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Lokales Die Welt im Kasten – Neue Schau zur Fotografie in den Technischen Sammlungen Dresden
Dresden Lokales Die Welt im Kasten – Neue Schau zur Fotografie in den Technischen Sammlungen Dresden
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10:38 11.07.2019
Kurator Ralf Pulla hinter einer historischen Kamera, bei der der Kopf des Abzubildenden mit Stangen abgestützt werden musste.
Kurator Ralf Pulla hinter einer historischen Kamera, bei der der Kopf des Abzubildenden mit Stangen abgestützt werden musste. Quelle: Heiko Weckbrodt
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Dresden

Der Wunsch, den ach so flüchtigen Augenblick des Triumphes, der Liebe oder des Schmerzes für die Ewigkeit aufzubewahren, ist wohl so alt wie die Menschheit selbst: Davon zeugen die Höhlenmalereien in Lascaux ebenso wie der Wandteppich von Bayeux, der rasche Siegeszug der Daguerreotypien wie auch die allerorts gezückten Selfie-Smartphones unserer Zeit.

Fotografie als „Schlüsselerfindung“

Die Technischen Sammlungen Dresden (TSD) haben nun dem langen Weg von der Camera Obscura bis zur digitalen Bilderwelt eine neue Dauerausstellung gewidmet: „Welt im Kasten: Foto – Kino – Video“ zeigt Kameras, Projektoren, 3D-Filme und viele andere Exponate. Dabei haben die Museums-Modellbauer neben vielen Schaustücken gleich noch Ausprobier-Experimente platziert.

Die Entwicklung der Fotografie sei eine ganz besondere „Schlüsselerfindung“ für die Menschen gewesen und deren Wunsch, ein „Spiegelbild der Realität“ zu fixieren, betonte Museumsdirektor Roland Schwarz. Und so repräsentiere die neue Schau auch die ständige Jagd von Industrie und Fotografierenden nach immer besserer Abbildungsqualität. Doch auch die stilistische Emanzipation der Fotokunst von der Malerei ist ein Themenschwerpunkt: „Die ersten Daguerreotypien verwendeten noch ganz die Bildsprache von Gemälden“, schätzte Ausstellungs-Kurator Ralf Pulla ein. Erst später habe die Fotografie eine ganz eigene Stilistik entwickelt.

Eine ganze Vitrinenwand zeigt jene Kameras, die auf die eine oder andere Weise zur Legende wurden: Zu sehen ist beispielsweise die sowjetische Lomo, die nur schlechtbelichtete Fotos mit schattigem Rand zustande brachte – und mit dieser speziellen Bildsprache zum Kult wurde. Die exzellenten Leicas finden sich gleich daneben, ebenso die Dresdner „Pentacon Super“, die mit „Sojus 4“ durchs All gondelte sowie die beliebte DDR-Einstiegskamera „Beirette“ aus Freital.

Stundenlang für ein Foto posieren

Ins Auge fallen eine glänzende britische Lochkamera in Steampunk-Optik, sowie frühe Fotoapparate, die Stunden brauchten, um Lichtbilder zu belichten – für diese Sitzungen mussten die Köpfe der Porträtierten noch mit Eisengestängen fixiert werden. Ganz modern geht es dagegen in der VR-Höhle zu: Dort können die Besucher eine Digitalbrille aufsetzen, in eine „Virtuelle Realität“ (VR) eintauchen und darin das gesamte Museum erkunden.

Eine Laterna Magica aus Manchester aus dem Jahr 1907. Quelle: Heiko Weckbrodt

Ein paar besondere Juwele haben Kurator Pulla und seine Mitstreiter für die 3D-Abteilung ausgegraben: Unikate von Stereo-Filmkameras und -projektoren „Made in GDR“. „Nach dem Krieg hatte es schon einmal einen 3D-Film-Boom gegeben“, erzählt der Dresdner Ingenieur Günter Peschke, der zu DDR-Zeiten erst beim Kamerawerk „Zeiss Ikon“, dann im Kombinat „Pentacon“ und im Sachsenwerk arbeitete. „Ich war fasziniert von diesen Stereoproduktionen.“ In den 1970er Jahren begann er, in seiner Freizeit eine Stereo-Filmkamera und einen passenden Projektor für 16-Millimeter-Filme zu entwickeln. Damit avancierte er damals zum einzigen Stereofilmer der DDR.

Immer offen für Neues

Als Peschke dem Dresdner Kameramann und Regisseur Ernst Hirsch ein gemeinsames 3D-Projekt vorschlug, zögerte der nicht lange: „Ich war sehr beeindruckt, mit welcher Qualität er in seiner Werkstatt diese Apparate konstruiert hat“, erinnert sich Hirsch. Und so sei schließlich mit Peschkes Technik ein Stereofilm für die Leipziger Messe zustande gekommen.

Neues auszuprobieren liegt beiden Pionieren auch im Seniorenalter noch im Blut: Hirsch zum Beispiel hat sich extra für die Ausstellung erstmals als Drohnen-Kameramann betätigt und einen Film über die ehemaligen Ernemann-Kamerawerke aus der Perspektive eines unbemannten Flugvehikels gedreht. Und Peschke will seine über 40 Jahre alten Analog-Stereofilme endlich ins Digitalzeitalter retten: „Speziell dafür gibt es aber keine Standardtechnik“, sagte er. „Ich habe da schon mal eine eigene Digitalisierungsanlage gebaut…“

TSD, Junghansstr. 1, Di.-Fr. 9-17, Sa. u. So 10-18 Uhr, Eintritt: sieben Euro

Von Heiko Weckbrodt