ob etwas übrig bleibt, ist noch unsicher. Aber aus der Erfahrung heraus, dürfte es auf diese Zahl hinauslaufen.

Im Jahr 2017 waren es 75,6 Millionen Euro, woher kommt der Anstieg von 6,2 Millionen Euro?

Der Grundpreis der HzE-Leistungen ist unter anderem durch Tarifanpassungen gestiegen. Das macht einen großen Teil aus. Wir hatten einen moderaten Fallzahlenanstieg von 2391 auf 2436 im Jahresmittel, also knapp zwei Prozent. Überdurchschnittlich ist die Zahl der sogenannten Eingliederungshilfen für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche gestiegen, von 290 auf 332 Fälle, ein Plus von 14 Prozent.

Der Anteil von Kindern mit Erkrankungen nimmt zu

Was haben diese Eingliederungshilfen gekostet?

2017 lagen die Kosten bei rund 9,7 Millionen Euro, für das vergangene Jahr gehen die Prognosen von rund 11 Millionen Euro aus.

Worum geht es bei diesen Hilfen vor allem?

Das sind unter anderem Schulbegleiter für Kinder, die sonst nicht in der Lage wären, am normalen Unterricht teilzunehmen. Wenn bei einem Kind eine psychische Erkrankung diagnostiziert und als Behinderung gewertet wird, kann eine solche Eingliederungshilfe nach einer Prüfung durch uns geleistet werden. Dies kann beispielsweise bei einer Störung des Sozialverhaltens, Autismus oder ADHS der Fall sein. Es geht nicht darum, dass jemand ein Aufmerksamkeitsdefizit hat, weil er häufig zu spät ins Bett geht.

Crystal macht extrem abhängig und schadet auch ungeborenen Kindern. Quelle: dpa

Woher haben die Kinder das?

Es gibt die Vermutung, dass dies auch mit Drogenkonsum, dem Crystal-Gebrauch der Mütter in der Schwangerschaft zu tun hat. Es gibt Experten, die da einen Zusammenhang sehen.

Wie wird sich das entwickeln?

Derzeit gehen wir von einer steigenden Tendenz aus. Der Anteil von Kindern mit derartigen Erkrankungen nimmt zu.

Kann Dresden das finanzieren?

Wir haben eine inklusive Schule in Sachsen. Die Kinder sollen möglichst eine Regelschule besuchen. Wir sehen aber den Trend, dass Schulleiter schon am Schuljahresanfang entscheiden, dieses oder jenes Kind kann hier nur mit Schulbegleiter aufgenommen werden.

Zweifellos müssen Lehrer personell unterstützt werden

Was steckt da dahinter?

Das sind die Auswirkungen eines Schulsystems, dass nicht auf Inklusion eingestellt ist. Es fehlen die Ressourcen, um wirklich inklusive Schule zu sein und diese Kinder betreuen zu können. Es kann aber nicht sein, dass die Jugendhilfe genutzt wird, um das System Schule zu retten. In mehr als 70 Prozent der Fälle werden die Eingliederungshilfen von Schulen angestrebt. Wir haben im letzten Jahr die Schulsozialarbeit an den Schulen ausgebaut – Jugendhilfe ist also bereits vor Ort.

Was muss getan werden?

Zweifellos müssen die Lehrer personell unterstützt werden und auch die Klassenstärke muss modifiziert werden, weil sonst in absehbarer Zeit drei oder vier Schulbegleiter mit in einer Klasse sitzen. Die Schule kann in den Strukturen von gestern nicht die Probleme der Zukunft lösen.

Welche Einfluss haben dabei die Migrationszahlen?

Bislang ist der Einfluss noch gering. Aber wir wissen natürlich, wenn Familien traumatisiert sind, wird das auch den Bedarf für solche Hilfeleistungen bei den Kindern erhöhen. Aus der aktuellen Bilanz des Standesamtes wird ersichtlich, dass die Eltern der Neugeboren aus 111 Staaten kommen, bei einer nicht unerheblichen Zahl wird deren Herkunft als ungeklärt angegeben. Allein rein statistisch betrachtet, kommt da einiges auf uns zu.

Wie haben sich die HzE-Kosten für die Betreuung unbegleiteter ausländischer Minderjähriger (uaM) entwickelt?

Aufwendungen und Fallzahlen sind rückläufig. 2017 hatten wir noch Ausgaben von 17,5 Millionen Euro für durchschnittlich 331 Fälle im Jahr. 2018 waren es nur noch 6,9 Millionen Euro für etwa 255 Fälle im Jahresdurchschnitt. Die Aufwendungen sollen der Landeshauptstadt aber vollständig vom Land erstattet werden. Daher haben wir bei sinkenden Zahlen kein Geld übrig.

Geplant sind Ausgaben von 83,8 Millionen Euro

Gibt es irgendein messbares Indiz dafür, dass sich HzE-Leistungen wirklich lohnen?

Der Erfolg ist tatsächlich schwer messbar. Wir bedienen uns dazu der Abbruchzahlen. 2015 wurden 71 Prozent der Fälle, mit Hilfeleistungen entsprechend dem Hilfeplan, der immer erstellt wird, auch abgeschlossen. Das war eine bundesweit sehr gute Quote, inzwischen sind wir da auf dem Vergleichsniveau anderer Großstädte von etwa 62 Prozent angekommen. Das hat aber auch statistische Gründe, weil wir jetzt strengere Maßstäbe ansetzen.

Besser bewerten lässt sich der Erfolg nicht?

Die Evangelische Hochschule hat untersucht, wie sich Hilfen zur Erziehung tatsächlich ausgewirkt haben. Das wollen wir in der nächsten Zeit stärker nutzen. Es geht um die Bewertung, ob die Klienten der Hilfeleistungen anschließend besser in der Lage sind, ihr Leben selbst zu meistern.

Mit welchen Ausgaben rechnen Sie 2019?

Geplant sind Ausgaben von 83,8 Millionen Euro. Wir hatten im Haushaltsentwurf 85,3 Millionen geplant. 1,5 Millionen hat uns der Stadtrat gestrichen. Weitere 1,5 Millionen Euro sind zusätzlich notwendig, wenn wir die Tariferhöhungen von 3,1 Prozent und die Sachkostensteigerungen von 2 Prozent bei den Trägern ausgleichen wollen.

Wie wollen Sie dieses Defizit ausgleichen?

Wir versuchen das zunächst durch eine geschickte Ausgabensteuerung, ohne den Rechtsanspruch auf Leistungen einzuschränken. Dann werden wir Mitte des Jahres sehen, wo wir stehen.

Herr Lippmann, Sie sind im November bei einem Gerichtstermin vom Angeklagten gewalttätig angegriffen worden. Wie geht es Ihnen?

Ich bin seit 2. Januar wieder im Dienst. Sport darf ich noch keinen machen... Aber ich will mich nicht weiter dazu äußern. Die strafrechtliche Aufarbeitung des Falls steht noch aus.

Von Ingolf Pleil

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