Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Was macht der Ministerpräsident im Kanal unter dem Landtag?
Dresden Lokales Was macht der Ministerpräsident im Kanal unter dem Landtag?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:53 13.08.2019
Michael Kretschmer (vorn), Ralf Strothteicher (l.) und Gunda Röstel (halb verdeckt, Mitte) erkunden die Unterwelt. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Der Mann hat prophetische Fähigkeiten: „Wie viele Boote sind es?“, fragt Netzmeister Frank Lieber und witzelt: „Drei? Da geht immer eines unter.“ Wie Recht er doch hat: Als der Personenschützer in den Kahn mit Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) steigt, gerät alles in Schieflage. Abwasser läuft in das Boot. Alle müssen raus.

Die Besatzung soll deshalb auf das dritte, größere Boot wechseln. Doch das hat, wie von Lieber vorhergesagt, technische Probleme. Die Schläuche des Schlauchboots sind platt wie eine Flunder, es ist mithin nicht einsatztauglich. Bitter für zwei Personenschützer des Ministerpräsidenten: Einer springt noch schnell in den ersten Kahn. Die anderen beiden müssen waten. Mitten durch die braune Brühe des Altstädter Abfangkanals.

Dieses Schicksal teilt Lieber, der aber einen kleinen Trost weiß: „Wenn es nicht geregnet hätte, würde es ganz anders riechen.“ Regenwasser verdünnt das, was die Dresdner so durch Toiletten und Waschbecken spülen, wenigstens etwas. Für zarte Nasen ist der Duft trotzdem nichts.

Großer Respekt für Weitsicht der Stadtplaner

Zwei Mal schon hatte Kretschmer Anlauf genommen, die Dresdner Unterwelt zu besichtigen. Einmal musste die Stadtentwässerung Dresden (SEDD) absagen, einmal machte Hochwasser einen Strich durch die Rechnung. Beim dritten Mal klappt es, mit Helm, Schutzanzug und Wathose ausgestattet geht Kretschmer auf die Reise. An seiner Seite sitzen Ralf Strothteicher, technischer Geschäftsführer der SEDD, und Gunda Röstel, die kaufmännische Geschäftsführerin.

Nach der 500 Meter langen Tour vom Einstieg am Parkhaus Semperoper bis zum Betriebsgelände an der Marienbrücke zeigte sich Kretschmer beeindruckt von den Dresdner Stadtvätern zum Ende des 19. Jahrhunderts. „Unsere Vorfahren haben damals schon für eine Stadt mit 600 000 Einwohnern geplant. Ich empfinde großen Respekt für diese Weitsicht“, sagt der Politiker, dessen dunkler Anzug und weißes Hemd nicht einen Flecken abbekommen haben.

Friedlich fliest das Abwasser dahin, nur manchmal ist ein dumpfes Grollen zu vernehmen. „Gut, dass der Landtag Sommerpause hat“, witzelt Strothteicher, als sich die beiden Boote gefühlt unter dem Parlament befinden. Aus einem Rohr plätschert eine Flüssigkeit in den Kanal. Sie ist durchsichtig.

Hauptschlagader des Abwassersystems

1899 wurde der Altstädter Abfangkanal gebaut, erklärt der technische Geschäftsführer. „Er ist un­sere Hauptschlagader.“ Zwei Drittel der Dresdner Abwässer rauschen durch die Riesenröhre, aber auch aus Pirna, Heidenau und Bad Gottleuba kommt Fracht. 16,5 Kilometer ist der Kanal lang. 12,5 Kilometer sind saniert, 80 Millionen Euro hat das Entsorgungsunternehmen investiert.

Die Boote fahren durch einen sanierten Abschnitt. Zum Glück. Die ersten Meter des Kanals sind blau gefärbt. In die aus Stampfbeton gebaute Röhre haben die Sanierer Profilelemente eingezogen, die blauen stammen aus Polen. Es folgt ein mit Beton sanierter Abschnitt, der von brauen Elementen abgelöst wird, hergestellt in Deutschland. Vier Kilometer sind noch unsaniert, 30 bis 40 Millionen Euro wird das kosten, rechnet Röstel vor.

Kretschmer familiär vorbelastet

Bis 2028 wird es noch dauern, ehe der Altstädter Kanal vollständig saniert ist. Auf Neustädter Seite geht es schneller. „Da sind wir 2022 durch“, kündigt Strothteicher an. Aber auf der anderen Elbseite fliest auch nur ein Drittel des Abwassers. Und es soll etwas anders riechen. Die großen Unternehmen im Dresdner Norden sorgen dafür. „Diese Abwässer sind aber relativ sauber“, sagt der technische Geschäftsführer.

Am Ende der Fahrt durch die Unterwelt ist Lieber schweißnass. Schnell entledigt er sich seiner Sachen und lobt den Ministerpräsidenten. „Er ist sehr locker und aufgeschlossen.“ Kretschmer lässt sich bei Tageslicht und besserer Luft von Röstel die Kooperation der SEDD mit Weißrussland erklären. Und er erläutert, warum er so großes Interesse an der Schlauchbootfahrt hatte: „Ich bin familiär vorbelastet. Mein Vater war bei der Wasserversorgung Görlitz.“ Er selbst habe als Schüler in den Ferien in dem Betrieb gearbeitet.

Eigentlich, sagt Kretschmer, hätte er ja Energieelektroniker im Wasserwerk werden sollen. Doch dann kam alles anders. Und nun rückt er die Krawatte gerade, umgeben von drei Personenschützern und einem Referenten, sein Fahrer wartet. Der nächste Termin auch.

Von Thomas Baumann-Hartwig

Als eine 90-Jährige vergaß, die am Bankautomaten angeforderten 500 Euro an sich zu nehmen, griff Klaus S. zu. Kein Kavaliersdelikt, wie der 59-Jährige am Dienstag vor dem Amtsrichter lernen musste.

13.08.2019

Vor knapp drei Wochen hatte die Städtebahn Sachsen den Betrieb überraschend rund um Dresden eingestellt und Insolvenz angemeldet. Zum Schulbeginn sollen Ersatzbusse auf den Strecken fahren.

13.08.2019

Stefan Krause muss ruhig bleiben, wenn andere panisch sind. Der Polizeihauptkommissar nimmt im Führungs- und Lagezentrum der Polizei Notrufe entgegen. In der Serie „Tatort Dresden“ geben die DNN Einblick in den Polizeialltag.

03.10.2019