Dresdner Forscher liefern Daten: Hautcheck gegen Hautkrebs sinnvoll
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Lokales Dresdner Forscher: Umstrittenes Hautkrebs-Screening ist sinnvoll
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Dresdner Forscher liefern Daten: Hautcheck gegen Hautkrebs sinnvoll

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11:15 27.08.2021
Eine Hautärztin untersucht eine verdächtige Hautveränderung bei einem Patienten.
Eine Hautärztin untersucht eine verdächtige Hautveränderung bei einem Patienten. Quelle: NCT/UCC/Philip Benjamin
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Dresden

Die Haut umhüllt und schützt unseren Körper mit einer Größe von fast zwei Quadratmetern. Mal wird sie zu oft der Sonne ausgesetzt, mal wird sie durch Kratzer verletzt und mal erscheinen von ganz allein dunkle Flecken, die vorher nicht da waren. Diese Hautveränderungen kann man aller zwei Jahre kostenfrei beim Hautarzt checken lassen. Doch das sogenannte Hautkrebs-Screening ist umstritten, da es kaum Daten gibt, die den Nutzen der Vorsorgeuntersuchung belegen.

Früherkennung kann Sterblichkeit senken

Forschende des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) sowie der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden haben nun Daten geliefert, die für das Screening sprechen. Die Zahlen zeigen, dass Hautkrebs nicht unterschätzt werden sollte: Laut des Berufsverbandes Deutscher Dermatologen erkranken rund 270 000 Menschen jährlich an Hautkrebs. Jede siebte Diagnose ist schwarzer Hautkrebs, ein malignes Melanom.

Bei der Vorsorgeuntersuchung geht es in erster Linie darum, den gefährlichen schwarzen Hautkrebs, das Melanom, rechtzeitig zu erkennen und damit die Überlebenschancen zu erhöhen. Für die Studie haben die Wissenschaftler die Krankenkassendaten von rund 1,4 Millionen Versicherten der AOK Plus aus den Jahren 2010 bis 2016 analysiert. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich durch die Früherkennungsuntersuchung schwarzer Hautkrebs früher erkennen und die Sterblichkeit von Melanom-Patienten senken lässt“, sagt Professor Jochen Schmitt, Direktor des Zentrums für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV) der TU Dresden.

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Nur sächsische Patientendaten analysiert

In der Studie wurde die Sterblichkeit zweier Gruppen von sächsischen Patienten untersucht, bei denen zwischen 2010 und 2016 ein Melanom diagnostiziert wurde. Dabei haben die Teilnehmenden der ersten Gruppe mindestens einmal im relevanten Zeitraum an einem Screening teilgenommen, die aus der zweiten Gruppe nicht. Das Ergebnis: Bei Gruppe eins war die Sterblichkeit um 38 Prozent geringer als in der Vergleichsgruppe. Laut der Forschenden könne man daraus Rückschlüsse ziehen, dass die Melanome durch das Screening in früheren Stadien entdeckt wurden.

Zwar seien nur Daten aus Sachsen analysiert worden, doch aufgrund der Verteilung wichtiger Merkmale wie Alter oder Geschlecht seien sie mit der gesamtdeutschen Bevölkerung vergleichbar, heißt es von den Verantwortlichen. Professorin Friedegund Meier, Leiterin des Hauttumorzentrums am NCT/UCC, wünscht sich mehr Untersuchungen zu diesem Thema, „um verbleibende Unsicherheiten zu minimieren“, sagt sie. Veröffentlicht wurde die aktuelle Studie im British Journal of Dermatology.

So läuft der Haut-Check ab

Für das Screening, auch Haut-Check genannt, kann man aller zwei Jahre zu seinem Hautarzt gehen. Bei den meisten Krankenkassen ist die Voraussetzung für eine Kostenübernahme, dass man mindestens 35 Jahre alt ist. Die AOK Plus bietet diese Leistung bereits Patienten ab 14 Jahren an. Während der Untersuchung selbst kontrolliert der Hautarzt jede Stelle des Körpers, auch die Zwischenräume der Zehen, den Intimbereich und die Kopfhaut. Gesucht wird dabei nach auffälligen Muttermalen, Leberflecken oder anderen Hautveränderungen. Im Anschluss wird geklärt, ob Veränderungen entfernt oder erstmal beobachtet werden sollten.

Von Lisa-Marie Leuteritz