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Lokales Dresdner Hafenmühle will am Alberthafen wachsen, wenn man sie lässt
Dresden Lokales Dresdner Hafenmühle will am Alberthafen wachsen, wenn man sie lässt
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08:57 02.02.2019
Vertriebsleiter Dirk Willkomm, OB Dirk Hilbert und Betriebsleiter Norman Krug (v.l.) im Gespräch über Schrot und Korn. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Es ist ohrenbetäubend laut auf dem Walzboden. Norman Krug, Betriebsleiter in der Dresdener Mühle am Alberthafen, hat sich seinen Besucher OB Dirk Hilbert (FDP) beiseite gezogen und strapaziert seine Stimme, um ihm die Vorgänge zu erklären. Bis zu 23 Mal muss das Getreide gemahlen werden, bis zu zwölf Stunden kann es dauern, bis das Getreide dafür oft genug durch ein hydraulisches System in Walzstühle und Siebkästen transportiert worden ist. Nach einigen Tagen Lagerzeit wird das Mehl dann in einen Laster geladen. Oft ist es einer der 17 firmeneigenen. „Wir wollen gerne alles in unserer Hand haben – das garantiert die Qualität“, sagt Dirk Willkomm, Vertriebsleiter und Prokurist.

Es ist kein Zufall, dass diese Sätze im oberen Walzboden fallen. Dort stehen acht neue Walzstühle. Die neuen Eigentümer der Mühle, das Unternehmen Bindewald und Gutting, haben seit 2014 insgesamt neun Millionen Euro in den Betrieb investiert, das soll der OB hier sehen. Nicht nur in die Walzstühle, die das Getreide nach und nach zermahlen, sondern auch in das hydraulische Transportsystem, das sich rückstandsfrei reinigen lässt.

Die Mühle ist mit ihrem Siloturm eines der markantesten Gebäude am Alberthafen. Geplant sind neue Silos vor dem Siloturm (links) und eine zweite Abfertigungsstrecke für Laster (rechts). Quelle: Anja Schneider

Die Botschaft: Die Dresdener Mühle würde gern mehr investieren. Seit dem Frühjahr 2018 liegt ein Bauantrag im Dresdner Rathaus. Neue Silos sollen entstehen und eine zweite Abfüllstrecke, in der das Mehl in die Tanks der Laster kommt. Zehn Millionen Euro will das Unternehmen investieren, wollte eigentlich schon in diesem Jahr beginnen. Gehört habe man jedoch aus dem Rathaus bisher nichts, heißt es.

Dabei werden die neuen Silos dringend gebraucht. Grund ist die Arbeitsweise der Mühle. Die ist obwohl sie etwa 13,5 Prozent der sächsischen Weizen- und Roggenernte verarbeitet, als Anbieter besonderer Mehlsorten am Markt. Als Spezialist für Qualität, der etwa das Mehl für den Dresdner Stollen herstellt. Und dabei kommt es auf Feinheiten an. „Ein Mehl für Salzstangen muss anders sein als eines für Croissants“, erläutert Vertriebsleiter Willkomm. Man braucht dafür andere Getreidesorten, andere Verfahren. Und da die Lebensmittelindustrie gern auch mal kurzfristig nachfragt, braucht es an der Mühle mehr Kapazitäten für die getrennte Lagerung von Getreide, das sich für Croissants eignet und solches, das den Hefeklos besonders schmackhaft macht. „Wir brauchen diese Silos“, bekräftigt Betriebsleiter Krug.

