Dresden und Sachsen einig über Berufsschul-Reform
Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Dresden und Sachsen einig über Berufsschul-Reform
Dresden Lokales

Dresden und Sachsen einig über Berufsschul-Reform

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:49 27.01.2021
Das BSZ für Elektrotechnik am Strehlener Platz muss saniert werden.
Das BSZ für Elektrotechnik am Strehlener Platz muss saniert werden. Quelle: Dietrich Flechtner
Anzeige
Dresden

Mit einiger Gelassenheit kann Kultusminister Christian Piwarz (CDU) auf den Dresdner Stadtrat am Donnerstag schauen: Die Räte werden aller Voraussicht nach den Reformplänen des Freistaats für die Standorte der Berufsschulen im Land zustimmen.

Der Freistaat will die Angebote landesweit bündeln und damit Kompetenzzentren dauerhaft sichern sowie den ländlichen Raum stärken. Ursprünglich sollte Dresden aus seinen zehn Beruflichen Schulzentren mit etwa 13.000 Berufsschülern mehr als 1200 Ausbildungsplätze abgeben. Das hatte für heftigen Widerspruch gesorgt. Dresden war für Piwarz zum „dicksten Brocken“ in der Debatte geworden.

700 bis 800 Ausbildungsplätze werden verlegt

In einem langwierigen Diskussionsprozess zwischen Ministerium, Stadtpolitik, Wirtschaft und Schulen ist ein Kompromiss entstanden, der die Verlagerung von noch etwa 700 bis 800 Ausbildungsplätzen in die Landkreise vorsieht. In den beteiligten Ausschüssen für Bildung und Wirtschaftsförderung ging das Ergebnis bereits glatt durch, am Donnerstag sind die Stadträte dran. Der Freistaat benötigt für den Teilschulnetzplan Berufliche Schulzentren (BSZ) das Einvernehmen der Stadt, wie es im Verwaltungsjargon heißt, damit die Regelungen ab dem neuen Schuljahr in Kraft treten können.

Vorgesehen sind von den Stadträten lediglich noch kleinere Änderungswünsche. So soll unter anderem für das Berufliche Schulzentrum (BSZ) für Wirtschaft „Franz Ludwig Gehe“ das Angebot eines „Beruflichen Gymnasium“ Teilschulnetzplan verankert werden.

Die Fachoberschule Gestaltung verbleibt bis auf Weiteres am BSZ Dienstleistung, Gestaltung und Sozialwesen. Die Entscheidung über die Verlagerung an das BSZ Bau und Technik soll anhand der Entwicklung der Schülerzahlen im März 2021 erneut vorgelegt werden.

Auch eine Bitte der sächsischen Landestierärztekammer, die Ausbildung zum Tiermedizinischen Fachangestellten am BSZ für Gesundheit und Sozialwesen neu einzurichten, werde von der Landeshauptstadt Dresden ausdrücklich unterstützt.

Das tägliche DNN-Update als Newsletter

Die News aus Dresden, Sachsen, Deutschland und der Welt – von uns zusammengestellt täglich gegen 7 Uhr in Ihrem E-Mail-Postfach.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Darüber hinaus soll der Bildungsgang Staatlich geprüfter Techniker für Maschinentechnik bis auf Weiteres am BSZ für Elektrotechnik Dresden verbleiben. Im Zuge der aktuellen Standorterörterung hinsichtlich der Sanierung, Erweiterung und dem Neubau von Schulgebäuden für die Berufsschulzentren in Dresden ist „diese Entscheidung zu evaluieren, die Schulleitung des BSZ für Technik anzuhören und gegebenenfalls zugunsten einer Verlagerung an das BSZ für Technik zu revidieren“, heißt es in der Beschlussempfehlung für den Stadtrat.

Kommt der Eigenbetrieb Schule?

Und hier wird es für die Reformpläne interessant, die gerade in der Stadtverwaltung hin und her gewälzt werden. Das BSZ für Elektrotechnik am Strehlener Platz muss saniert werden. War im Sommer 2020 dafür noch von Kosten von etwa 60 Millionen die Rede, so soll in internen Berechnung in der Verwaltung inzwischen sogar schon die Zahl 130 Millionen Euro im Raum gestanden haben. Das hängt vor allem mit der Bauzeit zusammen.

Seit mehreren Monaten wird in der Verwaltung daher über Strukturreformen nachgedacht, die gerade Schulbauten beschleunigen könnten. Zeit ist hier ganz buchstäblich Geld. Umso länger Planungen und Bauarbeiten dauern, umso höher steigen die Kosten.

Unter verschiedenen Modellen scheinen die Reformüberlegungen nun dem Vernehmen nach auf die Bildung eines Eigenbetriebs Schule hinauszulaufen. Das Vorbild wäre beispielsweise der Eigenbetrieb Ki­ta. In diesem städtischen Betrieb könnten nicht zuletzt alle Bauaktivitäten für die Schulen gebündelt und damit beschleunigt werden, Mitar­beiter aus verschiednen Bereichen der Verwaltung würden zusammengezogen. Zu mehr Flexibilität würde auch beitragen, wenn der Eigenbetrieb die Stadttochter Stesad als Generalübernehmer mit den Schulbauten beauftragt. Entscheidungen sind bislang allerdings noch nicht gefallen.

Von Ingolf Pleil