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Lokales Dresden und die moderne Architektur: „Eine Kiste mit Fenstern ist noch kein Bauhausstil“
Dresden Lokales Dresden und die moderne Architektur: „Eine Kiste mit Fenstern ist noch kein Bauhausstil“
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11:17 19.03.2019
Kein Bauhaus, aber klassische Moderne: das Hygiene-Museum. Quelle: Häßler
Dresden,

2019 ist das Bauhaus-Jahr. Vor 100 Jahren schlossen sich Künstler, Designer und Architekten zu einer Schule zusammen, die viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens nachhaltig geprägt hat. Auch in Dresden? Ein Gespräch mit Matthias von Rüdiger, Leiter des Zentrums für Baukultur Sachsen, das seine Räumlichkeiten im Kulturpalast hat.

Frage: Weimar, Dessau, Berlin sind die Bauhaus-Hochburgen. Was hat eigentlich Dresden mit dem Bauhaus zu tun?

Sehr viel. Dresden kann zwar nicht als Ursprung des Bauhauses betrachtet werden. Aber mit den Deutschen Werkstätten in Hellerau, die von Karl Schmidt aufgebaut wurden, ist die Idee für den Deutschen Werkbund entstanden. Walter Gropius hat einmal gesagt, dass das Bauhaus die realisierte Werkbundidee in Form ei­ner Einheit von Arbeit und Kunst ist. Damit kam ein wichtiger Impuls für Bauhaus aus Dresden. Das Festspielhaus Hellerau war zwischen 1909 und 1914 ein Zentrum der Avantgarde und ist ein Zeugnis der Architektur der klassischen Moderne.

Gibt es in Dresden Spuren von Bauhaus-Architektur?

Wenn man den Bauhausbegriff eng fasst und auf die Protagonisten wie Gropius oder Mies van der Rohe abstellt, dann nicht. Da gibt es keine Zeugnisse in Dresden, auch nicht von den Bauhaus-Schülern. Wenn man den Begriff weiter fasst und die vom Bauhaus beeinflusste Architektur der klassischen Moderne meint, dann gibt es viele Belege in Dresden. Das Hochhaus am Albertplatz, eine Villa am Hohen Weg in Hellerau, aber auch das Hygiene-Museum, das Ho­tel Astoria am Strehlener Platz oder das frühere Sächsische Finanz- und Zollamt – der heutige Landtag – sind Beispiele. Viele Neubausiedlungen aus dieser Zeit, zum Beispiel die Postsiedlung in Strehlen, sind vom Bauhaus beeinflusst. Ich denke aber auch an das Sachsenbad oder das Gebäude der Konsum-Genossenschaft an der Nossener Brücke.

Das Bauhaus gilt heute manchmal als Schimpfwort für ideenlose Architektur. Zu Recht?

Da tut man dem Bauhaus Unrecht. Wer ei­ne Kiste mit Fenstern in die Stadt setzt, kann sich nicht mit dem Qualitätssiegel des Bauhauses schmücken. Man muss sich schon intensiv mit dem ästhetischen, aber auch theoretischen Ansatz von Bauhaus befassen. Da geht es um Proportion, Dimension, Materialität und Funktionalität. Wenn ich „Architektenhaus im Bauhausstil“ lese, dann empfinde ich das meist als Verhöhnung der Bauhausidee. Ein Flachdach und glatte Fassaden sind noch kein Bauhausstil, sondern nichts weiter als ideenlose Architektur.

Lässt sich das Bauhaus mit den heutigen Ansprüchen an Architektur noch verwirklichen?

Das Bauhausmodell kann nicht überall greifen. Es geht immer um die Spezialität eines Ortes, eine Antwort auf den Platz. Ein Architekt sollte Achtung vor dem haben, was vorhanden ist. Das fehlt mir heute häufig. Da werden teilweise Entwürfe verwirklicht, die für sich durchaus gut und schön sind, aber nicht in den Kontext passen.

Ist die Ostmoderne eine Erbin der Bauhaus-Architektur?

Wenn ich mir den Robotron-Campus in der Lingnerstadt anschaue, dann ging es schon um eine Einheit aus Gestaltung, Architektur und Arbeiten. Es ist ein Relikt der DDR-Computerindustrie. Mir scheint aber auch, dass es sich nicht unbedingt um eine Sternstunde der DDR-Architektur handelte.

Würden Sie die Robotron-Kantine retten?

Sie ist kein Kleinod der Ostmoderne, aber ein anständiges Gebäude. Der Erhalt ist nur mit einer wirklich guten Nutzung möglich. Ich könnte mir vorstellen, dass die Kantine als Verbindung zwischen dem Stadtzentrum und dem räumlich abgelegenen Hygiene-Museum eine Rolle spielen könnte mit einer kulturellen Nutzung. Auch wir würden dort gerne Ausstellungen anbieten und Events veranstalten, für die der Platz in unseren Räumen in Kulturpalast nicht reicht.

Wie würdigt das Zentrum für Baukultur Sachsen 100 Jahre Bauhaus?

Wir sind nicht Bauhausland wie Thüringen oder Sachsen-Anhalt oder Berlin. Wir laden aber zu einzelnen Veranstaltungen ein. So gibt es am 4. April die Buchvorstellung „Der moderne Blick“ der Stiftung Haus Schminke. In dem Buch werden 20 Gebäude der 1920er und 30er Jahre in Sachsen vorgestellt. Weitere Veranstaltungen zur Moderne und zu Industriebauten haben wir in der Planung. Eine Ausstellung zum Bauhaus werden wir aber nicht machen.

Wie hat sich das Zentrum für Baukultur Sachsen in seinem ersten kompletten Jahr im Kulturpalast etabliert?

Wir bieten ein vielfältiges Programm an, es laufen ständig Ausstellungen. Wir haben eine gute Mischung zu unterschiedlichsten Themen wie dem Bauen im ländlichen Raum oder Kunst an öffentlichen Plätzen, aber auch zum Mietwohnungsbau. Wichtig sind die Einzelveranstaltungen, mit denen wir in die Diskussion kommen wollen. Unsere Klientel ist der interessierte Bürger, für dieses wollen wir Themen aufgreifen und grundsätzliche Fragen zur Diskussion stellen. Wir haben aber auch den Kontakt zu bestehenden Initiativen und Vereinen aufgenommen, die bei uns mit dem Publikum ins Gespräch kommen werden. Mit der Landeshauptstadt arbeiten wir bei der Kulturhauptstadtbewerbung 2025 zusammen, ein Schwerpunkt liegt auf der Jugendarbeit.

Lässt sich Ihr Engagement in Zahlen beschreiben?

Wir hatten im vergangenen Jahr über 4500 Besucher. Mit der Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten zum Neustädter Markt haben wir einen Publikumsmagneten anbieten können. Der nächste Höhepunkt ist das Modell des Dresdner Neumarkts, das wir aus Anlass der Fertigstellung des Grünen Gewandhauses präsentieren werden.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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