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Lokales Dresdner Firma Theegarten-Pactec sucht Fachleute auch unter Flüchtlingen
Dresden Lokales Dresdner Firma Theegarten-Pactec sucht Fachleute auch unter Flüchtlingen
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19:03 12.12.2017
Der irakischer Flüchtling Merd Altamo und Iris Gleicke, Ostbeauftragte der Bundesregierung, bei Theegarten-Pactec in Dresden.
Der irakischer Flüchtling Merd Altamo und Iris Gleicke, Ostbeauftragte der Bundesregierung, bei Theegarten-Pactec in Dresden. Quelle: Sebastian Burkhardt
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Dresden

Merd Altamo sitzt in der Produktionshalle des Dresdner Verpackungsmaschinenherstellers Theegarten-Pactec. Angeführt von Geschäftsführer Markus Rustler und Iris Gleicke, der Ostbeauftragten des Bundes, nähert sich dem jungen Iraker eine große Menschentraube. Die Kameras blitzen, viele Fragen werden gestellt – der 2015 von Mossul nach Deutschland geflüchtete Mechaniker beantwortet sie in gutem Deutsch. In seiner Heimat habe er Maschinenbau gelernt und war im Lkw-Motorenbau für Scania tätig, dann kam die Flucht.

Zwölf Monate Deutschkurs später findet sich der Iraker als Probearbeiter bei Theegarten-Pactec wieder. Vier Wochen lang kann er dort sein Können unter Beweis stellen. „Sind wir von dem jungen Mann überzeugt, geht es mit einem bezahlten Praktikum oder einer Ausbildung weiter“, erklärt Markus Rustler. Sein Unternehmen ist mittlerweile geübt im Umgang mit Flüchtenden und Zugereisten. Dafür bekommt die Dresdner Firma viel Lob von außerhalb: sowohl vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHT) und dem Bundeswirtschaftsministerium, als auch von der Industrie- und Handelskammer Dresden. Die Verantwortlichen dieser Institutionen trafen sich am Dienstag in Dresden, um die Aufnahme von Theegarten-Pactec in das vom Bund geförderte Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ zu würdigen.

Der Verpackungsmaschinenhersteller ist das 1500. Mitglied und dazu noch ein ganz besonderes, wenn es nach der Ostbeauftragten Iris Gleicke (SPD) geht. „An so einem Beispiel erkennen wir das gute Gesicht des Landes.“ Flüchtlinge in Lohn und Brot zu bringen sei eine zentrale Herausforderung für die Zukunft. Doch, so fügte Achim Dercks an, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des DIHT, sei das noch ein langer und steiniger Weg. „Die eigentliche Arbeit fängt jetzt erst an – und zwar in den Unternehmen.“ Während sich die öffentliche Wahrnehmung wegen der sinkenden Flüchtlingszahlen wieder „normalisiere“, gelte es nun, für Arbeitgeber sprachliche, kulturelle und nicht zuletzt fachliche Hürden zu überwinden, so Dercks. Dabei benötige man umfassende Hilfe, nicht nur vom Bund, sondern auch untereinander.

Deshalb sei das Netzwerk so essenziell wichtig und notwendig, ergänzte Gleicke. Darüber hinaus könnten viele andere beispielsweise von den Erfahrungen der Dresdner Verpackungsspezialisten profitieren. Theegarten-Pactec bemüht sich seit Jahren, Lehrlinge und Fachkräfte unter Geflüchteten zu finden. Bereits 2008 heuerte ein afghanischer Flüchtling als Hilfsarbeiter bei Pactec an, eine Ausbildung und knapp zehn Jahre später ist er ein wichtiger Maschinenmonteur, der weltweit auf Montage im Einsatz ist und dank seiner fünf erlernten Sprachen Fachpersonal vor Ort schult. Seit 2016 beschäftigt die Dresdner Firma zudem einen weiteren Afghanen, der gerade eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker macht.

Dazu ermöglicht Pactec regelmäßige Probearbeiten und Praktika für Geflüchtete. So bekommen Menschen wie Merd Altamo die Chance, in die deutsche Arbeitswelt reinzuschnuppern. „Das Beispiel Pactec zeigt, dass ein langer Atem lohnt und dem Unternehmen zukünftig Fachkräfte sichert“, erklärt Dercks.

Von Sebastian Burkhardt

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