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Lokales Dresdner Geheimnisse Teil 7: Poller mit Durchschlagskraft
Dresden Lokales Dresdner Geheimnisse Teil 7: Poller mit Durchschlagskraft
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21:14 05.12.2019
Anett Lentwojt hat herausgefunden, welchen Zweck dieser Poller früher hatte. Quelle: Buch
Dresden

Geschaffen wurde er einst mit dem Ziel, zu zerstören. Menschen zu töten. Diesen Zweck hat er zum Glück nie erfüllt – er hat eine andere Aufgabe bekommen, nämlich die, zu schützen. Zwar keine Menschen, aber immerhin ein Hauseck.

Aus dem Zerstörer ist ein Beschützer geworden. Die Rede ist von dem großen, eisernen Poller, der sich im Innenhof der Görlitzer Straße 23, dem Hof der Metamorphosen, an der Durchfahrt befindet.

Finanzüberschuss durch hohe Reparationen

Anett Lentwojt hat seine Geschichte durch Zufall herausgefunden, als sie mit dem Schützenverein unterwegs war und ist vollkommen fasziniert. Um sie zu erzählen, muss die Gästeführerin etwas weiter ausholen. „Wenn man die Görlitzer Straße hinuntergeht, blickt man ja auf die Garnisonkirche und die Albertstadt – und mit der hat der Poller zu tun“, sagt sie. „Als der Deutsch-Französische Krieg (1870-1871) vorbei war, hatte Deutschland gewonnen und Frankreich Reparationen zu zahlen.“

In ebenjenem Krieg, der sich aus dem Streit zwischen Frankreich und Preußen um die Frage der spanischen Thronkandidatur entwickelte, stand Frankreich dem Norddeutschen Bund unter der Führung Preußens sowie den mit Preußen verbündeten süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden und Hessen-Darmstadt gegenüber. „Weil Frankreich also hohe Reparationen zu zahlen hatte, war viel Geld da – und das sollte ins Militär gesteckt werden“, erzählt die Gästeführerin die Geschichte weiter.

Nicht alle Glocken wurden Kanonen

Man hatte die Idee, eine komplett autarke Kasernenstadt zu bauen, „denn die Soldaten und das ganze Militär waren damals dezentral untergebracht.“ Die später nach dem damaligen König benannte Albertstadt entstand für zunächst 10 000 Soldaten der Sächsischen Armee. In der zweiten Bauphase ab 1893 wurde die Garnisonkirche gebaut, eine Doppelkirche mit zwei Eingängen, sodass sowohl katholische als auch evangelische Soldaten einen Raum hatten, in dem sie ihren Glauben leben konnten.

Und nun kommt auch der Poller in der Görlitzer Straße ins Spiel: „Die Glocken der Kirche wurden aus alten Kanonen gegossen, die man von den Franzosen erobert hatte“, erzählt die Dresdnerin.

Wenn auf der Garnisonkirche die Glocken erklangen, war das also Siegesgeläut in doppeltem Sinn. „Doch nicht alle Kanonen wurden zu Glocken verarbeitet“, sagt Anett Lentwojt. „Diejenigen, die man nicht eingeschmolzen hatte, dienten fortan als Baumaterial.“ Und dieses Schicksal widerfuhr eben auch der einstigen Kanone, die nun als Poller am Hauseck steht, um selbiges vor streifenden Fahrzeugen zu schützen. Eine ausgesprochen erfreuliche Nutzungsänderung.

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Von Eva-Maria Bast

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