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Lokales Depressionen: Pferd Kenny hilft 16-jähriger Dresdnerin
Dresden Lokales Depressionen: Pferd Kenny hilft 16-jähriger Dresdnerin
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09:40 11.11.2019
Ein Jahr lang machte Theresa zusammen mit dem Wallach Kenny eine Reittherapie. Dies war nur mit Hilfe des Dresdner Vereins „Aufwind“ möglich. Quelle: privat
Dresden

Theresa ist ein aufgewecktes Mädchen. Sie erzählt viel, spricht laut und selbstbewusst, erscheint alles andere als schüchtern. Für eine 16-Jährige wirkt sie erstaunlich reif und reflektiert, als hätte sie schon viel erlebt. Und wenn sie lacht und sich ihre kinnlangen Haare dabei mitbewegen, dann strahlt ihr ganzes Gesicht.

Mit der Theresa von vor zwei Jahren hat das wenig zu tun. „Wenn ich zurückblicke, kann ich kaum verstehen, wie schlecht es mir damals ging“, sagt die 16-Jährige heute über ihr damaliges Ich. Theresa hatte schwere Depressionen, fand weder Sinn noch Freude am Leben. An Emotionen konnte sie kaum noch etwas fühlen.

Reittherapie in Langebrück

Doch dann traf sie Kenny – einen großen, kräftigen Wallach mit goldbraunem Fell. Ein Jahr lang verbrachte Theresa jeden Samstag mit ihm in der Reittherapie in Langebrück. Wusste sie anfangs noch nicht, wie sie mit dem Pferd umgehen soll, waren sie und Kenny zum Schluss ein eingespieltes Team.

Wie es sich anfühlt, eine Therapie mit einem Pferd zu machen, erfuhr Theresa das erste Mal in der Tagesklinik des Uniklinikums. Drei Monate war sie dort mit anderen seelisch erkrankten Kindern und Jugendlichen. „Da habe ich gemerkt, die Sache macht mir großen Spaß“, erzählt Theresa, „vor allem aber hat mich die Zeit mit dem Pferd abgelenkt. Von den blöden Gedanken. Das war das Wichtigste für mich.“

„Ich will selbstbewusster durchs Leben gehen und mir mehr zutrauen.“

Nachdem der Klinikaufenthalt endete, war auch die Reittherapie zunächst wieder vorbei. In der nachfolgenden Behandlung wollte Theresas Psychotherapeutin wissen, was ihr Therapieziel sei. Nachdem die Schülerin erst ein Weilchen überlegen musste, stand für sie fest: „Ich will selbstbewusster durchs Leben gehen und mir mehr zutrauen.“

Da brachte ihre Therapeutin die Reittherapie ins Spiel. Dass ihr diese Form der Therapie gut tun würde, da war sich auch Theresas Mutter sicher. „Sie liebte es schon als Zweijährige, bei der Mutter-Kind-Kur auf dem Pferd zu sitzen. Scheu hatte sie nie.“ Allerdings mussten Theresa und ihre Mutter zunächst um die Reittherapie bangen. Denn die anfallenden Kosten hätten sie selber aufbringen müssen, wie Theresas Mutter sagt. „Ich bin alleinerziehend mit zwei Kindern. Da ist das nicht so leicht.“

Aber dann erfuhren sie vom Dresdner Verein „Aufwind“, der Kinder und Jugendliche in Notlagen unterstützt. Einen Großteil des Budgets für die Förderung von Kindern wie Theresa bestreitet der Verein aus der Spendenaktion „Dresdner helfen Dresdnern“ der DNN, wie Schatzmeisterin Mareile Flatt-Baier berichtet.

Theresa hat ihre Lebensfreude wiedergefunden

Dank „Aufwind“ und dem Spendenaufruf der DNN konnte es im Februar 2018 für Theresa und Kenny losgehen. Mit ihrem Therapieziel im Hinterkopf arbeitete die Jugendliche vor allem an ihrer Kommunikation. „Pferde spiegeln einem immer das eigene Verhalten wider.

Ich musste lernen, mit Kenny zu kommunizieren, indem ich überwiegend meine Körperhaltung beziehungsweise -sprache eingesetzt habe. Und zwar eindeutig. Damit das Pferd versteht, was ich von ihm will.“ Seitdem schaffe sie es im Alltag mehr und mehr, ihre Bedürfnisse klar zu formulieren und zu ihrer Meinung zu stehen.

Tiefe Verbindung aufgebaut

Doch nach Ansicht ihrer Mutter hat Theresa dank Kenny vor allem eines wiedergefunden: ihre Lebensfreude. „Sie war damals in einem tiefen Loch. Sie sah keinen Sinn im Leben, keine Zukunftsperspektive für sich. Die Reittherapeutin hat mit ihrer feinfühligen Arbeit mit Theresa und Kenny dazu beigetragen, dass meine Tochter im Leben bleibt.“

Im Laufe des Jahres baute sich eine tiefe Verbindung zwischen Theresa und ihrem Therapiepferd Kenny auf. Bei ihm konnte die 16-Jährige immer sie selbst sein, ganz ohne Angst vor Verurteilung. „Ein Mensch bewertet, was du sagst und wie du dich ausdrückst. Einem Pferd ist das egal. Es will einfach nur wissen, was du von ihm willst“, sagt Theresa, „anders als Menschen haben Pferde keine Vorurteile.“

Von Laura Catoni

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