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Lokales Dresden arbeitet an Fußverkehrskonzept – Verbände kritisieren langsames Tempo
Dresden Lokales Dresden arbeitet an Fußverkehrskonzept – Verbände kritisieren langsames Tempo
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07:39 21.09.2019
Klassisch in Dresden: Granitkrustenplatten sind überall im Stadtgebiet anzutreffen. Quelle: Fotos: Anja Schneider
Dresden

Stolperfallen, unüberwindbare Straßen oder gar komplett fehlende Wege – Fußgänger haben es in Dresden nicht leicht, schon gar nicht, wenn sie nicht so gut zu Fuß sind. Um das zu ändern, will die Stadt ein Fußverkehrskonzept erarbeiten. Damit stoßen die Verkehrsplaner jedoch an ihre Grenzen.

Der Stand: Ohne Konzept geht es nicht weiter

Bisher wurstelt Dresden in Sachen Fußverkehr so vor sich hin. 300 von insgesamt 2000 Kilometern Fußwege, die es an Straßen gibt, gelten nach einer Untersuchung des Straßen- und Tiefbauamts als dringend sanierungsbedürftig. Deswegen sind im Doppelhaushalt 2019/20 erstmals 4,3 Millionen Euro für ein Fußwegebauprogramm eingestellt, das Abhilfe schaffen soll. Das ist jedoch zu wenig, wenn man Klaus-Dieter Rentsch fragt. „Wir haben schon vor Jahren gefordert, dass konstant fünf Millionen Euro für Fußwege in den Doppelhaushalt eingestellt werden“, sagt der frühere Stadtrat und Vorsitzende des Seniorenbeirats. Den Sanierungsstau im Wegenetz beziffert er mit 25 Millionen Euro.

Bevor über das Fußverkehrskonzept diskutiert wurde, gab es einen Rundgang – auch über den fast fertigen Promenadenring zwischen Postplatz und Dippoldiswalder Platz. Im Bild sind Planer Andreas Schmitz (l.), Matthias Medicus (2.v.l.) und Frank Kutzner (3.v.r.) von Dresden zu Fuß und Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (r.) zu sehen. Quelle: Anja Schneider

Und das ist nur eines der Probleme: Nach lautstarken Forderungen gibt es inzwischen einen Stadtratsbeschluss, der die Einrichtung von neuen Zebrastreifen prüft. 95 Vorschläge dafür gibt es, zwei davon wurden bisher verwirklicht. „Die Prüfung ist sehr kompliziert“, begründet Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) das langsame Tempo. Er will sich auch eines weiteren Problems annehmen: der im Volksmund Bettelampel genannten Lichtsignalanlage, die erst nach einem Tastendruck und mitunter langer Wartezeit Fußgängern grünes Licht gibt. All diese Vorhaben, die den Fußverkehr fördern sollen, werden im Fußverkehrskonzept gebündelt – so wie es das seit 2017 bestehende Radverkehrskonzept für den Radverkehr tut.

Die Stolperfalle: Die Fülle der Probleme erdrückt die Planer

„Fußverkehrsplanung ist sehr kleinteilig“, sagt Andreas Schmitz. Der Kasseler Planer ist von Dresden mit der Erstellung des Fußverkehrskonzepts betraut und meint mit diesen Worten: Wer bequeme Wege für Fußgänger bauen will, muss vieles bedenken. Ein Beispiel: Der Freiberger Platz – einst eine Pflasterwüste, auf der Autos in mehreren Reihen parkten, gilt als eine gelungene Platzgestaltung. Es gibt dort Sitzgelegenheiten, es wurde an Begrünung gedacht und auch an Wege, die zur Schwimmhalle führen. „Aber wenn ich diesen Wegen von der Schwimmhalle hinab folge, stoße ich an parkende Autos“, beschreibt Frank Kutzner vom Verein „Dresden zu Fuß“ die Situation. „Wo soll ich hier die Straße queren?“

Ein anderes Beispiel ist der nahe gelegene Promenadenring West zwischen Postplatz und Dippoldiswalder Platz. Ein Prestigeprojekt in Sachen Fußverkehr. Von dem mit einem gelben Belag betonierten Weg führt ein gepflasterter Weg zu einer – bei einem Rundgang am Donnerstagnachmittag zugeparkten – Bordsteinabsenkung an der Marienstraße. Auf der anderen Straßenseite: ein hoher Bord. Die Fußgängerführung hört einfach auf, es gibt auch keine Querungshilfe.

