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Lokales Dresden erinnert an Rassismusopfer Marwa El-Sherbini
Dresden Lokales Dresden erinnert an Rassismusopfer Marwa El-Sherbini
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07:32 01.07.2019
Marwa El-Sherbini Quelle: Foto: Dpa
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Dresden

Vor zehn Jahren geschah im Dresdner Landgericht eine Bluttat, welche die Menschen weit über die Landesgrenzen hinaus erschütterte: Ohne Vorwarnung wurde die Ägypterin Marwa El-Sherbini während ihrer Zeugenaussage erstochen.

Der Sohn muss alles mit ansehen

Es begann mit einer rassistischen Beleidigung auf einem Spielplatz: Die 31-Jährige wurde von dem gebürtigen Russen Alex W. im Streit um eine Schaukel beleidigt. Er soll die Frau als „Islamistin“ und „Terroristin“ bezeichnet haben. Sie hatte die Beleidigungen angezeigt und Alex W. wurde vom Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 13 Euro verurteilt. W. ging in Berufung.

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Kurz vor halb 11 am 1. Juli 2009 nimmt die Ägypterin Platz in der Mitte des Gerichtssaals am Dresdner Landgericht, um im Berufungsprozess als Zeugin auszusagen. Doch dazu kam es nicht. Während ihrer Aussage griff W. sie an, stach sie brutal nieder. Marwa El-Sherbini und ihr ungeborenes Kind starben noch im Saal, ihr Mann wurde schwerstverletzt ins Krankenhaus gebracht, der dreijährige Sohn musste alles mit ansehen.

Mahngang auf den Spuren Marwas

Nun, zehn Jahre nach der schrecklichen Tag wird am Montag mit einer Gedenkveranstaltung und einem ökumenischen Friedensgebet in Dresden an die rassistisch motivierte Ermordung der Ägypterin Marwa El-Sherbini erinnert. Die Gesellschaft sei gefordert, ein öffentliches Zeichen „gegen jegliche Form von Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung zu setzen“, erklärte Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) am Sonntag in Dresden.

Nach Angaben des Ausländerrates Dresden sind an den Folgetagen weitere Veranstaltungen geplant, darunter ein Podiumsgespräch und ein Mahngang. Das Podium in der Dresdner Zentralbibliothek beschäftigt sich am Mittwoch mit dem Thema „Tödliche Realitäten. Der rassistische Mord an Marwa El-Sherbini“. Am Donnerstag führt der Mahngang „Auf den Spuren Marwas“ zu wichtigen Lebensstationen der Ägypterin in Dresden.

Weiße Rosen im Max-Planck-Institut

Der Täter, der Russlanddeutsche Alex W., wurde Ende 2009 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Dresdner Landgericht bescheinigte ihm Fremdenfeindlichkeit und Hass auf Muslime. Der Mann des Opfers, Elwy El-Sherbini arbeitete zum Zeitpunkt der Tat als Doktorand am Dresdner Max-Planck-Institut. Zehn Jahre danach veröffentlicht das Institut ein Statement, welches den DNN vorliegt. „Bis heute sind wir über das Geschehene zutiefst erschüttert. Wir haben als Institut Elwy sehr während seiner Genesung und bei der Fertigstellung seiner Doktorarbeit, die er im Sommer 2010 erfolgreich verteidigte, unterstützt. Auch darüber hinaus hat das Institut engen Kontakt zu ihm gehalten und ihm geholfen “, heißt es darin.

Jedes Jahr am 1. Juli stellen Mitarbeiter des Instituts weiße Rosen in der Empfangshalle auf, um an Marwa zu erinnern. Außerdem habe sich das Institut in den Jahren nach dem Mord gemeinsam mit seinen internationalen Mitarbeitern gegen Rassismus und Diskriminierung stark gemacht und für Respekt und Toleranz ausgesprochen, heißt es in dem Statement.

Von epd/lml

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