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Lokales Dresden und die Welt im Jahr 1976
Dresden Lokales Dresden und die Welt im Jahr 1976
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09:45 22.10.2018
Ein alltäglicher Anblick im Prohlis der 70er Jahre: Kinder toben mangels fertiger Spielplätze über Betonrohre an der Herzberger Straße.
Ein alltäglicher Anblick im Prohlis der 70er Jahre: Kinder toben mangels fertiger Spielplätze über Betonrohre an der Herzberger Straße. Quelle: PR / Stadtteilmarketinggruppe Prohlis
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Dresden

Am 26. Februar wird auf der Trattendorfer Straße der Grundstein für das Neubaugebiet Prohlis gelegt. Bis Anfang der 80er Jahre entstehen etwa 10­ 000 Wohnungen für rund 30­ 000 Menschen. Zunächst fehlen Straßen und Gehwege, so dass die Be­wohner sich durch dicken Schlamm und Dreck kämpfen müssen. Aus dem früher eher ländlichen Prohlis wird neben Gorbitz eine der beiden großen Dresdner Plat­tenbausiedlungen. Die meisten neuen Straßen wurden nach Orten aus dem Bezirk Cottbus benannt. Bereits im Oktober können die ersten Mieter einziehen, zudem wird mit der 118. POS die erste neue Schule eröffnet. Später folgen weitere Schulen, Kindergärten, Kaufhallen, eine Gaststätte und zwei Cafés und 1987 das „Magnet“-Kaufhaus.

Am 26. April beschädigt ein Brand das Theater Junge Generation in Cotta. Das Feu­er und die folgenden Löscharbeiten zerstören den Zuschauer- und Bühnenraum. Bis 1979 wird das Gebäude wiederhergestellt. Das TJG wirkt in dieser Zeit als Wandertheater.

Die „Meierei“, eine beliebte Ausflugsgaststätte im Lößnitzgrund, wird wegen baulicher Mängel und aus hygienischen Gründen geschlossen.

125 Jahre DNN

Alle Artikel der DNN-Serie finden Sie im Special!

Am 15. Mai wird Dynamo Dresden zum vierten Mal DDR-Meister im Fußball.

Vom 25. bis 27. Juni finden in Dresden die 16. Arbeiterfestspiele statt.

In Blasewitz wird die neue Poliklinik eingeweiht. Ab 1973 war das 6-geschossige Gebäude errichtet worden. Die mo­derne Poliklinik ist durch einen Flügel mit der „Villa Marienlust“, der vorherigen Po­liklinik, verbunden.

1976 wird in Coswig mit dem Bau des Wohngebiets an der Dresdner Straße be­gonnen und es schlägt die Geburtsstunde der Dresdner Musikfestspiele. Das Zentralkomitee der SED und der Ministerrates der DDR beschließen folgende Verfügung: „Beginnend 1978 finden in Dresden als jährlich durchzuführendes Musikfestspiel internationalen Ranges Dresdner Musikfestspiele statt!“

Deutschland, Europa und die Welt

1. Januar: In der Bundesrepublik Deutschland wird die Gurtpflicht auf Vordersitzen von PKW eingeführt.

12. Januar: Die englische Krimi-Schriftstellerin Agatha Christie stirbt im Alter von 85 Jahren. Die verkaufte Weltauflage ihrer Bücher soll über zwei Milliarden betragen, womit sie zu den erfolgreichsten Autorinnen der Literaturgeschichte zählt. Ihre berühmtesten Schöpfungen sind der belgische Detektiv Hercule Poirot und die altjüngferliche Miss Marple.

21. Januar: Air France und British Airways nehmen mit der „Concorde“ den re­gulären Betrieb eines zivilen Überschallflugzeuges auf.

31. Januar: 119 Bilder des Künstlers Pa­blo Picasso werden aus dem Papstpalast in Avignon geraubt.

Vom 4. bis 15. Februar finden in Innsbruck die XII. Olympischen Winterspiele statt. Die waren zunächst an Denver vergeben worden. Die Bevölkerung des US-Bundesstaates Colorado sprach sich aber gegen die Verwendung von Steuergeldern für die Winterspiele aus. Nach einem Referendum am 7. November 1972 wurden die Spiele an das IOC zurückgegeben. Bei der zweiten Entscheidung setzte sich Innsbruck gegen Lake Placid, Chamonix und Tampere durch.

1. April: Steve Jobs und Steve Wozniak gründen die Firma Apple. Wozniak stellt den „Apple I“ auf einem Treffen des Homebrew Computer Clubs vor.

26. April: In Ost-Berlin wird der „Palast der Republik“, eröffnet. In dem Gebäude hat auch die Volkskammer ihren Sitz.

9. Mai: Die RAF-Terroristin Ulrike Meinhof wird erhängt in ihrer Zelle im Ge­fängnis Stuttgart-Stammheim aufgefunden. Laut Angaben der Gefängnisleitung und zweier Obduktionen beging sie Selbstmord. Meinhof wird am 15. Mai auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof in Berlin-Mariendorf beigesetzt. Nach dem Bekanntwerden ihres Todes kommt es im In- und Ausland zu Gewalttätigkeiten und Protestkundgebungen. Es wird der Verdacht ge­äußert, dass es sich nicht um Selbstmord gehandelt und der Staat beziehungsweise die Polizei eine Mitschuld an ihrem Tod habe.

