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Lokales Die Sterngucker von Dresden-Gönnsdorf
Dresden Lokales Die Sterngucker von Dresden-Gönnsdorf
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07:45 18.01.2019
Renate Franz in der Kuppel mit dem 16-Zoll-Teleskop. Sie rief die Interessengemeinschaft 2009 ins Leben, heute ist sie Vorsitzende des Sternwarte-Vereins. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

In dem ruhigen Gönnsdorf im Schönfelder Hochland wurde es der Technischen Universität Dresden mit Beginn des neuen Jahrtausends zu hell. 1973 hatte die TU dort auf freiem Feld eine Sternwarte gebaut, ab 1975 einen Astrografen für wissenschaftliche Zwecke betrieben. Doch dann kam die Wende, rundum entstanden Neubauten. Mehr Häuser, mehr Helligkeit – für die Astronomen war das Lichtverschmutzung, exakte Messungen und Aufnahmen waren nicht mehr möglich. Die TU entschwand mit ihren Anlagen auf den Triebenberg und ließ die alte Sternwarte zurück. Das war 2006. Die gesamte Technik nahmen die Forscher mit. Zurück blieb ein leerer Kuppelbau. Er verwahrloste, ein Baum wuchs durch die Wand, Graffitisprayer hinterließen unschöne Spuren.

Es war 2004, als Renate Franz für die CDU in den Ortschaftsrat Schönfeld-Weißig gewählt wurde. Sie ahnte nicht, dass die marode Sternwarte sie bald rund um die Uhr beschäftigen würde. Doch eine unschuldige Frage an den Ortsvorsteher änderte das: „Was wird denn mit dem Ding?“, wollte sie wissen. „Kümmer Dich mal drum“, war die Antwort.

IG vor zehn Jahren gegründet

Die ungenutzten TU-Liegenschaften waren inzwischen an den Freistaat gegangen, 2008 kaufte der Ortschaftsrat das Gelände für 14 500 Euro an und überließ es dem Verein zur Förderung der Jugend e.V. – dort war Renate Franz Mitglied und sah eine Chance. Kurz zuvor war Astronomie aus dem Lehrplan der Schulen gestrichen worden, und so veröffentlichte sie einen Aufruf im Hochlandkurier: Wer hätte Interesse, die Sternwarte als Freizeitprojekt für Kinder und Jugendliche wieder in Gang zu bringen?

13 astronomisch Interessierte meldeten sich, ohne den Bau je von innen gesehen zu haben. Im April 2009 wurde die Interessengemeinschaft (IG) Sternwarte Gönnsdorf gegründet, in diesem Jahr begeht sie ihr zehnjähriges Bestehen.

Dass das Jubiläumsjahr auch noch mit ein Super-Mondfinsternis beginnt, empfindet Renate Franz als besonderen Glücksfall – am kommenden Montag ist die Sternwarte bei klarer Sicht ab 4 Uhr für Interessierte geöffnet. Dann können sie das Himmelereignis durch ein großes, computergesteuertes 16-Zoll-Teleskop betrachten – eine Dauerleihgabe des Helmholtz-Zentrums in Rossendorf, die im März 2014 am Tag der Astronomie übergeben wurde. Hightech für Gönnsdorf.

Mit vereinten Kräften, aber ohne Geld

Danach sah es fünf Jahre vorher nicht aus. „Die hatten alles mitgenommen, die ganze Technik, alle Motoren“, erinnert sich Renate Franz. „Sogar die Lichtschalter waren weg.“ Sie war die einzige, die den Bau vor der Gründung der IG betreten hatte. Doch dann ging es mit vereinten Kräften, wenn auch ohne Geld frisch ans Werk. „Wir hatten keinen Cent“, erzählt die jung gebliebene 78-Jährige. Und Fördermittel? Gab es nicht. „Nirgends passten wir rein.“ Die Mitglieder packten mit an, zahlreiche mittelständische Handwerker aus der Umgebung spendeten Materialien und boten ihr Fachwissen an. „Ich bin die ganze Zeit durchs Hochland gezogen“, erinnert sich Renate Franz. „Mein Lieblingsbuch waren die gelben Seiten.“ Große Firmen seien aber sehr zurückhaltend gewesen. „Die Sternwarte war für die ein Windei.“

Noch heute denkt sie voller Hochachtung an die vielen Helfer, Spender, Handwerker, Enthusiasten, Unterstützer, ohne die der Wiederaufbau und die Erweiterung des Gebäudes nicht möglich gewesen wären. Alles in Eigenleistung. Von Anfang an dabei war Gerd Schmidt, ehemaliger Mathematik- und Physiklehrer. Er packte zunächst bei den Arbeiten und der und um die Sternwarte herum mit an, betreute viele Gruppen und Schulklassen bei ihren Besuchen und war jahrelang Franz’ Stellvertreter in der IG.

