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Lokales Dresden ist Top-Standort für Betriebssysteme
Dresden Lokales Dresden ist Top-Standort für Betriebssysteme
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16:22 27.06.2019
Zum Informatikstandort an TU und HTW gehört auch beeindruckende Hardware, die im Bild Informatiker Danny Rotscher inspiziert. Quelle: Archiv/Dietrich Flechtner
Dresden

Dresden gehört zu den führenden Standorten für Computer-Betriebssysteme in Deutschland. Das haben mehrere Experten aus der Szene eingeschätzt, darunter Professor Gerhard Fettweis von der Technischen Universität Dresden (TU) und Geschäftsführer Michael Hohmuth von der Uni-Ausgründung Kernkonzept. „Wir haben hier Betriebssystem-Entwicklungszentren von großen internationalen Konzernen wie Amazon und Huawei ebenso wie kleine, oft hoch spezialisierte Firmen“, erklärte Hohmuth.

Zum Hintergrund: Betriebssysteme sind jene Programme, die ein Smartphone oder einen Laptop von toter Technik in ein verwendbares Gerät verwandeln. Sie sind der Vermittler zwischen den elektronischen Bauteilen eines Computers und Schreibprogrammen wie Word oder Spiele-Apps. Die richtig bekannten Betriebssysteme wie Windows, Android oder Linux werden in den USA beziehungsweise von einer international verstreuten Gemeinschaft entwickelt. Die Dresdner haben sich eher auf Spezial-Systeme konzentriert.

„Wir haben hier eine sehr gute Ausbildung“, betonte Kernkonzept-Chef Hohmuth am Rande der Festveranstaltung „50 Jahre Informatikausbildung“ an der TU. An der Uni wie auch an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) forschen insgesamt vier Lehrstühle an diesem Themenkreis und bilden darin auch Studenten aus – kaum eine andere Stadt in Deutschland hat solche Ressourcen. „Außerdem gibt es an der TU und ganz generell in Dresden ein gründungsfreundliches Klima“, nannte Hohmuth weitere Gründe für den Aufstieg der Stadt zu einer deutschen Betriebssystem-Hochburg. „Und der Open-Source-Gedanke ist hier tief verwurzelt: Die Entwickler teilen ihr Wissen und ihre Quellcodes ganz offen mit anderen.“

Vor allem aber reiche die Betriebssystem-Stärke am Standort bis in DDR-Zeiten zurück: Damals entwickelte das Computerkombinat Robotron eigene und von Westvorbildern adaptierte Betriebssysteme. Die Robotron-Gründung war 1969 auch ein wesentlicher Grund dafür, dass die Dresdner TU damals als erste DDR-Uni begann, Informatik-Studien anzubieten.

„Auf diesem Fundament hat sich die Stadt in den letzten Jahren zu Deutschlands Betriebssystemstandort Nummer eins entwickelt“, betonte Hohmuth. Und diese Stärken haben sich international herumgesprochen: Als sich der Prozessor-Hersteller AMD aus Dresden zurückzog, übernahm die Amazon-Tochter AWS dessen Software-Entwicklungszentrum. Seitdem entwickelt am Waldschlößchen ein Team aus Linux-Experten Betriebssysteme für Amazons zweites großes Standbein neben dem Internethandel: AWS ist heute einer der größten Cloud-Anbieter weltweit. Auch der unter Beschuss geratene chinesische Huawei-Konzern lässt seit Kurzem in Dresden Betriebssysteme entwickeln.

Daneben stehen viele kleine Firmen, die sich zum Beispiel auf spezielle Hochsicherheitsbetriebssysteme für die Autobranche und andere Industrien spezialisiert haben. Dazu gehören Kernkonzept, Silistra, Componolit, Cyberus Technology und Genode Labs, aber auch Töchter größerer Unternehmen wie Secunet oder Preh car connect.

Der heute 46 Jahre alte Informatiker Hohmuth kennt die Szene aus dem Effeff: Nach seiner Promotion an der TU hatte er gemeinsam mit Chris Schläger das Betriebssystem-Entwicklungszentrum von AMD in Dresden mit aufgebaut. Nach dessen Schließung machte er sich mit der Betriebssystem-Mikrokern-Firma Kernkonzept selbstständig, die inzwischen 25 Mitarbeiter hat und vor allem für Behörden mit Geheimhaltungstechnik und für Autofirmen arbeitet.

Von Heiko Weckbrodt

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