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Lokales Frühere Krebserkrankung: Immer mehr Dresdner brauchen Hilfe bei Verarbeitung
Dresden Lokales Frühere Krebserkrankung: Immer mehr Dresdner brauchen Hilfe bei Verarbeitung
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09:38 28.03.2019
Psychologe Remo Kamm und sein Assistent Paulchen sind ein eingespieltes Team, wenn es um die Hilfe für kleine Krebspatienten geht. Quelle: Foto: Anja Schneider
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Dresden

Die Brettspiele türmen sich bis unter die Decke, auf dem Tisch steht ein Playmobil-Krankenhaus und daneben liegt eine Landkarte, auf der die Kinder ihre Gefühle einordnen können. Auch eine Höhle gibt es, da drin ist es so eng wie in einem MRT und Erwachsene passen da gar nicht rein, wird uns Paulchen später erklären: Paulchen ist eine Handpuppe und der Assistent von Psychologe Remo Kamm und gemeinsam arbeiten sie in der psychosozialen Beratungsstelle des Sonnenstrahl e.V. .

Anlaufstelle für Patienten und das gesamte Umfeld

Das Motto der Einrichtung lautet „Nachsorge nach der Sorge“. Seit fünf Jahren finden Eltern krebskranker Kinder und Jugendlicher sowie auch die Betroffenen selbst hier eine Anlaufstelle für die Zeit nach der schweren Erkrankung. „Die Idee einer Beratungsstelle entstand aus unserer Arbeit mit den betroffenen Familien“, erzählt Ulrike Grundmann, Leiterin des psychosozialen Teams. Den Sonnenstrahl e.V.s gibt es schon seit mehr als 25 Jahren. Doch das Angebot reichte nicht aus: „Oft entwickeln sich akute Probleme in der Partnerschaft, der Erziehung oder auch Sinn- und Lebenskrisen. Bei psychologischen Praxen wartet man sehr lange auf einen Termin. Also haben wir für unsere Familien eine Beratungsstelle gegründet und einen Psychologen eingestellt“, berichtet Grundmann.

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Remo Kamm und seine Kollegen begrüßen nun seit fünf Jahren regelmäßig Betroffene, Familien, Geschwister und andere Angehörige in der Beratungsstelle an der Goetheallee 15. Aber nicht nur hier: Das Team besucht auch Familien zu Hause oder verlegt die Beratung kurzerhand in eine andere Stadt, wenn es nicht anders möglich ist. Hinzu kommen Besuche in den Schulklassen der erkrankten Kinder. „Auch für sie ist das keine leichte Situation und viele Kinder und Lehrer wissen nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Wir unterstützen sie dabei und veranstalten Schulstunden, in denen wir sie über die Krankheit aufklären“, sagt Kamm.

Beratungen auch Jahre nach der Erkrankung noch notwendig

Die Nachfrage steigt stetig: Waren es 2015 noch 125 Einzelkontakte, ist die Zahl 2018 auf 240 angestiegen. Dazu kommen noch 152 unterstützte Familien. In den vergangenen fünf Jahren ist den Beratern etwas ganz besonders aufgefallen: „An uns wenden sich häufig Menschen, deren Krebserkrankung im Kindesalter zwischen fünf und 20 Jahren zurückliegt. Das bedeutet, dass erwachsene, ehemalige Patienten an irgendeinem Punkt in ihrem Leben ebenfalls Hilfe brauchen, um ihre Erkrankung erneut zu verarbeiten“, erzählt Kamm. Die Auslöser dafür können ganz unterschiedlich sein: Körperliche Entstellung, , die Gründung der eigenen Familie oder auch die Probleme dabei als eine Folge der Chemotherapie.

Handpuppe Paulchen kommt vorrangig bei den jüngeren Patienten zum Einsatz. Der Psychologe erzählt, dass er so leichter mit Kindern über Befindlichkeiten sprechen kann. Denn einfach ist es weder für Kinder, noch für Erwachsene, über die Ängste, Einschränkungen, Konflikte oder auch über die Trauer nach einem Todesfall zu sprechen. Die Kosten für die Beratungen werden vom Sonnenstrahl e.V. übernommen.

21. Benefizkonzert zugunsten krebskranker Kinder und Jugendlicher am 5. April in der Kreuzkirche mit dem Dresdner Kreuzchor und dem Jungen Sinfonieorchester. Karten ab 14 Euro unter www.hallo.etix.com/benefizkonzert

www.sonnenstrahl-ev.org

Von Lisa-Marie Leuteritz

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