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Lokales Dresdner Geheimnisse Teil 15: Verkehrsschilder aus der Frühen Neuzeit
Dresden Lokales Dresdner Geheimnisse Teil 15: Verkehrsschilder aus der Frühen Neuzeit
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20:09 18.02.2020
Der Postmeilenstein in Zschernitz in Höhe der Münzmeisterstaße 14b. Quelle: Dresdner Geheimnisse
Dresden

Eine große, helle Säule. Darauf, in alter Schrift, eine Reihe von Orten – und daneben je eine Stundenzahl. Ganz unten: ein kleines Posthorn. Und die Zahl 1722.

Bei dem rätselhaften Relikt handelt es sich um einen Postmeilenstein oder auch: um eine kursächsische Postmeilensäule. Das ist nichts anderes, als ein Verkehrsschild mit Kilometerangabe, wie sie zuhauf an den Autobahnen stehen – nur eben aus dem 18. Jahrhundert und nicht mit Kilometer-, sondern mit Stundenangabe. Diese Postmeilensteine gehen auf den Pfarrer Adam Friedrich Zürner (1679-1742) zurück, der nicht nur predigte, sondern auch leidenschaftlich gern kartographierte.

Kursächsische Gebiete topografisch erfasst und kartographiert

Eine dieser Karten fiel August dem Starken (1670-1733) in die Hände. Und schon ereilte den Geistlichen am 12. April 1713 der kurfürstliche Auftrag, „Aemter samt denen darinnen befindlichen Herrschaften, Rittergütern, Städten, Dörfern und dergleichen mehr in mappas geographicas bringen“. Will heißen: Pfarrer Zürner, nun mit dem Titel „Land- und Grenzkommissar“ ausgestattet, sollte die kursächsischen Gebiete topografisch erfassen und kartographieren.

Der Pfarrer machte sich sogleich ans Werk und das tat er ausgesprochen gewissenhaft: Er erfand einen Wagen, an dem ein fünftes Rad angebracht war, das wiederum den Umfang einer Dresdner Rute hatte. Selbige misst 4,531 Meter. Dieses Rad war mit einer Kette verbunden, die an ein Zählwerk angeschlossen war und jede Umdrehung maß. Für unwegsamere und kutschenuntaugliche Wege kam ein mit der gleichen Konstruktion versehener Handkarren zum Einsatz. Immer dann, wenn Zürner oder seine Mitarbeiter eine Viertelmeile gemessen hatten, wurde ein nummerierter Distanzpflock aus Holz eingeschlagen.

Eine Viertelmeilensäule an der Ecke Räcknitzhöhe/Paradiesstraße im Stadtteil Zschertnitz. Quelle: Dresdner Geheimnisse

Die Ergebnisse mündeten in umfassendem Kartenmaterial, das August der Starke aus Sicherheitsgründen weitgehend geheim hielt, kleine Teile fanden sich aber auf einer im Jahr 1718 veröffentlichten „Chur-Sächsischen Post-Charte“ wieder. Auf dieser Grundlage entstanden nun die Postsäulen. Zuvor mussten allerdings noch einige Hürden genommen werden: Bis zur Einführung des Meters um 1900 gab es zahlreiche unterschiedliche Maßeinheiten, allein im Kurfürstentum fanden sich mehrere.

Deshalb – und nun schließt sich der Kreis zu der Zahl auf unserer Dresdner Säule unter dem Posthorn – wurden die Maße in Kursachsen im März 1722 zur Kursächsischen Postmeile vereinheitlicht. 2000 Dresdner Ruten waren eine Meile, also 9,062 Kilometer, für die man wiederum zwei Wegstunden brauchte. Die auf den Postmeilen angegebenen Entfernungsangaben sind somit Wegstunden, sprich, eine halbe Meile.

Nicht allzuviel Gegenliebe für Initiative August des Starken

Eine gute Sache, sollte man meinen – doch die Initiative August des Starken stieß keineswegs auf allzuviel Gegenliebe und auch das ist wieder ein Bezug zur Gegenwart: Wie häufig hört man Kommunen auf das Konnexitätsprinzip – wer bestellt, der zahlt – pochen und klagen, dass vom Bund oder vom Land Maßnahmen ergriffen werden, für die die Kommunen zu zahlen haben. Ganz ähnlich war das auch damals. Für die „Setzung der steinernen Post-Säulen“ waren die Städte und Gemeinden nämlich selbst zuständig, die Kosten und die Verantwortung hatte die Obrigkeit des jeweiligen Ortes zu übernehmen.

Das passte letzterer freilich so gar nicht – vor allem kleinere, wirtschaftlich schwächere Gemeinden ächzten unter der ihnen aufgebürdeten Last. Inständig bat der Sächsische Landtag den Kurfürsten daher im Jahr 1722, die Idee mit den Meilensteinen doch wieder fallen zu lassen und wies darauf hin, dass sich im ganzen Land heftiger Widerstand rege. Doch August der Starke dachte gar nicht daran, sondern drohte bei Zuwiderhandlung harte Disziplinarmaßnahmen an – auch bei Verzögerungen hatten die zu-ständigen Beamten mit Strafen zu rechnen. Letztendlich kam der Herrscher dann aber doch dem Landtag entgegen, wenn auch nur wenige Schritte: Er erklärte sich einverstanden, dass kleinere Orte nur einen Stein aufstellen müssen – dafür machte sich auch Zürner stark, der die Nöte der Kommunen kannte.

