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Lokales Dresden will mit Straßensozialarbeit Brennpunkte entschärfen
Dresden Lokales Dresden will mit Straßensozialarbeit Brennpunkte entschärfen
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13:32 06.06.2019
Das Projekt "SafeDD" ist an der St. Petersburger Straße in einer ehemaligen Spielothek untergebracht. Quelle: Foto: Aaron Wörz
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Dresden

Mit Reaktionen wie „Endlich seid ihr da!“ begrüßten Anwohner und Gewerbetreibende die Sozialarbeiterin Heidi Hemmann im Februar am Wiener Platz. „Es hat sich sehr schnell rumgesprochen, dass wir vor Ort sind“, berichtet die Mitarbeiterin des SZL-Suchtzentrums. Nach einem Beschluss des Dresdner Stadtrates im März 2018 dauerte es aber fast ein Jahr, bis die Streetworkerin und ihre sechs Kollegen als Teil des beschlossenen „Maßnahmenplans für Suchtprävention am Wiener Platz und weiteren Brennpunkten bis 2020“ ihre Arbeit aufnehmen konnten.

Hintergrund war der florierende Handel mit Drogen rund um den Hauptbahnhof: Groß angelegte Polizeieinsätze wurden zur Normalität. In Zukunft sollen die neu eingesetzten Sozialarbeiter an Stelle von blau-weißen Mannschaftswagen dazu beitragen, Brennpunkte wie den Wiener Platz zu „befrieden“. „Es geht aber nicht darum, Menschen zu verdrängen. Öffentlicher Raum ist für die Nutzung gedacht“, betont Heidi Hemmann.

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Erstmals Straßensozialarbeit für Erwachsene

Die Landeshauptstadt will mit der Initiierung des Projektes die Anzahl der Rauschgiftdelikte reduzieren und Hilfsangebote für Betroffene verbessern. Seit nunmehr fünf Monaten kooperiert das Dresdner Gesundheitsamt mit einem freien Träger aus dem sozialen Bereich, um dieses Ziel erstmals mit Hilfe von Straßensozialarbeit für Erwachsene umzusetzen. Drogenkonsumenten und Erwachsene in prekären Lagen Hilfestellung geben – so lautet das Vorhaben der beiden Mannschaften aus Sozialarbeitern, die immer zu zweit in der Altstadt, Neustadt sowie in Gorbitz und Prohlis unterwegs sind.

Die Außenfassade des neuen Hauptquartiers ziert noch immer der Schriftzug „Spielothek“. In der Koordinierungsstelle des Projekts mit dem Namen „SafeDD“ an der St. Petersburger Straße 14 finden Hilfe- und Ratsuchende zudem dienstags von 10 bis 16 Uhr ein offenes Ohr für ihre Anliegen.

Über 500 Kontaktaufnahmen in fünf Monaten

In den ersten fünf Monaten fanden bereits rund 500 Kontaktaufnahmen vor Ort in den Stadtteilen statt. „Wir wollen Menschen auf dem Weg aus der Sucht oder Wohnungslosigkeit begleiten“, erklärt Sozialarbeiter Daniel Großer, der in den Bezirken Gorbitz am Amalie-Dietrich-Platz, Merianplatz und in Prohlis um den Albert-Wolf-Platz als Zuhörer und Vermittler tätig ist.

Betreut wird das Projekt mit der SZL-Suchtzentrum GmbH von einem Leipziger Träger, der seit 2001 in Dresden die Suchtberatungs- und Behandlungsstelle „Horizont“ auf der Kesselsdorfer Straße, die Übergangswohnheime Emerich-Ambros-Ufer und Hubertusstraße sowie ambulante Betreuungen und drogenfreie Wohngemeinschaften verantwortet.

Zur Finanzierung des Projektes erhält „SafeDD“ bis Ende 2020 rund 584 000 Euro vom sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz. Was danach mit dem Projekt geschieht, hängt vom kommenden Doppelhaushalt des neu gewählten Dresdner Stadtrats ab.

Von Aaron Wörz