So sah in den Anfangstagen der Walzboden der Bienert’schen Hafenmühle aus. Quelle: Anja Schneider

Ansonsten zeigt sich die Mühle für die Zukunft gut aufgestellt. Das hat besonders mit dem Programm Ährenwort zu tun. Sie bringt Landwirte, die Mühle und Bäcker zusammen. Das bedeutet, das Anbauberaterin Konstanze Fritzsch schon Monate vor der Ernte auf Feldern in Sachsen und Südbrandenburg steht und Tipps zu Sortenwahl und Pflanzenschutz gibt. Etwa 20 Sorten werden derzeit in der Mühle verarbeitet. Da sie mit schwankender Qualität ankommen, bleibt in der Mühle viel zu tun. „Mehl ist ein Naturprodukt, das ist nicht immer gleich, aber wir wollen stabile Qualität bieten“, sagt Willkomm. Deshalb auch die Zusammenarbeit mit Bäckern. Gemeinsam testen sie im Backtechnikum der Mühle die neuen Erzeugnisse. Ein ausgeklügeltes System, für das nun der nächste Schritt gegangen werden muss. „Wir brauchen mehr diversifizierte Lagerkapazität“, sagt Betriebsleiter Krug.

Dresdener Mühle

Die Mühle wurde 1912 bis 1914 nach Plänen der Architekten William Lossow und Max Kühne als Bienert’sche Hafenmühle gebaut. Der Standort am Hafen diente vor allem der Anlieferung von Getreide aus Übersee. Bis heute ist der 63 Meter hohe Siloturm, der damals 13 000 Tonnen Getreide aufnahm, ein Wahrzeichen des Alberthafens. Über einen Tunnel bestand eine direkte Anbindung ans Eisenbahnnetz, später wurden Hofmühle in Plauen und Hafenmühle über eine Straßenbahn verbunden.

Weltkriegsbedingt schwankt die Menge des verarbeiteten Getreides in den Anfangsjahren stark. Von Juli 1918 bis Juni 1919 werden 15 843 Tonnen Getreide gemahlen, ein Jahr darauf sind es schon 31 237 Tonnen. Die Mühle übersteht beide Weltkriege ohne größere Schäden. 1972 werden die Bienertwerke und damit auch die Hafenmühle verstaatlicht. Als Betriebsteil der VEB Mühlenwerke Dresden verarbeitet die Hafenmühle 1987 125 000 Tonnen Getreide.

Nach der Wende wird die Mühle als Dresdener Mühle GmbH privatisiert. Die neuen Besitzer investieren in die Betriebstechnik, ändern aber auch die Produktionsphilosophie: Kamen Ende der 1980er noch Tonnenweise Getreide aus Ungarn, wird seit 1993 mit dem Markenzeichen Ährenwort auf regionale Erzeugung umgestellt. Die Mühle arbeitet unter diesem Label mit Landwirten und Bäckern zusammen, wobei alle drei Seiten auf die Wertschöpfungskette vom Feld über die Mühle in die Ladentheke gemeinsamen Einfluss haben. Aktuell beteiligen sich 150 Landwirte und 200 Bäcker am Programm, das 2013 den Sächsischen Umweltpreis erhielt.

2014 übernahm das Unternehmen Bindewald und Gutting die Dresdener Mühle, investierte seither neun Millionen Euro. Derzeit werden 550 Tonnen Mehl pro Tag hergestellt, im Jahr 180 000 Tonnen Getreide verarbeitet (davon 140 000 Tonnen Weizen, der Rest Roggen). Zurzeit können 12 000 Tonnen Getreide in 54 Silozellen sortenrein gelagert werden.

Bis zu 23 Mahlvorgänge sind bis zum fertigen Mehl nötig, das immer mehr an die Bedürfnisse der Abnehmer angepasst wird. Der Lebensmittelhandel macht mit fünf Prozent (Marke Kathi) einen geringen Teil der Abnehmer aus, das meiste geht an regionale Bäcker und Lebensmittelhersteller. 25 Prozent der Produktion werden ans EU-Ausland exportiert.

Das Unternehmen hat 55 Mitarbeiter, darunter drei Auszubildende und auch Fahrer für die 17 eigenen Laster. Gesucht werden Auszubildende vor allem für den Ausbildungsgang Verfahrenstechnologe.

Von Uwe Hofmann

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