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Lokales Dresdner Forscher wollen Rückfallquote bei Hirntumoren senken
Dresden Lokales Dresdner Forscher wollen Rückfallquote bei Hirntumoren senken
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10:53 04.07.2019
Symbolfoto
Symbolfoto Quelle: dpa
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Dresden

Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 7000 Menschen neu an einem Tumor des Gehirns oder des Rückenmarks. Ein Viertel dieser Tumoren sind sogenannte Meningeome, spezielle Tumoren der Hirnhaut. Jeder sechste Patient mit dieser Diagnose erleidet im Laufe seiner Krankheitsgeschichte einen Rückfall. Die Gründe dafür erforscht aktuell ein Team aus Dresdner, Heidelberger, Düsseldorfer, Hamburger, Magdeburger und Münchner Wissenschaftlern. Die Forscher stellen sich die Frage, warum einige Meningeome aggressiver wachsen als andere.

Prof. Dr. med. Gabriele Schackert Quelle: PR

„Wir wollen herausfinden, was die Tumoren charakterisiert“, sagt Professorin Gabriele Schackert. Sie ist die Direktorin der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie des Dresdner Uniklinikums und Teil der Dresdner Arbeitsgruppe. Meningeome sind eigentlich gutartige Tumoren. Mediziner teilen sie in drei Grade ein. Ab dem zweiten Grad wachsen die gutartigen Zellen schneller, werden aggressiver. In jedem Fall werden sie operiert. Kann das gesamte Tumorgewebe entfernt werden, wird das Gehirn lediglich weiter beobachtet. Gibt es einen Rückfall, wird abermals operiert. Wenn nicht alle Zellen entfernt werden können, werden die Patienten anschließend mit einer Strahlentherapie behandelt. Eine Chemotherapie kommt bei dieser Tumorerkrankung nicht zum Einsatz, da es keine passende Zusammensetzung gibt.

Mit der Forschung sollen verbesserte Methoden zur Prognose eines solchen Tumors entwickelt werden, ebenso neue Therapiemöglichkeiten. Unterstützt werden sie mit 1,75 Millionen Euro von der Deutschen Krebshilfe. Die Dresdner Wissenschaftler widmen sich dabei der biochemischen Signatur, also der Zusammensetzung des Tumors. Mithilfe der sogenannten Raman-Spektroskopie soll die biochemische Struktur erhoben werden.

Bisher wird zwar schon entferntes Gewebe unter dem Mikroskop untersucht, um herauszufinden, ob der Tumor aggressiv wächst oder nicht. Allerdings sind diese Ergebnisse nicht immer eindeutig und ein Rückfall kann auch dann auftreten, wenn das Ergebnis nicht auf einen aggressiven Tumor hindeutet.

Am Ende der Forschungen sollen Blutuntersuchungen und neue bildgebende Verfahren noch vor einer Operation Rückschlüsse auf den Krankheitsverlauf der Meningeome ermöglichen. Gleichzeitig sollen während einer Operation die Grenzen zwischen Tumor und gesundem Gewebe besser zu unterscheiden sein. Die Dresdner Forschergruppe hat gerade mit der Arbeit begonnen. „Wir versprechen uns davon, mehr über die Tumoren zu lernen“, sagt Schackert. Wie lange diese dauern wird, sei noch unklar.

Von Lisa-Marie Leuteritz