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Lokales Die drei großen Probleme des Städtischen Klinikums Dresden
Dresden Lokales Die drei großen Probleme des Städtischen Klinikums Dresden
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08:40 07.09.2019
Durchwachsene Bilanz: Blick auf das Krankenhaus Friedrichstadt. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Die Ampel steht auf Rot. Die Risikoeinschätzung des Eigenbetriebs Städtisches Klinikum Dresden ist alarmierend, weil die finanzielle Situation weiterhin kritisch zu betrachten ist, heißt es im Report für das erste Halbjahr 2019. Diese drei Entwicklungen machen dem Klinikum zu schaffen:

Problem 1: Die Fallzahlen liegen unter den Erwartungen

In zahlreichen medizinischen Bereichen behandeln die Krankenhäuser Friedrichstadt und Neustadt weniger Patienten als erwartet. Im internistischen und im chirurgischen Bereich liegen die Zahlen unter dem Plan, das trifft auch auf die Bereiche Intensiv- und Notfallmedizin sowie Frauen- und Kinderheilkunde zu.

Problem 2: Die Personalkosten steigen deutlich

Das Klinikum hat im ersten Halbjahr mehr Personal eingestellt als geplant. Waren 2018 noch 3096 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den beiden Krankenhäusern tätig, so sind es jetzt 3217. Zum Ende des Jahres werden es 3380 Beschäftigte sein. Der größte Teil der zusätzlichen Personalkosten wird zwar von den Krankenkassen erstattet, teilweise aber erst rückwirkend. Das wirkt sich auf die Bilanz aus.

Das Klinikum hat besonders das Personal im Pflegedienst aufgestockt, heißt es in dem Bericht. Weitere Einstellungen im Pflegedienst seien geplant, beispielsweise durch die Übernahme der Auszubildenden.

Problem 3: Investitionen werden verschoben

Die Geschäftsleitung hat die Vorhaben „Klinik für Neurochirurgie“ und „WLAN/Patientenkommunikation“ verschoben. Für den Bau der Klinik liegt noch kein Fördermittelbescheid vor. Beim WLAN-Netz für die Patienten dauert das Ausschreibungsverfahren länger als erwartet. Rund 28 Millionen Euro sollten dieses Jahr investiert werden, erwartet wird aber nur ein Volumen von rund 20 Millionen Euro.

Lichtblick 1: Diese Zahlen sorgen für Optimismus

Obwohl die Zahl der Behandlungsfälle unter den Erwartungen bleibt, werden die Umsatzerwartungen erreicht und sogar leicht übertroffen. Grund dafür ist eine erhöhte Vergütung. Einige Kliniken wie die Geriatrische Rehaklinik oder die neurochirurgischen und gefäßchirurgischen Bereiche erwirtschaften ein deutliches Plus. Der Materialverbrauch lag 1,3 Millionen Euro unter dem geplanten Niveau.

Lichtblick 2: Bisher kein zusätzliches Geld von der Bank

Im ersten Halbjahr musste das Klinikum keine zusätzlichen Kassenkredite aufnehmen. Für das zweite Halbjahr ist allerdings eine weitere Kreditaufnahme von fünf Millionen Euro geplant, um einen sich abzeichnenden Liquiditätsengpass wegen verzögerter Zahlungseingänge zu überbrücken.

Im Wirtschaftsplan für 2019 plant das Klinikum mit einem Minus von rund 5 Millionen Euro. Gegenwärtig liegen die roten Zahlen bei 3,3 Millionen Euro, das ist fast eine Million Euro mehr als erwartet. Bis zum Jahresende rechnet die Geschäftsführung mit einem Defizit von 5,37 Millionen Euro.

Von Thomas Baumann-Hartwig