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Lokales Dresdner Geheimnisse Teil 11: Der Weichbildstein im Großen Garten
Dresden Lokales Dresdner Geheimnisse Teil 11: Der Weichbildstein im Großen Garten
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08:43 09.01.2020
Cornelius Felber hat die Geschichte des Steins recherchiert.
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Dresden

Nur noch ein bisschen weiter. Da hinten zwischen den Bäumen sieht man ihn schon, den Stein, der die Stadtgerichtsgrenze anzeigt. Nur noch ein paar Schritte, dann ist er in Sicherheit: Wenn er endlich hinter dem Stein angekommen ist, können ihm die Wachen nichts mehr anhaben.

Diese oder ähnliche Gedanken dürften in den Köpfen vieler Delinquenten gekreist haben, als sie durch den Großen Garten hetzten, um einer Festnahme zu entgehen. „Der Stein markierte ab dem Jahr 1549 mit 99 weiteren durchnummerierten Quadern den Rechtsbezirk der Stadt“, ordnet der Dresdner Arzt Cornelius Felber ein. „Und deshalb bedeutete das Passieren des Steins in jener Zeit für viele Straftäter gewissermaßen den Schritt in die Freiheit.“

Weichbildsteine als Marker der Bannkreise

Durch Zufall hat Felber den Stein entdeckt, einer der wenigen, die noch existieren – und der heute zudem an seinem Originalstandort steht: An der Hauptallee des Großen Gartens. Von der Karcherallee aus, in knapp 50 Meter Abstand zum Parkeingang, kann man den 1,20 Meter hohen quaderförmigen Stein entdecken. Obwohl die Konturen der Abbildungen, die man auf dem Stein erkennen kann, von der Witterung längst unscharf geworden sind, ist das Dresdner Stadtwappen und darunter in geschwungenen Zahlen das Jahr 1679 auszumachen.

Er steht im Großen Garten, nahe des westlichen Haupteingangs (Karcherallee), Hauptallee 2, Richtung Großes Palais, dann links. Quelle: PR

„Meist wurden auf Grenzsteinen Wappen, Kruzifixe, Schwerter, Schwurhände oder andere Rechts- und Gerichtssymbole abgebildet“, erklärt der Dresdner. So konnten auch die einfachen, des Lesens nicht mächtigen Leute die Grenzen des Stadtrechts erkennen. Der Autor Hans Brunner schreibt in einem Aufsatz: „Während in zahlreichen Städten auf dem Markt der ‚Roland’ die städtischen Freiheiten und Rechte überwachte, sollten diese Weichbildsteine schon den anreisenden Kaufleuten die besondere Rolle des Ortes aufzeigen. Sie wurden deshalb ausdrücklich vor der Stadt an ihrem Bannkreis aufgestellt.“

Cornelius Felber erläutert: „Allerdings beschreibt der Ausdruck Weichbildstein weder etwas Weiches, noch ist es ein Bild. Es handelt sich wohl um die Verballhornung eines alten Wortes.“

Von 100 Grenzsteinen sind 17 übrig geblieben

Autor Hans Brunner konkretisiert dazu in seinem Aufsatz: „Der Begriff ‚Weichbild’ ist im Hohen Mittelalter im rheinisch-westfälischen Raum entstanden. Abgeleitet vom lateinischen ‚vicus’, was so viel wie eine besondere Siedlung, eine kleine Stadt bedeutete, hat sich das althochdeutsche ‚vic’, ‚vih’, ‚vich’ sprachlich später bis zu ‚weich’ gewandelt.“ Und der zweite Teil ist noch in den Wörtern billig und Unbill zu erkennen. Billich bedeute im Mittelhochdeutschen recht, von Rechts wegen, gerechterweise.

Alle Teile der Serie

Das Buch: Eine Zwergensuche und die Geheimnisse der Semperoper Dresden

Dresdner Geheimnisse Teil 1: Das Sahnehäubchen Augusts des Starken

Dresdner Geheimnisse Teil 2: Der Zwinger ist sicher

Dresdner Geheimnisse Teil 3: Wie die Zwerge aus Breslau nach Dresden kamen

Dresdner Geheimnisse Teil 4: Die Wiege der deutschen Sprache

Dresdner Geheimnisse Teil 5: Görlitzer Straße 18 b – Das Haus des dezenten Versands

Dresdner Geheimnisse Teil 6: Ein Lehrstück von konfessioneller Unruhe

Dresdner Geheimnisse Teil 7: Poller mit Durchschlagskraft

Dresdner Geheimnisse Teil 8:Die geheimen Verstecke in der Semperoper

Dresdner Geheimnisse Teil 9:Ein Ring für Schwerstarbeiter

Dresdner Geheimnisse Teil 10:Der Komponist und das Kapuzineräffchen

Dresdner Geheimnisse Teil 11: Der Weichbildstein im Großen Garten

„Allgemeinverständlich umfasst das Weichbild das Gebiet einer Stadt, auch außerhalb der Stadtmauer, in dem das Stadtrecht gilt“, sagt Cornelius Felber. Während der Zeit des Kurfürsten August von Sachsen (1526-1586) beinhaltet das Weichbild der Residenzstadt Dresden eine Fläche von etwa 18 Quadratkilometern. Damals wurden 80 Weichbildsteine auf der Altstädter und 20 auf der Neustädter Seite gesetzt.

Im Jahr 1820 waren noch alle 100 Grenzsteine erhalten. Heute sind allein 17 übrig geblieben. Und einer von ihnen steht weiterhin an seinem ursprünglichen Ort mitten im Großen Garten.

Das Buch

Das Buch ist im Bast Medien Verlag in Kooperation mit den Dresdner Neuesten Nachrichten erschienen. Die Zeitung veröffentlicht in loser Folge Auszüge aus dem Buch. Es kostet 16,90 Euro. ISBN: 978-3-946581-71-0. Es hat 192 Seiten und ist durchgehend bebildert.

Erhältlich im Buchhandel, über die gebührenfreie Hotline 0800/2181-070, im Online-Shop unter www.lvz-shop.de oder direkt beim Verlag: bestellungen@bast-medien.de (versandkostenfrei). Abonnenten erhalten das Buch für 14,90 Euro über die gebührenfreie Hotline 0800/2181-070 und im Online-Shop unter www.lvz-shop.de.

Von Christina Avdi

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