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Lokales Dresdner Geheimnisse Teil 4: Die Wiege der deutschen Sprache
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19:36 12.11.2019
Der Buchstabenstein ist das erklärte Lieblingsrelikt Dirk Birgels. Quelle: Buch
Dresden

Fragt man Dirk Birgel, seines Zeichens Chefredakteur der „Dresdner Neuesten Nachrichten“, nach seinem Lieblingsgeheimnis, dann muss er nicht lang überlegen: Der Buchstabenstein ist des Journalisten erste Wahl, kein Wunder, sind doch Buchstaben die Grundlage seiner Arbeit, wenn er Tag für Tag eine neue und möglichst informative Zeitung herausgibt. Mit Inhalten, aber auch mit einer Sprache, die für jeden verständlich ist, und mit Texten, die eine Sprachmelodie haben.

Birgel weiß, wie es ist, um das richtige Wort, um die richtige Formulierung zu ringen, sich nicht zufrieden zu geben, wenn auch nur der feinste Zwischenton nicht passt. Und deshalb ist der Buchstabenstein sein Lieblingsrelikt: Weil er an etwas erinnern soll, bei dem es um genau das geht: das Ringen um die Deutsche Sprache. „Und um Martin Luther, der genau das tat, als er die Bibel übersetzte. Immer wieder um das richtige Wort ringen“, erklärt der Chefredakteur.

Dieses Relief hat einen spannenden Hintergrund. Quelle: PR

Doch eigentlich geht es bei der Geschichte des Buchstabensteins um etwas ganz anderes: Es handelt sich um eine Replik des in Meißen in einer Hauswand eingemauerten Originals. Zu sehen sind vermutlich die Initialen des Kreisbeamten Christoph Beyer und dessen Ehefrau Anna Elisabeth, also A, B, C und E, welche das Grundstück, an dessen Mauer der Buchstabenstein angebracht ist, im Jahr 1690 erwarben. „Der Stein wurde so kunstvoll gearbeitet, dass man in den verschlungenen Buchstaben das vollständige Alphabet entdecken kann und damit ist ihm auch die Botschaft immanent, wie vielschichtig die deutsche Sprache ist, wenn man genau hinsieht, respektive hinhört“, sagt Birgel.

Mit Luther hat das alles erst mal nur sehr entfernt zu tun. Doch nun kommt Matthias Schanzenbach ins Spiel: Der begeisterte Heimatforscher, der für das Buch „Dresdner Geheimnisse“ jede Menge faszinierende Geheimnisse verraten hat, ließ zum Richtfest des „Hotel de Saxe“ eine Replik des Steins für Dresden anfertigen, der sogleich an der Fassade angebracht wurde.

Dresdner Geheimnisse Quelle: DNN

Der Grund für Schanzenbachs Geschenk: Er wollte mit dem Buchstabenstein eben genau darauf aufmerksam machen, dass hinter manchen Dingen mehr steckt, als es auf den ersten Blick scheinen mag. „Die vier Initialen bilden beim Buchstabenstein das Fundament für das ganze Alphabet. So, wie die sächsische Kanzleisprache das Fundament für die heutige deutsche Sprache bildet“, nähert sich Birgel der Auflösung des Geheimnisses: Denn als Martin Luther unter dem Decknamen Junker Jörg im Jahr 1520/21 auf der Wartburg weilte und sich in zehneinhalb Wochen der Übersetzung des Neuen Testaments aus dem Altgriechischen widmete, war seine Grundlage die 1408 entwickelte sächsische Kanzleisprache, auch Meißner Kanzleideutsch genannt – seine Muttersprache.

Dadurch, dass sich die Lutherbibel wie ein Lauffeuer über das Land verbreitete, wurde Sächsisch zur Amts-, Haupt- und Hochsprache in allen damals noch existierenden 326 Kleinstaaten. „Und seitdem lesen und schreiben alle Deutschen Sächsisch“, freut sich Birgel. Und diese Sprache wiederum war ohnehin schon ein Mittel zwischen den rund 20 Dialekten, die es zu jener Zeit in Deutschland gab und führte dazu, dass man sich untereinander verstehen konnte: „In Niedersachsen und Bayern haben sich die Menschen von Region zu Region nicht unterhalten können, weil sie eine andere Sprache hatten“, unterstreicht Birgel.

