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Lokales Gegen Lecks: Gasspürer überprüfen Leitungen in Dresden
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Dresden: Gasspürer suchen Lecks in den Leitungen

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11:00 22.06.2021
Mit der Teppichsonde kann Sven Peuker durch die Fugen hindurch schon kleinste Mengen Gas aufspüren.
Mit der Teppichsonde kann Sven Peuker durch die Fugen hindurch schon kleinste Mengen Gas aufspüren. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

„Feierabend, Arbeit aus, Müller kommt vergnügt nach Haus. Was ist das? Es riecht nach Gas!“, heißt es in einem Dresdner Werbefilmchen von 1969, das vor den Gefahren durch Gaslecks warnt. Das Erdgas, das wir heute in unsere Häuser leiten, um zu heizen, ist zwar umweltfreundlicher und nicht giftig wie das damals übliche Stadtgas mit Kohlenmonoxidgehalt. Wenn Gas austritt und sich mit Sauerstoff mischt, kann es aber auch heutzutage gefährlich werden.

Um dem vorzubeugen, sind seit März in Dresden und Ostsachsen die „Gasspürer“ im Auftrag des Gasnetzbetreibers Sachsen Netze unterwegs. Diese Mitarbeiter der beauftragten Prüffirmen Spie SAG und Herrmann Sewerin gehen neben den Hauptleitungen auch jedes Haus mit Gasnetzanschluss ab – das sind immerhin 118 000 – und prüfen, ob aus den unterirdisch verlegten Hausanschlussleitungen Gas austritt. Diese Leitungen bestehen aus Stahl oder Kunststoff und sollten aller vier, spätestens aber aller sechs Jahre überprüft werden.

Gas sucht sich seinen Weg nach oben

Sven Peuker, einer der Gasspürer, hat dazu eine hochsensitive Gerätschaft dabei: Mit der „Teppichsonde“ findet er Methanmengen, die so gering sind, dass sie nicht einmal ein Hund riechen könnte. Peuker erklärt: „Die Sonde funktioniert im Grunde wie ein Staubsauger, nur schwächer. Eine Pumpe saugt die Luft unter der Plastikabdeckung an – und ein Halbleiter erkennt das brennbare Gas. Dann gibt es ein akustisches Warnsignal.“ Und eine Anzeige auf dem Bildschirm, den der 43-Jährige um den Bauch geschnallt trägt.

Mit dieser Ausrüstung läuft er zunächst die Hauptleitungen ab. Dann untersucht er die jeweilige Anschlussleitung, die zum Haupthahn führt. Dessen Standort erkennt Peuker an einem gelben Punkt an der Hauswand. Wo genau die Leitungen verlegt sind, sieht der Gasspürer auf einer digitalen Karte. „Das Erdgas besteht zu über 95 Prozent aus Methan und ist nur halb so schwer wie Luft“, erklärt Karsten Börner, Projektleiter bei Spie. „Es sucht sich seinen Weg nach oben.“ So sei es durch Fugen im Boden, Kellerfenster oder Hauswände mit der Sonde aufspürbar.

Arbeit lässt sich nicht ankündigen

Das einzige Problem: Um bei jedem Hahn nach dem Rechten zu sehen, müssen die Gasspürer häufig auf private Grundstücke. „Unsere Arbeit lässt sich nicht ankündigen oder terminlich festlegen, dazu ist sie zu saison- und wetterabhängig“, so Börner. Einige Bewohner reagieren auf die unangekündigten Besuche der Gasnetzprüfer regelrecht aggressiv: „Da wird man angeschrien und als Verbrecher bezeichnet“, bedauert der 53-Jährige.

Peuker ergänzt: „Zu 95 Prozent hat man kein Problem mit den Leuten, das sind nur Einzelfälle“ – die aber trotzdem hängenbleiben. Dabei sorgen die Gasnetzprüfer für die Sicherheit der Bürger, für die Bewohner eine kostenlose Dienstleistung. Die Gasspürer können sich jederzeit als solche ausweisen und gerne auf ihre Arbeit angesprochen werden, betont der Netzanbieter Sachsen Netze. Es helfe sehr, wenn die Anwohner bereits wissen, dass eine solche Prüfung aller paar Jahre fällig ist.

Wohnhaus evakuieren, Straße sperren

Ziel der Gasspürer-Rundgänge ist es, undichte Stellen in den Gasleitungen aufzuspüren, nach Gefahrengrad zu klassifizieren und zu beseitigen. Peuker erläutert: „Wenn wir ausgetretenes Gas erfassen, bohren wir ein Loch für eine Bodensonde, um den genauen Standort des Lecks zu identifizieren. Dann ordnen wir den Schaden ein und ergreifen entsprechende Maßnahmen“. Das bedeutet bei weniger gravierenden Lecks konkret: Den Netzbetreiber, also Sachsen Netze, rufen, der die Stelle je nach Dringlichkeit früher oder später repariert.

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Gefährlicher wird es, wenn sich das Leck in der Nähe eines Hohlraumes oder Hauses befindet: Dann sammelt sich dort ein Erdgas-Sauerstoff-Gemisch, das schon bei einem kleinen Funken explodieren kann. Börner erinnert sich: „Ich habe das mal bei einem Wohnhaus erlebt, wo die Leitung durch Bauarbeiten beschädigt worden war. Ich habe das gesamte Haus direkt evakuiert, es kam die Feuerwehr, die Polizei sperrte die Straße ab.“

Erste Maßnahme bei Gasaustritt: Querlüften

Glücklicherweise kam es damals zu keiner Explosion und niemand zu schaden. In so heftigen Fällen könne man das Gas bereits sehr intensiv riechen. Erdgas selbst sei zwar geruchlos, erklärt Peuker, ihm werde aber ein Geruchsstoff hinzugefügt, damit bereits unkritische Gasaustritte riechbar sind.

Die Männer nennen die erste Maßnahme bei Gasaustritt: Querlüften – im Ernstfall ist ein Gasspürer sogar befugt, Scheiben einzuschlagen –, dann die Bewohner evakuieren. Bei Gasgeruch gilt, wie schon der Werbespot von 1969 sagt: „Klingle nicht, rauche nicht! Meide Telefon und Licht! Und: Vergiss auch deine Nachbarn nicht!“, weil es schon beim geringsten Funkenschlag zu einer Explosion kommen kann. Wobei, wie Börner hinzufügt, die Selbstrettung immer über Fremdrettung zu stellen sei. Dann sofort die Entstörnummer oder Feuerwehr anrufen. Und präventiv: Die Gasspürer nicht vom Hof zu jagen, kann nicht schaden.

Von Linde Gläser