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Lokales Dresdner Entwicklung macht Bestrahlung sicherer
Dresden Lokales Dresdner Entwicklung macht Bestrahlung sicherer
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13:51 08.02.2019
Medizinphysiker Knut Merla und die leitende MTRA Kathleen Schreiber beim Ansetzen eines Zylinders an das Röntgengerät.
Medizinphysiker Knut Merla und die leitende MTRA Kathleen Schreiber beim Ansetzen eines Zylinders an das Röntgengerät. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Die Bestrahlung in der Röntgentherapie von Fersenspornen, Gelenken mit Arthrose oder Bindegewebeerkrankungen dauert nur wenige Sekunden oder Minuten – trotz des kurzen Zeitraums kann eine falsche Bestrahlung dem Patienten schaden. Um beispielsweise den Fersensporn zielgenau zu bestrahlen, wählen die Mitarbeiter einen in der Größe passenden Zylinderaufsatz für das Röntgengerät aus. Ist er zu groß gewählt, wird auch umliegendes Gewebe belastet – ist er zu klein, wird das Gelenk oder Bindegewebeareal nicht ausreichend bestrahlt.

Bis jetzt mussten sich die Mitarbeiter im Röntgenbereich stets gegenseitig kontrollieren, um keine Fehler zu machen – eine Entwicklung des Städtischen Klinikums und einer Dresdner Chipfirma soll die Strahlentherapie jetzt sicherer machen und möglicherweise künftig international in Krankenhäusern eingesetzt werden. Das Team um den Medizinphysiker Knut Merla am Städtischen Klinikum hat zusammen mit der Firma „SAW“, die spezielle Chips herstellt, eine drahtlose Sicherheitsüberprüfung in Röntgentherapieanlagen eingebaut, die eine falsche Bestrahlung von Patienten ausschließen soll.

„Bis jetzt hat es mit der Röntgentherapieanlage noch keine Fehlbestrahlung im Städtischen Klinikum gegeben“, sagt Merla. Seit dem 1. Februar kommuniziert das System drahtlos über akustische Oberflächenwellen mit den verschiedene Komponenten des Röntgengeräts. Das besondere: Die Chips müssen der ionisierenden Strahlung standhalten, denn die Röntgenstrahlung beeinträchtigt die Funktion von herkömmlichen Halbleiter-Chips.

„Rund ein Jahr dauerte die gemeinsame Entwicklung“, sagt SAW-Geschäftsführer Steffen Zietzschmann. Das Amt für Wirtschaftsförderung der Stadt Dresden hat sich im Rahmen der Innovationsförderung mit knapp 30 000 Euro an der medizintechnischen Entwicklung beteiligt. „Derzeit fördern wir 16 Projekte von Unternehmen und Forschungseinrichtungen in der Stadt“, sagt Amtsleiter Robert Franke. „Rund 1400 Patienten jährlich, die teilweise auch mehrfach bestrahlt werden müssen, können von der sicherer gewordenen Anlage im Städtischen Klinikum profitieren“, berichtet Merla. Die Röntgentherapiegeräte, die mit der Technik aufgerüstet werden können, ist auch im Krankenhaus St.Josephstift und dem Uniklinikum im Einsatz. Doch das weltweit erste System dieser Art soll auch über das Gebiet der Landeshauptstadt hinaus die Röntgentherapie sicherer machen. In der nächsten Woche sollen Gespräche mit dem Röntgengeräte-Hersteller aus Großbritannien stattfinden, der bereits Interesse an der Dresdner Entwicklung geäußert hat.

Von Tomke Giedigkeit