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Lokales Diese drei Dresdner sind jetzt Juniormeister
Dresden Lokales Diese drei Dresdner sind jetzt Juniormeister
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09:18 26.06.2019
Conrad Seeger, Hannah Luisa Wetzka und Richard Grohmann Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Neun Schüler sind „Juniormeister“: Gemeinsam mit der Landeshauptstadt verlieh die Handwerkskammer Dresden am Dienstag zum ersten Mal Juniormeisterbriefe an Jugendliche. Nach dem Vorbild im Bereich Forschung und Wissenschaft will das Handwerk mit der Aktion in Zukunft dringend benötigten Nachwuchs in der Branche fördern. Wir stellen drei vor:

Ersatz für die alten Kopfhörer

Eigentlich wollte Conrad Seeger keine Schreibtischlautsprecher bauen. Eine Hängematte sollte ursprünglich sein Juniormeisterstück werden. Während des erstens Projekttreffens wurde ihm diese Idee jedoch schnell zunichte gemacht: Eine TÜV-Prüfung sei notwendig.

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Conrad Seeger und sein Juniormeisterstück: Ab sofort schallt die Musik im Zimmer des 15-Jährigen aus seinen selbst gebauten Lautsprechern. Quelle: Dietrich Flechtner

Ähnlich erging es ihm mit seiner zweiten Idee: eine eigene Drohne. Auch diesen Vorschlag musste er verwerfen – zu aufwendig das Ganze.

Seine nächste Idee war eher pragmatischer Natur: „Meine Kopfhörer zum Musikhören am Schreibtisch sind alt und ich brauchte einen Ersatz“, erzählt der 15-Jährige Schüler des Martin-Andersen-Nexö Gymnasiums in Striesen nüchtern.

Ohne großartige Vorkenntnisse machte sich Conrad mit hohen Ansprüchen an sein Juniormeisterstück: Neben der Lautstärke sollte die Regelung der Tiefen, Höhen und Sound-Balance möglich sein. Mit der Hilfe eines Mentors baute er das Gehäuse aus Holz, stellte eine Leiterplatte her und setzte die Lautsprecher mitsamt Blenden ein. Zudem installierte er eine Software auf einem Einplatinencomputer mit Display, um von dort aus die Musik steuern zu können. „Das war eine tolle Möglichkeit, mich mal in die Richtung auszuprobieren“, berichtet der Schüler. Ob er sich auch vorstellen könnte, in Zukunft einen Handwerksberuf auszuüben, weiß er trotzdem noch nicht.

Keine Lust mehr auf Teilen

Ihr Zimmer muss Hannah Luisa Wetzka mit ihrem kleinen Bruder teilen. Für Hausaufgaben und Schularbeiten wollte die 15-Jährige zumindest ihren Schreibtisch nicht mehr länger hergeben. Statt ewig Mama und Papa anzuflehen, entschied sie sich kurzerhand dafür, im Rahmen des Projekts „Juniormeister“ als Meisterstück ihren eigenen Schreibtisch zu bauen.

Schülerin Hannah Luisa Wetzka auf ihrem selbst gebauten Schreibtisch. . Quelle: Dietrich Flechtner

„Ich hatte schon immer Lust, selbst Möbel zu bauen. Schon am Anfang des Projektes wusste ich, dass es ein Schreibtisch werden soll“, berichtet die Schülerin, die in die 9. Klasse der Oberschule Pieschen geht. Neben handwerklichen Fertigkeiten bewies sie während des Entstehungsprozesses kreatives und designerisches Talent: Die Materialien sind farblich bewusst gewählt und sollen sich voneinander abheben. „Holz ist ein lebendiger Werkstoff, mit dem sich sehr unterschiedlich arbeiten lässt. Das gefällt mir“, erklärt die Schülerin mit selbstbewusster Stimme.

Als einziges Mädchen neben acht Jungs im Projekt hatte es Hannah nicht von Beginn an leicht: „Es war am Anfang schon sehr einschüchternd, aber auch gleichzeitig Anreiz, mich als einziges Mädchen zu behaupten.“ Hausaufgaben und Schreibtischarbeit fallen jetzt vermutlich leichter: „Mein erstes Meisterstück wird zu Hause natürlich in Ehren gehalten“, lacht die 15-jährige Dresdnerin.

Ein Party-Grill für Abende an der Elbe

Richard Grohmann grillt im Sommer leidenschaftlich gerne mit seinen Freunden. Wie viele andere Jugendliche verbringt der 14-Jährige laue Abende gerne an der Elbe. Zwar besitzt er zu Hause eine Feuerschale – für den Transport auf die Elbwiesen ist die aber zu unhandlich.

Am Ende wurde Richard Grohmanns Grill doch schwerer als gedacht: Für gemütliche Grillabende zu Hause ist der dennoch geeignet. Quelle: Dietrich Flechtner

Daher war es für den Schüler der 8. Klasse an der privaten IBB-Schule nur naheliegend, während des Projekts „Juniormeister“ einen portablen Grill als Juniormeisterstück für sich und seine Freunde zu bauen. „Es sollte eigentlich ein kleiner, effizienter Partygrill werden, der zum Mitnehmen gedacht ist. Aber dafür ist er jetzt doch zu schwer“, resümiert der Heranwachsende dennoch sichtlich stolz.

Gemeinsam mit einem Mentor aus dem Handwerksbereich Metall des Bildungszentrums konzipierte und fertigte der 14-Jährige den Grill in einem Zeitraum von gerade einmal zwei Monaten. In den Ferien, nach der Schule und am Wochenende war keine Freizeit, sondern Skizzieren, Bohren, Blechschneiden und Fehlerausmerzen angesagt.

Genervt war er davon nicht. Im Gegenteil: Die handwerkliche Arbeit hat ihn begeistert. „Ich habe vor, im Handwerk zu bleiben. Alleine deshalb, weil das Handwerks Zukunft hat und eine Perspektive bietet“, betont der Schüler. Dabei hat er auch die vielen unbesetzten Lehrstellen in den Handwerksbetrieben im Blick.

Von Aaron Wörz