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Lokales Dresdner IHK-Firmen in Sorge
Dresden Lokales Dresdner IHK-Firmen in Sorge
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17:24 16.01.2019
Andreas Sperl, Präsident der Industrie- und Handelskammer Dresden, warnt vor den Folgen eines ungeregelten Brexits. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Der Brexit bringt auch Wissenszuwachs. 195 sächsische Firmen liefern derzeit Waren nach Großbritannien. Diejenigen unter ihnen, die bislang ausschließlich in die EU exportieren, sollten nach einem ungeregelten Brexit ein paar neue Vokabeln verinnerlichen. Zum Beispiel: EORI-Nummer, ATLAS-Nutzerkonto, elster-Zertifikat, Warentarifnummer, Zollwertanmeldung. Ein schmaler Auszug von Begriffen aus dem Zollrecht, das dann über Nacht gelten würde.

Brexit-Checkliste

„Halb so schlimm“, beschwichtigt Lars Fiehler, Sprecher der Industrie- und Handelskammer Dresden (IHK), und verweist auf die Zoll-Experten bei der Kammer, die Mitgliedsfirmen selbstredend beraten. Die Brexit-Checkliste auf der IHK-Website jedenfalls dürfte nach der Ablehnung des EU-Deals im britischen Unterhaus den einen oder anderen zusätzlichen Klick erhalten.

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Suche nach alternativen Zulieferern

„Wir wundern uns überhaupt, dass die Firmen verhältnismäßig wenig Rat suchen“, gibt sich IHK-Präsident Andreas Sperl am Mittwoch vor Journalisten erstaunt. Der Chef der Dresdner Elbe Flugzeugwerke (EFW) rechnet mit einer Zunahme der Nachfragen, denn er weiß genau, wo die Gefahren eines vertragsfreien Brexits liegen. Seit Monaten versucht er, die Lieferketten für sein Unternehmen abzusichern. „Wenn über Nacht Zölle gelten und die EU-Zertifizierungen Makulatur sind, brauchen wir Ersatz für die Komponenten-Zulieferungen aus Großbritannien. Alternativen in Kontinental-Europa zu finden, gestaltet sich aber schwierig.“

Die Elbe Flugzeugwerke bauen Passagiermaschinen von Airbus zu Frachtflugzeugen um, beliefern Airbus mit Komponenten und warten auch Flugzeuge von Flotten weltweit.

Kein Unternehmen durch Brexit in Existenznot

Doch es gehe nicht nur um Zölle, erklärt Andreas Sperl. Wichtig sei auch, wie der Brexit die Nachfrage nach deutschen Waren verändert. Und: „Erlöschen Genehmigungen für bestimmte Produkte und Leistungen, wird die Mobilität von Mitarbeitern eingeschränkt?“

Großbritannien sei nach China und den USA das Exportland Nummer drei für Sachsen, führte Sperl aus. In den ersten drei Quartalen 2018 seien Waren und Leistungen im Wert von fast zwei Milliarden Euro nach Großbritannien exportiert worden, davon fast 70 Prozent im Fahrzeugbau. Bei den Importen stehe Großbritannien auf Platz 8 – in Sachsen gibt es 73 Unternehmen, die Waren und Dienstleistungen von der Insel einführen. Elf Betriebe unterhielten dort Niederlassungen. Gemessen an fast 95 000 Kammer-Betrieben eine kleine Zahl – „Aber für die betroffenen Unternehmen ist das ein Riesenthema“, unterstrich Andreas Sperl. In Existenznot allerdings sieht die IHK keine der Firmen.

Von Barbara Stock

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