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Lokales Diese Ärztin aus Dresden hilft Slumbewohnern in Nairobi
Dresden Lokales Diese Ärztin aus Dresden hilft Slumbewohnern in Nairobi
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16:43 22.01.2020
Die Medizinerin Theresa Maria Meißner fliegt im Februar für sechs Wochen nach Nairobi – um dort kostenlos Armen zu helfen. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Die German Doctors in Nairobi bekommen Verstärkung aus Dresden. Dr. Theresa Maria Meißner, Assistenzärztin in der Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Dresdner Uniklinikums, wird ab 1. Februar für sechs Wochen Teil des medizinischen Teams der Ambulanz im Mathare-Valley-Slum. Die 32-jährige Medizinerin soll in dem mit geschätzten 430.000 Einwohnern zweitgrößten Elendsviertel der kenianischen Hauptstadt die Ärmsten der Armen behandeln.

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Die Ambulanz ist eines von derzeit acht Projekten von German Doctors weltweit. Die Hilfsorganisation wurde 1983 als Komitee „Ärzte für die Dritte Welt“ vom (inzwischen suspendierten) Jesuitenpater Bernhard Ehlen und zehn Ärzten in Frankfurt gegründet. Seit 2013 hat der Verein seinen Sitz in Bonn und heißt „German Doctors. Hilfe, die bleibt“.

Über 7000 Einsätze mit mehr als 3100 Medizinern seit 1983

Prinzip der Arbeit ist, dass Ärzte in ihrem Jahresurlaub oder im Ruhestand über einen Zeitraum von sechs Wochen freiwillige Arbeitseinsätze leisten und dabei auf jegliche Vergütung verzichten. „Sie helfen dort, wo das Elend zum Alltag gehört“, so der Verein, der seine Arbeit durch Spenden finanziert.

Seit 1983 seien über 7000 Einsätze mit mehr als 3100 Medizinerinnen und Medizinern in unterschiedlichen Projekten durchgeführt worden. „In Nairobi waren bislang zwei Ärzte beziehungsweise Ärztinnen aus Dresden im Projekteinsatz. Dr. Meißner ist die dritte. In allen unseren Projekten waren es über die Jahre insgesamt 28 Ärzte beziehungsweise Ärztinnen aus Dresden“, so Chantal Neumann, Sprecherin von German Doctors.

So bereitet sich Meißner auf Kenia vor

„Ich freue mich schon riesig, bin aber auch ein bisschen aufgeregt“, gibt Theresa Maria Meißner zu. Denn alles sei neu und anders: Land, Kultur, Klima, die Lebensbedingungen vor Ort, die Kollegen, die medizinischen Möglichkeiten und natürlich auch die Sprache. Die 32-Jährige hat sich mit der Landessprache Suaheli beschäftigt, um die ein oder andere Redewendung zu beherrschen. Gesprochen werde im Ärzteteam aber Englisch und da habe sie keine Probleme. Zudem gebe es vor Ort Übersetzer.

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Mit Seminaren an zwei langen Wochenenden bereitet German Doctors die Ärzte auf den Einsatz in den jeweiligen Regionen vor, für die sie sich beworben haben. „Mir wurde Wissen über häufige Krankheitsbilder in dem Slum vermittelt. Zudem wurden wir geschult, welche Behandlungen vor Ort überhaupt möglich und welche Medikamente bezahlbar und dauerhaft verfügbar sind“, sagt die gebürtige Essenerin. Sie hat 2015 Dresden zu ihrer Wahlheimat erkoren und lebt in einer Wohngemeinschaft in Striesen.

„Ich bin sicher, dass wir voneinander lernen können“

Des Weiteren seien in der Schulung Verhaltensregeln vermittelt worden. „Außerdem habe ich ein Online-Sicherheitstraining absolviert, das auf Gefahrensituationen vorbereitet“, sagt die junge Ärztin.

Sie freue sich auf neue Eindrücke, die Zusammenarbeit mit den anderen German Doctors und den einheimischen Clinical Health Officers in der Ambulanz. „Das ist so ein Mittelding zwischen einer sehr gut ausgebildeten Krankenschwester und einem Arzt“, sagt Theresa Meißner. „Ich bin sicher, dass wir gegenseitig voneinander lernen können.“

Das sagt die Familie zum Einsatz im Slum

„Natürlich waren vor allem meine Mutter und meine Oma erst einmal skeptisch und – wie das bei Müttern nun mal ist – ein bisschen besorgt“, sagt Theresa Meißner. Aber sie weiß, dass sie auf die Unterstützung ihrer Familie zählen kann. „Zu Weihnachten gab es keine Geschenke, dafür wurde für das Projekt von German Doctors gespendet.“

Theresa Meißner ist ihrem Arbeitgeber dankbar, dass sie für ihren Hilfseinsatz in Afrika unbezahlten Urlaub nehmen kann. Um in der Zeit weiterlaufende Kosten wie Miete und Krankenversicherung stemmen zu können, hat sie gespart. Die Flugkosten nach Nairobi trägt sie zur Hälfte selbst. Die andere Hälfte sowie die Kosten für Verpflegung und Gemeinschaftsunterkunft in Nairobi trägt die Hilfsorganisation.

Vorzeigeprojekt in Nairobi

Das Hilfsprojekt in Nairobi gibt es bereits seit 1997. „Es ist in vielerlei Hinsicht unser Vorzeigeprojekt. Es hat sich über die Jahre sehr gut etabliert und wird von der Zielgruppe bestens angenommen“, sagt Chantal Neumann von German Doctors. Die Angebote – allgemeinmedizinische Versorgung, Ernährungsprogramm, HIV/Aids-Programm, Sozialberatung und vieles mehr – seien auf die Bedürfnisse der Bewohner des Mathare-Valley-Slums abgestimmt.

Alle kenianischen Projektmitarbeiter seien „inzwischen dank ihrer hohen Motivation und der guten Anleitung durch unsere Ärzte echte Experten in ihrem jeweiligen Arbeitsbereich. Einzelne Projektkomponenten, insbesondere das HIV/Aids-Programm haben zahlreiche Auszeichnungen erhalten und landesweit Vorbildcharakter“, sagt Chantal Neumann. Aus ihrer Sicht sei es „sehr realistisch, dass wir das Projekt in nicht allzu ferner Zukunft ganz in die Hände der einheimischen Kräfte legen können. Dass wir uns irgendwann zurückziehen, ist erklärtes Ziel aller unserer Projekte.“

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