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Lokales Dresdner Flüchtlingsretter mit Lew Kopelew Preis ausgezeichnet
Dresden Lokales Dresdner Flüchtlingsretter mit Lew Kopelew Preis ausgezeichnet
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09:18 08.04.2019
Mit dem undotierten Preis ehrt das Kölner Lew Kopelew Forum das humanitäre Anliegen der Initiative, die mit ihrem Schiff „Lifeline“ Hunderte Flüchtlinge im Mittelmeer vor dem Ertrinken gerettet hat. Quelle: Hermine Poschmann
Dresden

Die Dresdner Seenotrettungsorganisation „Mission Lifeline“ mit Kapitän Claus-Peter Reisch ist am Sonntag mit dem Lew Kopelew Preis für Frieden und Menschenrechte geehrt worden. Mit dem undotierten Preis würdigt das Kölner Lew Kopelew Forum den Einsatz der Initiative, die mit ihrem Schiff „Lifeline“ Flüchtlinge im Mittelmeer aus Seenot rettet. Bei der Preisverleihung in Köln sagte der luxemburgische Außen- und Asylminister Jean Asselborn, Kapitän Reisch inspiriere wie der Namensgeber des Preises, der russische Humanist Lew Kopelew, dazu, sich der Gleichgültigkeit entgegenzustellen.

„Heute wird hier ein Mann geehrt, dessen Mut ich sehr bewundere“, sagte Asselborn laut Redetext in seiner Festrede. Reischs Wille und Einsatz für Menschen in äußerst schwierigen Gegebenheiten sollten ein Vorbild sein, kein Fall für die Justiz, betonte er mit Blick auf das Gerichtsverfahren, das derzeit auf Malta gegen Reisch läuft. Ihm wird vorgeworfen, das Schiff „Lifeline“ fehlerhaft registriert zu haben. Das Urteil soll am 14. Mai fallen.

Asselborn beklagte in seiner Rede, die Europäische Union sei in der Flüchtlingspolitik an ihrem eigenen Anspruch auf Menschlichkeit und Solidarität gescheitert. „Das Retten von Menschen im Meer ist heute in der EU kein oberstes Gebot mehr“, sagte der luxemburgische Außenminister. Vielmehr gelte das Prinzip: „Je weniger im Meer gerettet werden, umso weniger wagen sich aufs Meer, um zu uns zu kommen.“ Asselborn prangerte das „erbärmliche Gehabe“ der Mitgliedstaaten an, wenn nur eine kleine Zahl Menschen im Meer gerettet werde und die Verteilung in die EU-Staaten anstehe. Mit Blick auf „die Orbans, Salvinis, Le Pens, Gaulands und Co“ rief Asselborn dazu auf, sich Kräften entgegenzustellen, die die Werte der EU bis zur Unkenntlichkeit verbiegen wollten.

Der Vorsitzende des Lew Kopelew Forums, der Journalist Thomas Roth, würdigte den Einsatz von „Mission Lifeline“ und Reisch, die rund 1.000 Menschen aus dem Mittelmeer gerettet haben. „Unbequem, beharrlich und kompromisslos bestand er auf Humanität gerade da, wo das auch für ihn selbst unbequem war“, sagte der langjährige Moskau-Korrespondent der ARD laut Redetext über den Kapitän des Rettungsschiffs.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, nannte das Engagement der Seenotretter in einer Grußbotschaft unverzichtbar, um Menschenleben zu retten und das Handeln der Politik herauszufordern. Christen dürften sich mit dem Elend und der Not von Menschen nicht einfach abfinden, schrieb Marx in dem Grußwort, das auf der Preisverleihung verlesen wurde. Die Seenotretter zeigten, was das konkret bedeute: „Mit großem persönlichen Einsatz helfen sie dort, wo die meisten von uns lieber wegsehen.“

Das musikalische Rahmenprogramm der Preisverleihung gestaltete „Prinzen“-Sänger Sebastian Krumbiegel. Mit dem Preis ehrt das Lew Kopelew Forum seit 2001 jährlich Menschen, Projekte oder Organisationen, die im Sinne des russischen Germanisten, Schriftstellers und Humanisten Lew Kopelew (1912-1997) tätig sind. Bisherige Preisträger waren unter anderem der türkische Journalist Can Dündar, der russische Soziologe Lew Gudkow, syrische Friedensaktivisten und der Religionswissenschaftler Hans Küng

epd

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