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Lokales Dresdens Streetworker wünschen sich mehr Geld – seit 2000 sind 27 Stellen weggefallen
Dresden Lokales Dresdens Streetworker wünschen sich mehr Geld – seit 2000 sind 27 Stellen weggefallen
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20:17 09.09.2015
Von Stephan Lohse
Dresdner Sozialarbeiter und Unterstützer haben am Dienstag auf die Notwendigkeit von mobiler Sozialarbeit durch Streetworker aufmerksam gemacht.
Dresdner Sozialarbeiter und Unterstützer haben am Dienstag auf die Notwendigkeit von mobiler Sozialarbeit durch Streetworker aufmerksam gemacht. Quelle: Stephan Lohse
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Gab es laut den Veranstaltern im Jahr 2000 noch insgesamt 35 Stellen bei Stadt und 14 bei freien Trägern, sind es heute noch exakt 21,5 Stellen, wobei diese grundsätzlich auf mehrere Personen aufgeteilt sind. Volle Stellen gebe es für Streetworker gar nicht mehr.

Aktuell investiert die Stadt jährlich 1,25 Millionen Euro in die sogenannte mobile Sozialarbeit, so Jugendamtschef Claus Lippmann. „Die Situation ist nicht so schlecht wie angegeben“, sagte er. Zudem verwies er darauf, dass die Arbeit von Streetworkern nur ein Puzzlestück sei. Andere Aktivitäten wie die Schulsozialarbeit müssten bei der Betrachtung genauso berücksichtigt werden. Zudem seien mehrere Stellen wieder in die Arbeit des Allgemeinen Sozialen Dienstes des Jugendamtes integriert worden.

Thorsten Deigweiher von der Treberhilfe Dresden aber ließ sich davon nicht überzeugen. Der Bedarf sei größer als das Angebot. Die Sozialarbeiter seien aktuell in Zwei-Mann-Teams unterwegs, statt zu dritt, wie es die Fachstandards vorsehen. Zudem sei heute keiner der Streetworker Vollzeit beschäftigt. Eine längere Krankheit oder ein Urlaub führten dann schnell dazu, dass Lücken entstehen. Aufgebaute Beziehungen zu den betreuten Dresdnern würden da schnell Schaden nehmen.

Auch SPD-Politikerin Sabine Friedel, die in Stadtrat und Landtag sitzt, wies auf die Bedeutung hin. Fehlten Streetworker, gerieten Jugendliche schnell auf die schiefe Bahn. Das aktuell akute Problem einer immer größer werdenden Neonazi-Gruppierung in Laubegast und Leuben sei auch dadurch begründet, dass es hier keine mobile Sozialarbeit gibt, die die Jugendlichen „abhole“.

Denn genau das mache die Arbeit von Streetworkern aus, erklärt Deigweiher. Es gehe darum zu denjenigen vorzudringen, die nicht in Jugendclubs oder zu Beratungsstellen kommen. Dahin zu gehen, wo Jugendliche sind, sei der Kern der Tätigkeit.

Und für den wünschen sich die Beteiligten mehr Geld. Für sechs Millionen Euro beispielsweise, die der breitere Ausbau der Königsbrücker Straße kosten soll, könnte man das Budget fünf Jahre lang verdoppeln, rechnet Friedel vor. Auch der CDU-Landtagsabgeordnete Patrick Schreiber stimmte dem zu. Zudem machte er Hoffnung, mobile Jugendarbeit künftig stärker als Schwerpunkt in der Jugendhilfeplanung verankern zu wollen.

Mehr Geld sei nötig, meint auch Sozialpädagoge Dieter Wolfer, der für die Treberhilfe arbeitet. Zum einen seien mehr Mitarbeiter nötig, zum anderen müssten die Bedingungen für die jetzigen Mitarbeiter verbessert werden. Befristete Verträge, unsichere Zukunft und schlechte Gehälter sorgten für eine hohe Fluktuation bei den Mitarbeitern, berichtet er. In einem Beruf, in dem die Akzeptanz an die handelnden Personen gebunden ist, sei so etwas hochgradig schädlich.

Mehr Mitarbeiter würden auch helfen, die vorsorgenden Angebote auszubauen. Inzwischen ginge die meiste Zeit für die Betreuung von Einzelfällen drauf. Zum Beispiel, weil die Streetworker viel Zeit in die Hilfe bei Hartz-IV-Anträgen oder bei der Wohnungssuche investieren müssen. Für die Arbeit mit Gruppen sei kaum Zeit. Dabei sei gerade die wichtig, um das soziale Umfeld in den Vierteln zu festigen.

Stephan Lohse