28. Mai: Vertreter der Sowjetunion und der USA unterzeichnen ein Abkommen über die Begrenzung unterirdischer Kern­waffenversuche.

19. Juni: Schwedens König Carl XVI. Gustaf heiratet die deutsche Silvia Sommerlath.

2. Juli: Wiedereinführung der Todesstrafe in den USA durch den „Supreme Court“ (Obersten Gerichtshof).

4. Juli: Die Vereinigten Staaten feiern den 200. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit.

17. Juli: In Montreal werden die XXI. Olympischen Sommerspiele eröffnet. Bei den Spielen kommt es zum ersten olympischen Boykott. Aus Protest gegen die Teilnahme Neuseelands verzichten 16 afrikanische Länder auf eine Teilnahme. Anlass war die Tournee einer neuseeländischen Rugby-Mannschaft durch den Apartheid-Staat Südafrika. Die DDR belegt hinter der Sowjetunion im Medaillenspiegel Platz 2.

27. Juli: Ein schweres Erdbeben in der nordchinesischen Stadt Tangschan fordert über 650 000 Menschenleben. Dies ist die bislang höchste nachgewiesene Zahl an Opfern, die durch ein Erdbeben verursacht wurde. Das Beben gilt als folgenschwerste Naturkatastrophe des 20. Jahrhunderts.

20. Juli: Der unbemannten NASA-Sonde Viking 1 gelingt die erste erfolgreiche Landung auf dem Planeten Mars.

1. August: Formel-1-Weltmeister Niki Lauda wird bei einem Unfall auf dem Nürburgring schwer verletzt.

1. August: In Wien stürzt die Reichsbrücke ein, dabei wird ein Mensch getötet.

Am 18. August 1976 verbrennt sich der Pfarrer Oskar Brüsewitz vor der Michaeliskirche in Zeitz. Er stellt Plakate auf das Dach seines Autos, auf denen er den Kommunismus anklagt („Funkspruch an alle – Funkspruch an alle – Wir klagen den Kommunismus an wegen Unterdrückung der Kirchen in Schulen an Kindern und Jugendlichen“ und „Funkspruch an alle – Funkspruch an alle – Die Kirche in der DDR klagt den Kommunismus an! Wegen Unterdrückung der Kirchen in Schulen an Kindern und Jugendlichen“). Anschließend übergießt er sich mit Benzin und zündet sich an. Er wird schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht und erliegt am 22. August seinen schweren Verbrennungen. Am 26. August wird Os­kar Brüsewitz in Rippicha beerdigt.

9. September: In Peking stirbt Mao Ze­dong. Zur Trauerfeier am 18. September finden sich 1,5 Millionen Chinesen ein.

3. Oktober: Wahlen zum Deutschen Bundestag, der SPD-Politiker Helmut Schmidt bleibt Kanzler.

29. Oktober: Erich Honecker wird von der Volkskammer zum Vorsitzenden des Staatsrates der DDR gewählt.

2. November: Bei der US-Präsidentschaftswahl schlägt der Demokrat Jimmy Carter den amtierenden Präsidenten Gerald Ford in einer knappen Entscheidung.

16. November: Nach einem Auftritt in Köln bei einer Veranstaltung der IG Me­tall wird der Liedermacher Wolf Biermann aus der DDR ausgebürgert. Ihm wird eine Wiedereinreise verweigert. Das Politbüro begründet die Entscheidung da­mit, dass sich sein Programm in der Bundesrepublik gegen die DDR und den Sozialismus richte.

25.­ November: The Band gibt ihr fünfstündiges Abschiedskonzert, das von Martin Scorsese unter dem Titel „The Last Waltz“ verfilmt und als das En­de ei­ner musikalischen Epoche gesehen wird.

26. November: Der Regime-Kritiker Ro­bert Havemann wird in der DDR unter Hausarrest gestellt.

8.­ Dezember: Das Album „Hotel California“ der Rockband Eagles erscheint in den USA. Es steigt in die Spitzengruppe der meistverkauften Alben auf.

Geboren werden 1976 unter anderem der Boxer Wladimir Klitschko, die Schauspieler Audrey Tautou, Alexandra Neldel, Alicia Silverstone, Reese Witherspoon, Diane Kruger, Colin Farrell, die Biathletin Kati Wilhelm sowie die bekannten Fußballer Ronaldo, Michael Ballack und Lars Ricken.

Gestorben sind unter anderem der Po­litiker Gustav Heinemann, der Komponist Friedrich Hollaender, der Physiker und No­belpreisträger Werner Heisenberg, die Schauspieler Hilde Hildebrand, Fritz Rasp, Lee J. Cobb, Sidney James, der Regisseur Luchino Visconti, die Malerin und Widerstandskämpferin Eva Schulze-Knabe, der Unternehmer und Luftfahrtpionier Howard Hughes und der aus dem DDR-Kinderfernsehen bekannte „Meister Nadelöhr“ Eckart Friedrichson.

Von Monika Löffler

Hinweis der Redaktion: Die im untenstehenden Kommentar angemerkten Tippfehler haben wir behoben. Dankeschön für den Hinweis!

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