Der Sprachforscher Prof. Dr. Hartmut Günther erklärt in einem Interview: „Im Groben teilten diese sich in zwei große Sprachgebiete: Oberdeutsch im Süden, Niederdeutsch im Norden. Luther selbst wohnte genau an der Grenze. Aufgewachsen im (niederdeutschen) Eisleben und lange ansässig im (hochdeutschen) Wittenberg, war es für ihn selbstverständlich, sich beider Sprachen zu bedienen.“ Und Adolf Bach bemerkt in seiner Geschichte der deutschen Sprache: „Das Meißnische gab die Richtschnur ab für das gesprochene, mehr noch für das geschriebene Deutsch.“

Alle Teile der Serie

Das Buch: Eine Zwergensuche und die Geheimnisse der Semperoper Dresden

Dresdner Geheimnisse Teil 1: Das Sahnehäubchen Augusts des Starken

Dresdner Geheimnisse Teil 2: Der Zwinger ist sicher

Dresdner Geheimnisse Teil 3: Wie die Zwerge aus Breslau nach Dresden kamen

Dresdner Geheimnisse Teil 4: Die Wiege der deutschen Sprache

Durch die Lutherbibel verbreitete sich bekanntermaßen das Deutsch und wurde zur Grundlage der deutschen Einheitssprache. Und damit darf man das sächsische Kanzleideutsch mit Fug und Recht als Grundlage der deutschen Sprache bezeichnen, die Luther zwar nicht erfunden, aber doch entscheidend geprägt hat: Wäre er nicht gewesen, würden wir Nomen, wie in den meisten anderen Sprachen auch, vermutlich klein schreiben, wir würden bestimmte Begriffe nicht benutzen oder viel stärkere regionale Unterschiede haben, wir würden von Luther erfundene Worte wie Lückenbüßer, Machtwort, Feuereifer, Lästermaul und Morgenland nicht kennen und Redewendungen wie „Sein Licht unter den Scheffel stellen“, „Ein Stein des Anstoßes sein“ oder „Mit Blindheit geschlagen“ kämen wahrscheinlich nie über unsere Lippen.

200 bis 300 Jahre nachdem Luther auf der Wartburg die Bibel ins Deutsche übersetzt hatte, setzte sich das Bibeldeutsch des Reformators als Einheitssprache endgültig durch. Und deren Wiege steht in Sachsen. Dort, wo ein kleiner Buchstabenstein am „Hotel de Saxe“ angebracht ist – gestiftet, um an genau diesen Umstand zu erinnern, wenn das Original auch einst aus anderem Grund geschaffen wurde. Kein Wunder, dass dieser Buchstabenstein das Lieblingsgeheimnis eines Chefredakteurs ist, der findet: „Hinsichtlich der deutschen Sprache müssen wir unser Licht wahrlich nicht unter den Scheffel stellen.“ Auch und vor allem nicht in Sachsen.

Das Buch

Das Buch ist im Bast Medien Verlag in Kooperation mit den Dresdner Neuesten Nachrichten erschienen. Die Zeitung veröffentlicht in loser Folge Auszüge aus dem Buch. Es kostet 16,90 Euro. ISBN: 978-3-946581-71-0. Es hat 192 Seiten und ist durchgehend bebildert.

Erhältlich im Buchhandel, über die gebührenfreie Hotline 0800/2181-070, im Online-Shop unter www.lvz-shop.de oder direkt beim Verlag: bestellungen@bast-medien.de (versandkostenfrei). Abonnenten erhalten das Buch für 14,90 Euro über die gebührenfreie Hotline 0800/2181-070 und im Online-Shop unter www.lvz-shop.de.

Von Eva-Maria Bast

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