Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Das erwartet Dresdner zum Streik im Nahverkehr, in Kitas und im Krankenhaus
Dresden Lokales

Dresden: Streik im Nahverkehr, in Kitas und im Krankenhaus

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:47 29.09.2020
Am Dienstagmorgen kommt es zum Stillstand im ÖPNV. Am Mittwoch sind die städtischen Kitas betroffen. Quelle: Martin Förster
Anzeige
Dresden

Am Dienstag und Mittwoch ruft die Gewerkschaft Verdi in Dresden zu Streiks auf. Das setzt die Fahrgäste des Nahverkehrs unter Druck, aber auch die Eltern von Kindern, die städtische Kindereinrichtungen besuchen. Das sind die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wo wird im Nahverkehr gestreikt?

Betroffen sind nur die Dresdner Verkehrsbetriebe. S-Bahnen sowie die Busse des Regionalverkehrs Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (RVSOE) und der Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM) fahren wie gewohnt. Ausfälle kann es jedoch bei Fahrten geben, die im Netz der RVSOE und VGM mit DVB-Fahrten kombiniert sind.

Anzeige

Wann wird im Nahverkehr gestreikt?

Der Warnstreik beginnt am Dienstagmorgen mit Dienstbeginn, also irgendwann zwischen 3 und 4 Uhr. Bei den Warnstreiks im Jahr 2019 war zumeist spätestens gegen Mittag Schluss, so dass sich der Nahverkehr in den Nachmittagsstunden wieder einigermaßen normalisiert hatte. Dem Vernehmen nach soll das diesmal anders sein. Es ist mit einem ganztägigen Streik bis 20 Uhr zu rechnen.

Welche DVB-Linien sind betroffen?

Vor allem die, auf denen keine Fahrer von Sub- oder Tochterunternehmen der DVB zum Einsatz kommen. Dazu gehören alle Straßenbahnlinien. Es ist daher davon auszugehen, dass keine oder so gut wie keine Straßenbahn am Dienstag fährt. Ebenso werden die Buslinien 62, 63, 64 und 81 größtenteils oder komplett ausfallen. Einzelne Fahrten – und damit sind wirklich nur einige wenige Fahrten gemeint – wird es aller Voraussicht nach auf den Linien 61, 66, 70, 80, 84 und 87 geben.

Rosiger sieht es auf den Linien 65, 72, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 83, 84, 86, 88, 89, 90 und 92 aus, wobei auch dort mit Ausfällen zu rechnen ist. Ebenso wird der Ersatzverkehr auf der Linie 11 zwischen Waldschlößchen und Ullersdorfer Platz einigermaßen zuverlässig verkehren – wie erwähnt aber nicht Straßenbahnen auf der übrigen Strecke der Line 11. Auf diesen Linien sind zumindest teilweise Fahrer der VGM, RVSOE, von Taeter Tours, Satra und der DVB-Tochter Dresdner Verkehrsservicegesellschaft (DVS) unterwegs, die alle eigene Tarifverträge haben und daher nicht zum Streik aufgerufen sind.

Wie informieren die DVB?

Eher allgemein. Sowohl an den Haltestellen als auch über die Kanäle im Internet und über die App DVB mobil wird es wohl keine konkreten Hinweise auf stattfindende oder ausfallende Fahrten geben. Wer am Dienstag mit Bussen und Bahnen der DVB fahren will, braucht daher vor allem Glück – bei einigen Linien mehr als bei anderen.

Was sind Alternativen?

Der auch in Dresden aktive E-Roller-Verleiher Lime nutzt den bundesweiten Streik im Nahverkehr für eine Werbe-Aktion: Mit dem Code LIMESTATTSTAU erhalten Neukunden zwei kostenlose Freischaltungen sowie zwei 15-minütige Fahrten. Der Code ist nur am Dienstag zwischen 3 und 23.59 Uhr gültig und auf 10 000 Einlösungen beschränkt. Ebenso sind die Mobibikes zumindest im Innenstadtbereich eine Alternative. Wer eine DVB-Abo-Monatskarte hat, kann sie eine halbe Stunde lang kostenlos nutzen. Außerdem bietet sich auf einigen Routen die nicht bestreikte S-Bahn an, deren Züge allerdings besonders im Berufsverkehr aus so schon voll sind. Wer auf das Auto umsteigt, sollte sich auf volle Straßen einstellen und entsprechend mehr Fahrzeit einkalkulieren.

Warum wird im Nahverkehr gestreikt?

Zum einen geht es bei dem bundesweiten Streik darum, Tarife in ganz Deutschland zu vereinheitlichen. Dazu will Verdi die Arbeitgebervertreter der kommunalen Nahverkehrsunternehmen an den Verhandlungstisch zwingen. In Sachsen will Verdi darüber hinaus vor allem zwei Forderungen durchdrücken: So sollen alle Mitarbeiter bei kommunalen Nahverkehrsunternehmen wie den DVB 400 Euro mehr verdienen – und damit die vorletzte Stelle im bundesweiten Ranking der Durchschnittslöhne verlassen. Außerdem soll die wöchentliche Arbeitszeit um eine Stunde auf 38 sinken. Eine erste Verhandlungsrunde dazu blieb ohne Angebot der Arbeitgeberseite, ein weiteres Treffen dazu ist am 12. Oktober geplant.

Wo wird noch in Dresden gestreikt?

Weitere Warnstreiks betreffen am Mittwoch drei Bereiche: die Stadtverwaltung, das Städtische Klinikum und den Eigenbetrieb Kindertagesstätten, wie Verdi-Bezirksgeschäftsführer Daniel Herold ankündigte.

Worauf müssen sich die Dresdner Eltern einstellen?

Sie sollten sich für Mittwochvormittag eine Betreuungsmöglichkeit für ihre Kinder suchen. Von 6 bis 10 Uhr wird in den städtischen Krippen und Kindergärten gestreikt, betroffen sind auch die städtischen Frühhorte. Die Stadtverwaltung rechnet damit, dass erst ab 10.30 Uhr wieder eine vollumfängliche Kinderbetreuung möglich sein wird.

Warum gibt es keinen Notbetrieb?

Wegen Corona. Die coronabedingten Schutzmaßnahmen sehen vor, dass Kinder nur in der Einrichtung betreut werden, mit der die Eltern einen Betreuungsvertrag abgeschlossen haben. Teams und Gruppen sollen nicht vermischt werden.

Was machen Eltern ohne Betreuungsalternative?

Die Kitas öffnen, wenn pädagogische Fachkräfte zum Dienst erscheinen. Es können dann so viele Kinder betreut werden, wie es der Personalschlüssel zulässt. Der Eigenbetrieb schaltet am Mittwochmorgen unter der Nummer 0351/488 5111 eine Service-Hotline, unter der sich Eltern informieren können. Auskünfte gibt es auch im Internet unter www.dresden.de/kitas-streik.

Wie sieht es in der Stadtverwaltung aus?

Gestreikt werden soll im Sozialamt und im Jugendamt von 6 bis 10 Uhr. Der Mittwoch ist kein Besuchstag, so dass es vor allem Probleme bei der telefonischen Erreichbarkeit geben könnte.

Bleiben die Patienten im Klinikum unversorgt?

Nein. Verdi hat laut Herold eine Notdienstvereinbarung mit dem Städtischen Klinikum abgeschlossen. Von 6 bis 15.30 Uhr soll gestreikt werden. Es wird aber eine Betreuung der Patienten über Notdienstpersonal sichergestellt.

Von Uwe Hofmann und Thomas Baumann-Hartwig