Die ersten Gäste kamen aus der Grundschule Pieschen

Die Schmiererein an der Außenwand verschwanden, dafür entstand ein professionelles Graffiti – das Logo vom „Internationalen Jahr der Astronomie 2009“. Sie selbst telefonierte in ganz Deutschland Firmen ab, die möglicherweise mit technischer Ausrüstung helfen könnten. So kamen erste, noch kleinere Teleskope zusammen – 10-Zoller mit eigenem Stativ. Die Sparkasse spendete ein Sonnenteleskop. Man konnte daran denken, mit Veranstaltungen zu beginnen. Die ersten Besucher war eine Klasse der Grundschule Pieschen anlässlich einer partiellen Sonnenfinsternis im Januar 2011.

Gerd Schmidt, von Anfang an dabei, mit einer Tafel für Spender. Eine Fotocollage aus Sternenhimmel und Sternwarte, aufgeteilt in 1600 kleine Felder. Für zehn Euro kann man eines dieser Rechtecke erwerben. Quelle: Renate Franz

Da stieß die Sternwarten-Gemeinschaft allerdings auch gleich wieder an Grenzen. Es war kalt im Kuppelbau, Heizen – auch wegen der notwendigen klaren Sicht auf den Himmel – nicht möglich, und eine Toilette gab es auch nicht. Klar: Ein Anbau musste her. Geld dafür kam unter anderem von einem Entenschwimmen beim Stadtfest. 7000 Enten brachten die IG-Mitglieder an Spender, 32 000 Euro waren der Erlös. Mitte 2012 wurde Richtfest gefeiert.

Ein Ort der Wissensvermittlung auf dem Gebiet der Astronomie

Inzwischen gibt es regelmäßig Veranstaltungen, viele mit Schulklassen, Gruppen können sich für Besuche anmelden, seit 2013 trifft sich jeden Freitag eine Schüler-AG, außerdem gibt es seit kurzem eine AG Astrofotografie. Die Sternwarte nimmt teil an Aktivitäten zum Astronomischen Jahr, an den Tagen der Astronomie (in der Regel im März, dieses Jahr am 30. 3.), an Dresdens Langer Nacht der Wissenschaften und öffnet natürlich immer zu besonderen Ereignissen am Sternenhimmel.

Die Sterwarte Gönnsdorf vor zehn Jahren - nur eine leere Hülle, die verfiel. Quelle: Renate Franz

„Wir sind ein Ort der Wissensvermittlung auf dem Gebiet der Astronomie“, fasst Renate Franz zusammen. Und dieses Wissen zu fördern bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, das ist auch so formuliert in der Satzung des Vereins Sternwarte Dresden-Gönnsdorf e.V., den es seit Dezember 2018 gibt. Vorsitzende: Renate Franz. Aus der IG ist ein Verein geworden, der nun auch selbst Spenden annehmen und eine Reihe von Erleichterungen genießen kann. Bislang musste das alles über den erwähnten Verein zur Förderung der Jugend laufen, der auch weiterhin als Eigentümer für das Grundstück mit der Sternwarte eingetragen ist.

Ehrung mit dem Bundesverdienstorden

Für ihren jahrelangen Einsatz ist Renate Franz im vergangenen November mit dem Bundesverdienstorden geehrt worden. „Ihr sind vor allem soziale und kulturelle Anliegen ihrer Mitbürgerinnen und Mitbürger wichtig“, hieß es in der Würdigung. Sie sei seit Jahren in dem Verein und darüber hinaus in ihrem Ort aktiv und habe sich „über mehrere Jahre lang dafür stark gemacht, dass die Sternwarte Gönnsdorf wieder öffnen konnte und heute ein wichtiger und beliebter Ort der Bildung nicht zuletzt für Kinder und Jugendliche ist“.

Das könnte noch besser werden. Das Geld ist wie immer knapp. Mehr Spenden, ein verlässlicher Sponsor wären hilfreich. Und auf dem Außengelände eine Art kleiner Astropark, das wäre der nächste Traum der Frau von der Sternwarte. Mit viel Engagement und ihren Mitstreitern. „Wir sind ja alle hier im Ehrenamt“, sagt sie, „haben Familie, Beruf, Hobbys.“ Aber in das Projekt Sternwarte fließe eben von allen viel Herzblut. Und Zeit. „In Urlaub gefahren“, bekennt Renate Franz, „sind mein Mann und ich seit zehn Jahren nicht.“ Ohne seine Hilfe und Rückendeckung all die Jahre, fügt sie hinzu, hätte sie das alles ohnehin nicht geschafft.

Service

Eintritt: Schüler (ab sechs Jahren) und Studenten – 1 Euro

Erwachsene – 3 Euro, bei Vorträgen – 5 Euro

Gruppen bis zehn Personen zahlen 30 Euro, größere Gruppen nach Teilnehmerzahl

Infos und Anmeldungen: über www.sternwarte-goennsdorf.de

E-Mail: info@sternwarte-goennsdorf.de

Adresse: Die Sternwarte befindet sich in Gönnsdorf, Weißiger Landstraße 6.

Von Bernd Hempelmann

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