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Lokales Dresden ist um zwei riesige Wandbilder reicher
Dresden Lokales Dresden ist um zwei riesige Wandbilder reicher
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10:04 22.06.2019
Mittlerweile lässt sich schon erahnen, was auf dem neuen Wandbild zu sehen sein wird. Am Montag soll es fertig sein. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Das Wandbild an der Bautzner Straße wechselt ständig. Aktuell wird wieder fleißig gepinselt und auch diese Arbeit wird nicht lange Bestand haben. Die Kunst am neuen Hotel an der Antonstraße dagegen soll längerfristig zu sehen sein.

Großformatige Kunst zu Werbezwecken

Das Antlitz der großen Wand an der Bautzner Straße 55 verändert sich mal wieder: Gerade erst wurde die Werbung für eine Automobilfirma fertiggestellt, da wurde der blaue Škoda auch schon wieder übermalt. Der werbliche Aspekt bleibt allerdings bestehen: Bei der neuen Gestaltung geht es um die von Radeberger Pilsner initiierte Mitmachaktion #likemyheimat. „Dabei wurden Menschen vom Erzgebirge bis zur Ostseeküste gefragt, welche Bedeutung Heimat für sie hat“, erklärt Jana Kreuziger, die bei Radeberger für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

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Die rund 200 Einreichungen hat das Urban Art Künstlerduo Capstan und Tulip aus Thüringen in mehrere Kleinkunstwerke übersetzt und für Dresden, Erfurt, Rostock und Magdeburg umgesetzt. Was die Menschen aus Dresden und Umgebung mit dem Begriff Heimat verbinden, wird also künftig auf dem neuen Wandbild an der Bautzner Straße zu sehen sein – allerdings nur bis Mitte August. Bis dahin hoffen die Macher, „viele positive Heimatgefühle“ bei den Dresdnern zu wecken.

Damit die Hauswand den ständig wechselnden Bemalungen standhalten kann, wird sie regelmäßig gepflegt und gereinigt, erklärt Kreuziger: „Dabei werden Materialien und Farben genutzt, die mö­glichen Problemen vorbeugen und somit einen Schimmelbefall verhindern und die Fassade lüften lassen.“ Zu den Kosten der ständig wechselnden (Werbe-)Kunst möchte sich das Radeberger Unternehmen nicht äußern.

Doch wie schaffen es die Künstler eigentlich, ein solch riesiges Bild zu malen, obwohl sie direkt vor der Wand stehen und keinen Gesamtüberblick haben? „Das ist die hohe Kunst der Künstler“, sagt Kreuziger. Das Motiv wurde im Vorfeld in mehrere Bereiche eingeteilt und an der Wand skizziert, bevor die eigentliche Malerei beginnt.

Eine ganze Wand zum Austoben

Als wir den Dresdner Künstler Jens Besser unterhalb seines neuesten Wandbildes treffen, kritzelt er gerade neue Skizzen in sein Notizheft. Die große Acht – oder auch das Unendlichkeitszeichen – ziert seit Ende Mai die Wand des neuen „Super8“ - Hotels an der Antonstraße.

Jens Besser konnte sich auf der freien Wand des neuen Hotels „Super8“ austoben. Der Zusammenhang mit dem Namen sei Zufall. Quelle: PR/Sven Ellger

Die ersten Entwürfe zur Serie mit dem Namen „Infinite Transportation“ fertigte Besser bereits 2013. Der Bezug zum Verkehr, vor allem zu Zügen, kommt nicht von ungefähr: „Ich mag es sehr, mit Zügen zu reisen. Die Idee für diesen Entwurf kam mir in Catania, Sizilien“, erzählt der gebürtige Freiberger. Das dortige Aquädukt inspirierte ihn für die Malerei an der Hotelwand. Zu den Zügen gesellen sich Flugzeuge und eine Straßenbahn. Autos sind kaum zu entdecken. Eine illegale Raveparty unter dem Brückenbogen dagegen schon.

Anders als die Künstler an der Bautzner Straße hat Besser sein Werk nicht vorskizziert. Die größte Schwierigkeit: Die Acht muss die richtigen Proportionen haben. Statt auf ein Gerüst zu klettern, ließ er sich mit einer Hebebühne nach oben fahren. Diese machte es möglich, von der Wand wegzufahren und einen besseren Überblick zu gewinnen. Den Pinsel montierte der Künstler kurzerhand an einen längeren Stab und konnte so die Acht aus weiterer Entfernung anzeichnen. Anschließend folgten die vielen Details.

Die Auftraggeber ließen Jens Besser inhaltlich freie Hand, was den Entwurf betraf. Dass es nun ausgerechnet einen Acht auf der Wand des Hotels „Super8" geworden ist, sei Zufall, sagt Besser. Auch der Fluss soll nicht zwingend die Elbe darstellen, aber da soll jeder Betrachter seine eigenen Assoziationen entwickeln. Vor gut zwei Jahren sorgte die Architektur des geplanten Hotels für heftige Proteste. Das Wandbild könnte nun ein Schritt in Richtung Versöhnung sein.

Von Lisa-Marie Leuteritz