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Lokales Dresdner Forscher bringen Autos autonomes Fahren bei
Dresden Lokales Dresdner Forscher bringen Autos autonomes Fahren bei
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18:35 10.10.2019
Weiße Testfahrzeuge mit der Aufschrift „connected.automated“ sind bereits im normalen Straßenverkehr in Dresden unterwegs. Nicht jeder Verkehrsteilnehmer wird sie als Exoten im Mischverkehr erkennen. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Wenn jemandem auf der Strecke von der Autobahn über die Bergstraße, den Zelleschen Weg und rund um den Großen Garten ein weißer VW Passat mit der Aufschrift „connected.automated“ entgegenkommt, kann es ein, dass dessen Fahrer nicht unbedingt die Hände fest am Lenkrad hat. Dort und auf einer weiteren Route am Flughafen Dresden bringen Forscher und Ingenieure Autos automatisiertes und vernetztes Fahren bei und testen im normalen Straßenverkehr die Mobilität der Zukunft.

Dresden sei der ideale Ort dafür, weil die Stadt mit ihrem Verkehrsleitsystem Vorreiter sei, sagte Uwe Richter, „Smart City“-Abteilungsleiter im Amt für Wirtschaftsförderung am Mittwoch auf dem Flughafen. Dort hatten sich 170 Forscher und Vertreter von Industriepartnern zu einer Konferenz getroffen, auf der sie die Ergebnisse von vier Projekten präsentierten, die jetzt nach dreijähriger Laufzeit zu Ende gehen. Dafür waren 13,9 Millionen Euro Fördergelder geflossen, davon 6,4 Millionen vom Freistaat.

Eine Ampel, Tausende Szenarien

Für einen flüssigen zeit- und energiesparenden Straßenverkehr sollen künftig alle Verkehrsmittel, vom ÖPNV bis zum Elektrofahrrad, miteinander kommunizieren, eine Vielzahl von Daten auswerten und austauschen. Dazu gehören auch intelligente Ampeln. „Die Zeit, wo nach ihrer Installation 30 Jahre nur die Lampen gewechselt werden mussten, sind vorbei“, sagte Mirko Taubenreuther von der IAV GmbH, die an allen vier Projekten beteiligt ist. Um aus Verkehrsdaten Prognosen und optimale Empfehlungen für den Verkehrsfluss zu errechnen, könne es allein an einer Ampel um Tausende von Szenarien gehen.

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20 graue Kästen – so genannte „Roadside Units“ (RSU) – funken zurzeit Daten des Verkehrsleitsystems an die Testfahrzeuge. Bald sollen es 45 sein. Sie sorgen auch dafür, dass Fahrer Unterstützung bei der Entscheidung für die optimale Geschwindigkeit und die richtige Fahrspur erhalten, dass sie über Staus oder nahende Gefahren informiert werden – oder dass die Autos allein mit diesen Informationen klarkommen.

Im Kofferraum der Testwagen für das autonome Fahren sieht es noch aus wie in einem Experimentierlabor. Später soll die Steuerelektronik unter der Haube eines normalen Serienfahrzeugs Platz finden. Quelle: Dietrich Flechtner

Eine Vision der Forscher ist es, 2023 ein autonomes Serienfahrzeug auf die Straße zu schicken. Das werde aber immer noch ein Testfahrzeug sein, stellt Torsten Gründel vom Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme (IVI) klar. Bis wirklich Autos autonom über Dresdner Straßen rollen, gibt es noch viel zu tun. Ein Ziel der Dresdner Projekte ist die Vorbereitung der technischen Komponenten für eine EU-Standardisierung. Deshalb nutzen die Forscher bereits auf dem Markt befindliche RSUs. „Da fahren wir aber zweigleisig“, erläuterte Gründel, „um auch mit Eigenentwicklungen, die noch mehr Informationen verarbeiten und austauschen, die zukünftige Richtung beeinflussen zu können“.

Der schnelle Umstieg auf Autonomie kommt nicht

Elf bis 17 Prozent Energieeinsparung, so Taubenreuther, hätten die Tests bei der Optimierung des Bremsens und Anfahrens an Kreuzungen gebracht. Künftig soll das Anfahren ganzer Fahrzeugkolonnen im Pulk in den Fokus rücken.

Bei der Stadt und der Sächsischen Energieagentur (Saena), die die Projekte koordiniert, hofft man auch auf wirtschaftlichen Erfolg. Deshalb seien die Projekte ganz gezielt auf mögliche Zulieferer vor Ort als Partner abgestimmt. Themen zum vernetzten Fahren werden die Kunden in den nächsten Jahren zunehmend auch in Produkten sehen, kündigte Taubenreuther an.

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Die Tests im Dresdner „Mischverkehr“ sind auch wichtig, weil es einen schnellen Umstieg auf autonomes Fahren wohl nicht geben wird. „Das wird eher schrittweise vonstatten gehen“, sagt Gründel.

Im Fokus steht jetzt auch die Zusammenführung mit bundesweit 40 weiteren Mobilitätsprojekten, die mit rund 40 Millionen Euro gefördert wurden, wie Norman Pischler, Regierungsdirektor im Bundesverkehrsministerium, mitteilte. Er und Silke Richter vom sächsischen Wirtschaftsministerium kündigten für die Zeit nach dem Auslaufen der aktuellen Vorhaben weitere Förderrunden für die Mobilitätsprojekte an.

Die einzelnen Projekte zum autonomen Fahren

Harmonize DD wird als Verbundprojekt von zehn Partnern aus Forschung, Industrie und der Stadt Dresden getragen. Es geht um die nahtlose Integration von automatisierten und konventionellen Fahrzeugen im Straßenverkehr der Innenstadt. Dazu werden neue Kommunikationssysteme, Nachrichtenformate, Schnittstellen und Daten benötigt.

SYNCAR: Sicherheit, Fahrkomfort und Energieverbrauch sollen künftig nicht mehr aus Sicht des einzelnen Fahrzeugs betrachtet werden. Die Vernetzung von Fahrzeugen, Ampeln und Informationssystemen ermöglicht vorausschauendes und energiesparendes Fahren. Die Fahrzeuge müssen über Kameras und Sensoren ihre Umwelt erkennen und entsprechend interpretieren können. Die Forscher konnten erste Ergebnisse wie automatische Spurwechsel mit Testfahrzeugen zeigen.

REMAS: Acht Projektpartner aus Forschung und Industrie arbeiten an der Zusammenführung verschiedener Fachgebiete. Sie stellen für das automatisierte Fahren notwendige Ressourcen wie Testfahrzeuge, Infrastrukturkomponenten, Simulations-, Versuchs- und Prüfanlagen zur Verfügung.

AULA: IAV Chemnitz und das Fraunhofer-Institut IVI haben eine Lösung für das Schnellladen autonomer E-Autos entwickelt. An das Lademodul am Unterboden dockt ein Kontaktmodul am Ladeplatz automatisch an und lädt die Batterie in kurzer Zeit auf. Die Hard- und Software dafür soll in zulassungsfähige seriennahe Produkte überführt werden. Gesamtziel ist die Entwicklung eines vollautomatischen E-Autos, das seine Batterie im öffentlichen Raum selbst aufladen kann.

https://www.synchrone-mobilitaet.de/

Von Holger Grigutsch

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