Alle Teile der Serie

Das Buch: Eine Zwergensuche und die Geheimnisse der Semperoper Dresden

Dresdner Geheimnisse Teil 1: Das Sahnehäubchen Augusts des Starken

Dresdner Geheimnisse Teil 2: Der Zwinger ist sicher

Dresdner Geheimnisse Teil 3: Wie die Zwerge aus Breslau nach Dresden kamen

Dresdner Geheimnisse Teil 4: Die Wiege der deutschen Sprache

Dresdner Geheimnisse Teil 5: Görlitzer Straße 18 b – Das Haus des dezenten Versands

Dresdner Geheimnisse Teil 6: Ein Lehrstück von konfessioneller Unruhe

Dresdner Geheimnisse Teil 7: Poller mit Durchschlagskraft

Dresdner Geheimnisse Teil 8:Die geheimen Verstecke in der Semperoper

Dresdner Geheimnisse Teil 9:Ein Ring für Schwerstarbeiter

Dresdner Geheimnisse Teil 10:Der Komponist und das Kapuzineräffchen

Dresdner Geheimnisse Teil 11: Der Weichbildstein im Großen Garten

Dresdner Geheimnisse Teil 12: Schwarze Steine – Dresdens verwundetes Herz

Dresdner Geheimnisse Teil 13: Wackerbarth ist mehr als Sekt

Dresdner Geheimnisse Teil 14: Als die Bahn noch für Tempo und Komfort bewundert wurde

Dresdner Geheimnisse Teil 15:Postmeilenstein - So lang dauert’s von A nach B

Und August versäumte auch nicht, für seine Postsäulen zu werben. In einer Denkschrift vom 19. September 1721 unterstrich er in 24 Punkten die Vorteile der Postsäulen, zum Beispiel, dass man mit ihnen die Bezahlung von „Bothen, Stafetten, Posten und anderen Fuhren“ überprüfen könne, was dazu führe, dass hier nicht mehr willkürlich zu hohe Preise festgelegt und die Reisenden über selbige klagen könnten. Außerdem könne man die Reisedauer nun exakt bestimmen.

Doch wirklich beruhigen ließ sich die Bevölkerung nicht und leistete nach wie vor entschieden Widerstand. Einmal aufgestellte Säulen wurden sogar teilweise umgeworfen, was der empörte August mit Festungshaft ahndete. Letztendlich setzte der Landtag durch, dass die Meilensteine wenigstens nur auf Haupt- und Poststraßen aufgestellt werden müssen.

200 Säulen bis heute erhalten

Es gab übrigens ganz unterschiedliche Arten von Säulen: Die Distanzsäule direkt vor den Toren der Stadt, die Ganzmeilensteine, die Halbmeilensteine und die Viertelmeilensteine. Die Ganzmeilensäulen waren mit 3,75 Metern sehr hoch, äußerst schlank und auf beiden Seiten beschriftet. Die Halbmeilensäule stand auf einem niedrigen Sockel, verjüngte sich von oben nach unten und hatte einen dachförmigen Abschluss. Mit drei Metern war sie niedriger als die Ganzmeilensäule. Und dann gab es noch den Viertelmeilenstein, eine Platte oder Stele auf einem Sockel. Die Viertelmeilensteine waren insgesamt 1,7 Me­ter hoch und hatten keine Entfernungsangabe, sondern nur ein Posthorn, das Monogramm „AR“ (Au­gustus Rex), die Jahreszahl und die Reihennummer eingemeißelt. Alle Steine einer Strecke waren durchnummeriert.

Von den rund 1500 Säulen, die zwischen 1722 und 1823 gesetzt wurden, sind heute noch etwa 200 erhalten oder wurden nachgebildet. Darunter auch die Säule in Zschernitz, die stumm von Zeiten kündet, als man für knappe zehn Kilometer noch zwei Stunden unterwegs war.

Das Buch

Das Buch ist im Bast Medien Verlag in Kooperation mit den Dresdner Neuesten Nachrichten erschienen. Die Zeitung veröffentlicht in loser Folge Auszüge aus dem Buch. Es kostet 16,90 Euro. ISBN: 978-3-946581-71-0. Es hat 192 Seiten und ist durchgehend bebildert.

Erhältlich im Buchhandel, über die gebührenfreie Hotline 0800/2181-070, im Online-Shop unter www.lvz-shop.de oder direkt beim Verlag: bestellungen@bast-medien.de (versandkostenfrei). Abonnenten erhalten das Buch für 14,90 Euro über die gebührenfreie Hotline 0800/2181-070 und im Online-Shop unter www.lvz-shop.de.

Von Eva-Maria Bast

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