Der Umweg: Konzentration auf zunächst zwei Probleme

Um Probleme wie diese anzugehen, sind Ortskenntnis und Detailplanungen nötig. „Das braucht sehr viel Zeit“, sagt Matthias Mohaupt aus dem Stadtplanungsamt. Deswegen konzentriert sich das Fußverkehrskonzept zunächst nur auf Teilbereiche, für die es bei Verbänden, in Stadtbezirken und Ortschaften sowie bei Fachämtern Vorschläge gesammelt hat. Zum einen wurden auf diese Weise 205 Stellen im Stadtgebiet ermittelt, an denen Querungshilfen geprüft werden sollen – egal, ob eine Ampel, ein Zebrastreifen, eine Gehwegvorstreckung oder eine Fußgängerinsel. 121 der Vorschläge fallen in die erste Priorität, weil sie an Hauptverkehrsstraßen liegen oder zur Erschließung von Haltestellen bzw. Mobilitätspunkten gebraucht werden.

Zum anderen geht es im Konzept um fehlende Verbindungen im Wegenetz, sei es an Straßen, über Privatgrund oder in Grünanlagen. Dazu gab es 535 Nennungen, wobei Doppelnennungen noch nicht abgezogen sind. 174 fallen in die erste Priorität. Großes Problem: „Hunderte von Kilometern unseres Wegenetzes verlaufen auf privatem Grund“, wie Verkehrsplaner Matthias Pfeil herausgefunden hat. Um zu verhindern, dass diese Wege einfach verschwinden, müssen Gespräche mit Eigentümern, vielleicht auch Kaufverhandlungen und Widmungsverfahren geführt werden.

Die Kritik: Qualität der Wege wird noch nicht betrachtet

Das Fußverkehrskonzept in dieser Form kann nur der Anfang sein. „Es geht den meisten doch um diese 400 Quadratmeter Fußweg, die jetzt endlich mal saniert werden sollen“, sagt Seniorenbeirat Rentsch. Verkehrsbürgermeister Schmidt-Lamontain verweist auf das Fußwegebauprogramm, das eine Zeit lang parallel zum Konzept verlaufen soll, ehe es integriert werden kann.

„Für uns ist das ein Problem“, sagt Birgit Prelle vom Verband der Körperbehinderten. „90 Prozent der fehlenden Verbindungen, die unsere Mitglieder mir gemeldet haben, konnte ich gar nicht weitergeben.“ Denn an diesen Stellen gibt es Wege, die für Behinderte aber schlicht nicht benutzbar sind – ein großes Problem. Aus Sicht von Rollstuhlfahrern, Rollatornutzern und Blinden müsste viel mehr über die Qualität der Wege diskutiert werden.

Der Ausblick: Bis alles komplett ist, wird es Jahre dauern

Das wird man auch, aber erst in der kleinteiligen Beschäftigung mit Quartieren und Ortszentren. Das werde Jahre in Anspruch nehmen, sagt Planer Schmitz. Sein Büro begleitet einen ähnlichen Prozess in Kiel, wo man sich durch jeden Kiez mit seinen jeweils eigenen Anforderungen gearbeitet hat: Büroanlagen, Einkaufsgegenden, Wohnviertel. Am Ende steht dann ein komplettes Konzept.

In Dresden geht man den Weg etwas anders, steckt zuerst einen Rahmen ab. Hier wie in Kiel kommt es aber vor allem auf die Arbeit im Kleinen an, die sich in den folgenden Jahren anschließen muss. Ende des Jahres soll der Stadtrat über das Konzept diskutieren. Anschließend ist noch viel Geduld gefragt, bis sich die Lage für Fußgänger spürbar verbessert.

Von Uwe Hofmann

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