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Dresden Lokales So kommen Sehbehinderte künftig einfacher durch das Rathaus
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15:32 13.09.2019
Mit der BlindFind App durch das Rathaus: Dr. Robert Franke (links) und Softwareentwickler Dr. Jan Blüher. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Ein seltsamer Ton, der entfernt an eine Mundharmonika erinnert, hallt durch das Foyer des Dresdner Rathauses. Jan Blüher dreht seinen Kopf in die Richtung, aus der das Geräusch kam und setzt sich in Bewegung. Was in seinem Fall heißt: Er tastet mit dem Blindenstock vorsichtig ab, ob ihm etwas im Weg steht, bevor er seine Schritte setzt. Blüher ist 42 Jahre alt, Unternehmer und hat eine Sehbehinderung. Im Rathaus hat er ein von ihm entwickeltes Blindenleitsystem einbauen lassen, dass er nun einem Test unterzieht.

Dicke Mauern behindern das GPS

Zum System gehören zwei Bestandteile. Zum einen kleine graue Boxen, die wie Lautsprecher aussehen und überall dort angebracht werden, wo es sinnvoll erscheint: An Eingängen zu Toiletten, am Fahrstuhl, an der Pforte des Plenarsaals. Gesteuert werden die „VisorBox“ genannten Geräte über eine Smartphone-App, die „BlindFind“ heißt. Beides hat Blüher entwickelt. „Das Smartphone hat sich in den letzten Jahren für viele Sehbehinderte zu einer Navigationshilfe entwickelt“, sagt Blüher. Das Gerät erfasst, wo sich der Nutzer befindet und teilt es ihm über eine Sprachausgabe mit.

In einem Gebäude wie dem Rathaus stößt das allerdings an Grenzen. „Die Mauern sind so dick, dass nicht überall ein GPS-Signal oder mobiles Internet empfangen werden kann“, sagt Robert Förster, Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung. Er unterstützt Blühers Entwicklung mit etwa 70.000 Euro aus dem Dresdner Innovationsfonds, weil sie eine maßgeschneiderte Lösung anbietet. Boxen und Smartphone verbinden sich über Bluetooth, alle Daten sind auf der jeweiligen Box hinterlegt. „Das funktioniert ohne Internet“, sagt Blüher.

Ein halbes Jahr Testlauf

Wie es geht, zeigt er, sobald er die Goldene Pforte durchquert hat. Er aktiviert das System über sein Smartphone und lässt sich von der Box über der Pforte ansagen, welche Ziele es im Raum gibt und wie er sie erreichen kann. Er wählt über sein Smartphone den Fahrstuhl an – und das Harmonika-Geräusch ertönt. „Es hallt sehr in diesem Raum“, sagt Blüher. Deswegen geht er beim ersten Versuch am Fahrstuhl vorbei. „Für unser System ist ein Raum wie dieser ein Härtetest.“

Zunächst 21 Boxen hat Blüher im Rathaus installieren lassen. Sie weisen den Weg zum Plenarsaal. Ein weiteres Testfeld ist im Gebäude Strehlener Straße 24, wo die Kreisorganisation des Blinden- und Sehbehindertenverbands ihren Sitz hat. Dort sind 17 der Boxen verbaut. „Hier haben wir viele Besucher, dort gehen vor allem Blinde und Sehbehinderte ein und aus“, erläutert Blüher die Wahl. Man werde jetzt ein halbes Jahr oder etwas länger ausprobieren, wie das System funktioniert, sagt Amtsleiter Franke. „Und dann werten wir das aus.“

Ihm gehe es beim Einbau vor allem darum, das Rathaus so barrierefrei wie möglich zu erschließen. „Das System ist modular aufgebaut, wir können es auch auf andere Teile des Rathauses erweitern“, sagt Franke. Denn auch das sei bei der Förderung durch den jährlich mit einer halben Million Euro gespickten Innovationsfonds Ziel. „Wir wollen, dass Dresdner Entwicklungen der Technologiebranche Erfolg haben“, sagt Franke.

Weiterlesen:• Dresdner Software-Schmiede macht Printmedien für Blinde „lesbar“

Von Uwe Hofmann

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