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Lokales Dresden will Bibliotheken auch sonntags öffnen
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19:44 12.11.2019
Leiterin Katrin Doll freut sich über den neuen, größeren Standort für die Bibliothek Südvorstadt und die Bücher, die Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch mitgebracht hat. Im Neubau sind nun auch Sonntagsöffnungszeiten möglich. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Spätestens ab 2025 sollen alle Stadtteilbibliotheken in Dresden sieben Tage pro Woche geöffnet sein – also auch sonntags und an bisherigen Schließtagen. In den Abendstunden verwandeln sie sich dann in Stadtteilzentren. Diese Ziele hat nun der Direktor der Städtischen Bibliotheken ausgegeben. „Das ist die Zukunft“, sagte Arend Flemming. Für Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke) ist dieses Konzept ein wichtiger Baustein für die Dresdner Kulturhauptstadt-Bewerbung.

Deutschlandweit kaum Vorbilder

Als Pilotprojekt dafür ist am Montag die Bibliothek Südvorstadt in ih­rem neuen Domizil am Münchner Platz im Modus „Bibo 7/10“ gestartet. Das Kürzel steht dabei für Bibliotheken, die sieben Tage in der Woche jeweils 10 bis 22 Uhr geöffnet sind. Die zwei Stunden davor sind für Besuche von Kita-Kindern und Schulklassen reserviert. Außerdem können Vereine und Anwohner die Süd-Bibo fortan von 18 bis 22 Uhr als Stadtteilzentrum für Chorauftritte, Schachwettbewerbe und andere Amüsements nutzen.

Blick in die Zentralbibliothek im Kulturpalast. Quelle: Sebastian Kahnert/zb/dpa

Insofern kommt die Bibliothek damit schon fast an eine „rollende Woche“ heran. „Die Süd-Bibo ist die erste kommunale Bibliothek in Sachsen, die solche Öffnungszeiten anbietet“, be­tonte der Direktor der städtischen Bibliotheken. Auch deutschlandweit gebe es kaum Vorbilder dafür.

Privatwächter für Rückgabeautomaten

Da Flemming kein Geld hat, um zusätzliche Bibliothekare anzuheuern, und eine echte „rollende Woche“ mit dem Arbeitszeitgesetz kollidieren würde, passen ab sofort Wächter eines privaten Sicherheitsdienstes außerhalb der Kernöffnungszeiten auf die Bibliothek auf. „Dieses Modell hat sich schon in der Zentralbibliothek bewährt“, betonte Flemming. Seit dem Umzug der Hauptbibliothek in den Kulturpalast sichern dort nämlich solche Privatwächter die Rückgabe-Automaten ab, die rund um die Uhr zugänglich sind.

Die Zusatzkosten für den Sieben-Tage-Modus kalkuliert der Direktor auf etwa 40 000 Euro pro Jahr. Die Extra-Öffnungszeiten an den Abenden können die jeweiligen Stadtbezirksräte bei Bedarf aus ihren lokalen Budgets bezahlen. „Vielleicht entschließt sich aber auch der Stadtrat, dieses Modell für ganz Dresden durchzufinanzieren.“ Darauf hofft ebenfalls Bürgermeisterin Klepsch: „Wir legen diese Vorschläge dem Stadtrat im kommenden Jahr mit dem neuen Bibliotheken-Entwicklungsplan vor“, kündigte sie an. „Dann werden wir sehen, ob er das Geld dafür bereitstellt.“ Ein starkes Filialnetz sei jedenfalls für die lesefreudigen Dresdner sehr wünschenswert – insbesondere, wenn diese Stadtteilbibliotheken gleichzeitig auch als Stadtteilzentren, als nichtkommerzielle Begegnungsorte, für die Menschen fungieren.

Suche nach Räumen dauerte über eine Dekade

Lange, lange hat es allerdings gedauert, bis die Süd-Bibliothek zu solch einem Begegnungsort neuen Typs werden konnte: 1958 am Nürnberger Ei gegründet, entwickelte sie sich in der Folge zu einem beliebten Anlaufpunkt, Veranstaltungsort und zu einer der ausleihstärksten Stadtteilbibliotheken in Dresden. Aber sie wurde eben auch Opfer des eigenen Erfolges. Etwa ab der Jahrtausendwende war es kaum noch zu übersehen: Die Altbauräume waren zu klein für den wachsenden Ansturm. Bei Lesungen beispielsweise mussten sich die Literaturfreunde zwischen enggestellte Buchregalreihen quetschen.

Die Suche nach einem neuen, größeren Domizil in der Nähe zog sich über eine Dekade hin, immer wieder hagelte es Absagen und Enttäuschungen. „Leider haben wir am Nürnberger Ei dann doch keine bezahlbaren Räume gefunden“, bedauert Flemming. „Da hat das Nürnberger Ei eben Pech gehabt.“

Letztlich erwies sich ein Neubau am Münchner Platz als Treffer: 390 statt wie bisher 174 Quadratmeter stehen den Lesern und Bibliothekaren dort nun zur Verfügung, in lichten Räumen, die endlich auch einen großzügigeren Veranstaltungsbetrieb zulassen – und eben auch die „rollende Woche“.

Skulptur „Das lesende Mädchen“ (Eigentum Bibliothek) Quelle: Steffen Füssell

Nur ein Wermutstropfen bleibt: Das zweimal geköpfte und wieder reparierte Denkmal „Das lesende Mädchen“, das eigentlich untrennbar mit der Süd-Bibo verbunden schien, blieb auf der Wiese neben dem alten Standort zurück. Zumindest ein großformatiges Foto erinnert aber am neuen Standort an das alte „Maskottchen“.

Von Heiko Weckbrodt

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