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Lokales Dresdner Experten sehen Feinstaub-Grenzen kritisch
Dresden Lokales Dresdner Experten sehen Feinstaub-Grenzen kritisch
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14:42 24.01.2019
Symbolbild: Ein Mann schützt sich vor Smog mit einer Atemmaske. Quelle: MTI/AP
Dresden

Sie stehen drei Mal in Dresden und sorgen für viel Diskussion: die Messanlagen für Feinstaub und Stickstoffverbindungen. Dieselnutzer fürchten immer mehr Fahrverbote, manch Dresdner fürchtet beim Radeln an Hauptstraßen um seine Gesundheit. Doch sind Feinstaub und Stickstoffverbindungen wirklich gesundheitsgefährdend und wenn ja, wie sehr? Matthias Klingner, Leiter des Dresdner Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme, stimmt dem veröffentlichten Positionspapier zu, das EU-Vorgaben zur Luftreinhaltung und daraus resultierende Fahrverbote für kritisch erklärt.

Ein Dresdner unterzeichnet Positionspapier gegen Feinstaub-Grenze

Klingner ist der einzige Dresdner aus der Liste der aktuell rund 100 Unterzeichner des Papiers, das der Lungenmediziner und ehemalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) Dieter Köhler initiiert hat.

Prof. Matthias Klingner. Quelle: Fraunhofer Institut

„Mit fragwürdigen Modellrechnungen und Hypothesen, die dem gesunden Menschenverstand widersprechen, wird die Bevölkerung immer wieder mit Horrorzahlen feinstaub- und stickoxidbedingter Todesfälle verunsichert“, sagt Verkehrswissenschaftler Matthias Klingner auf DNN-Anfrage. Bereits vor einem Jahr setzte er sich in einem viel beachteten Interview für eine ideologiefreie Debatte über Schadstoffe durch Autoverkehr ein.

Fraunhofer-Leiter: „maßlos überschätztes Risiko“

Lungenärzte sähen in ihren Praxen und Kliniken Todesfälle durch chronische Atemprobleme und Lungenkrebs täglich; jedoch Tote durch Feinstaub und Stickstoffverbindungen nie, heißt es in der öffentlichen Stellungnahme. Auch Klingner hält das gesundheitliche Risiko von Feinstaub für „maßlos überschätzt“, auch wenn er sich gleichzeitig dafür ausspricht, die Verkehrsbelastung in Innenstädten zu verringern.

Dirk Koschel ist als Lungenspezialist am Dresdner Uniklinikum und am Fachkrankenhaus Coswig tätig. „Man muss die Verhältnismäßigkeit sehen“, sagt der Professor. Es sei wichtig die Raucherprävention voranzutreiben, mahnt Koschel. „Für den Einzelnen hat dies eine deutlich größere Wirkung als ein Feinstaub-Grenzwert“.

Lungenmediziner Koschel vom Uniklinikum kritisiert Studienmethodik

Die Weltgesundheitsorganisation WHO und die EU nehmen auf Basis von Studien hingegen an, dass sich in Deutschland die Lebenserwartung durch Luftverschmutzung um rund zehn Monate verringert. Lungenmediziner Koschel kann die Kritik an der Studienmethodik und den Schlussfolgerungen nachvollziehen, mit denen die Lebenserwartungen von Menschen in verschiedenen Regionen mit unterschiedlicher Luftqualität verglichen werden. „Die verfügbaren Daten sind zum Teil schon älter“, sagt der Lungenmediziner.

In dem Positionspapier heißt es, die Unterschiede würden auch durch Faktoren wie unter anderem Rauchen, Alkoholkonsum und medizinische Versorgung beeinflusst. Wer täglich eine Schachtel Zigaretten rauche, atme in knapp zwei Monaten die gleiche Menge Feinstaub ein wie ein Nichtraucher in 80 Jahren.

„Tatsache ist aber, gewisse Luftschadstoffe können bei Lungenpatienten mit zum Beispiel Asthma oder COPD zu Verschlechterungen führen“, erklärt Koschel.

Koschel: „Gibt keine Studien, die Gesundheitsgefährdung ausschließen“

„Die Daten, die eine Feinstaubbelastung für einen vorzeitigen Tod verantwortlich machen, sind aus methodischer Sicht zu hinterfragen“, sagt Koschel. Doch ebenso gilt: „Es gibt keine Studien, die negative Folgen für die Gesundheit durch Feinstaubbelastung ausschließen“.

Bezogen auf die nun realisierten Dieselfahrverbote sagt der Leiter des Dresdner Fraunhofer-Instituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme: „Es scheint die Stunde gekommen zu sein, dass gegenteilige Äußerungen endlich gehört und versachlicht diskutiert werden“. Auch Koschel begrüßt die aktuelle Debatte. „Die Kernfrage muss heißen, ist die wissenschaftliche Grundlage für Dieselverbote ausreichend?“.

Welche Maßnahmen auf Basis der Werte von den drei Dresdner Messgeräten für Feinstaub- und Stickstoffverbindungen für die Stadt getroffen werden, bleibt allerdings eine Frage der Politik.

Von Tomke Giedigkeit

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