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Lokales Die Kunstausstellung Kühl zeigt Ostdeutsche Abstraktion der 50er bis 80er Jahre
Dresden Lokales Die Kunstausstellung Kühl zeigt Ostdeutsche Abstraktion der 50er bis 80er Jahre
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17:42 11.09.2019
Christine Schlegel (*1950): Sehen, hören, riechen, 1984, Öl/Leinwand. Quelle: Kunstausstellung Kühl
Dresden

Die Kunstgeschichte ist immer auch Geschichte schöpferischer Prozesse, die nicht behindert oder staatlich reguliert werden dürfen. Es ist die persönliche Verantwortung des jeweiligen Künstlers, die es zu achten gilt. Das Gespür dafür oder das Erkennen des Neuen zeichnet den verantwortlichen Kunsthändler bzw. Galeristen aus. Und er wird mit seinen Künstlern auch alt.

Den erstaunlichen Weitblick Heinrich Kühls, des Gründers der Kunsthandlung Kühl, konnte man anhand der zahlreichen Werke der Moderne aus den 1920er Jahren vor wenigen Wochen noch im Albertinum in der Ausstellung der Gemäldegalerie Neue Meister bewundern mit den Werken von El Lissitzky, Piet Mondrian, Pablo Picasso, László Moholy-Nagy, Kurt Schwitters u.a., die durch seine Galerie gegangen sind. Trotz der diskriminierenden Kulturpolitik der Nationalsozialisten blieben Werke dieser Künstler neben denen von Paul Klee, Lyonel Feininger und vielen anderen für vertrauenswürdige Kunden bis in die 1940er Jahre in einem bestimmten Raum der Galerie weiter vorhanden.

Trotz der Verluste nach der Zerstörung Dresdens am 13. Februar 1945 setzte die Kunstausstellung Kühl nun in der Zittauer Straße in der Dresdner Neustadt ihre engagierte Arbeit fort, u.a. mit Willy Wolff, einem Schüler von Otto Dix, mit Werken der Brücke-Künstler oder Carl Otto Goetz. Seit 1927 stellte Hermann Glöckner bei Kühl aus, wenig später auch Edmund Kesting.

Hermann Glöckner (1889 – 1987), Keil nach links in Schwarz und Grau, 1969, Tempera, Faltung und Monotypie, verso sign., dat. u. bez. Quelle: Kunstausstellung Kühl

Stalinistische Kulturpolitik führte zur Verunsicherung

Daneben fand sich im Herbst 1945 die Gruppe „der ruf“ mit Karl von Appen, Hermann Glöckner, Hans Christoph, Edmund Kesting, Erna Linke, sogar mit einem kleinen Katalog! Deren folgende Ausstellung im nächsten Jahr, sogar mit Künstlern aus den westlichen Besatzungszonen, konnte nur noch mit Schwierigkeiten gezeigt werden, und die dritte Ausstellung fiel der zunehmend unter sowjetische Hegemonie fallenden kulturpolitischen Zensur ganz zum Opfer. Aber es war ein wichtiges Lebenszeichen für eine neue Kunst.

Mit der Festigung der stalinistischen Kulturpolitik in der DDR ab 1949 verstärkte sich die staatliche Indoktrination weiter. Kunst sollte an der ideologischen Umerziehung mitwirken. Das führte bei den Künstlern zur Verunsicherung. So wich Hermann Glöckner zu Sgraffitti-Schriftgestaltungen an Häusern aus. Willy Wolff wandelte seinen veristischen Stil von 1946/47 in einen vordergründigen Naturalismus um, den er erst in der Mitte der 1950er Jahren überwand. Expressiv-realistisches überwog allgemein. So erwarb Wolfgang Balzer wohl die verfemten Brücke-Künstler, soweit im Osten vorhanden, besonders aber auch den veristischen Otto Dix neben dessen Zeichnungen aus dem Ersten Weltkrieg.

Diese Rehabilitierung war dann mit der Gründung der DDR 1949 zunehmend einer stalinistischen Kulturpolitik ausgesetzt, die nicht nur verstärkte Flucht in den Westen bewirkte, nachdem mit der 2. und gravierend mit der 3. Deutschen Kunstausstellung die politische Indoktrination zur Leitlinie wurde, so dass selbst Künstler wie Hans Theo Richter ausjuriert wurden. Die Künstler waren verunsichert. Im Zusammenhang mit dem Aufstand in Ungarn 1956 lockerte sich die Kulturpolitik marginal. In diesen 1950er Jahren wandten sich Hans Christoph und Helmut Schmidt-Kirstein informellen und abstrahierenden Arbeitsweisen neuerlich zu. Bei Kühl konnte man deren Werke in eigenen Mappen betrachten, allerdings noch nicht in der Ausstellung.

Bis 1961 waren Reisen in den Westen noch ohne größere Probleme möglich. Viele Künstler nutzten diese Gelegenheiten, um sich über die Prozesse der internationale Kunstentwicklung zu informieren, um wenigstens so die geistige Enge zu überwinden. Nicht zu vergessen ist die Rolle der Leipziger Messe, auf der eine Reihe von Künstlern Messestandgestaltungen übernahmen. Neben finanzieller Sicherung bedeutete dies vor allem den geistigen Austausch und Kenntnisse der neuesten Kunstbücher bzw. Kunstzeitschriften, etwa „Graphis“, „Weltkunst“ oder „Das Kunstwerk“. In diesen Jahren führte Edmund Kesting seine informelle Bildsprache zum Höhepunkt.

Mitte der 1950er Jahre begann Glöckner, mit seinen unterschiedlichen Materialien und zeichnerischen Strukturen zu experimentieren. Willy Wolff verarbeitete nach zwei Englandreisen in den ausgehenden 1950er Jahren seine Eindrücke zu eigenen Antworten auf die im Entstehen begriffene Pop-Art. Selbst Hans Jüchser hatte in dieser Zeit eine kleine Werkgruppe von abstrakten informellen Gemälden geschaffen. Helmut Schmidt-Kirstein sei wenigstens noch genannt, mit seinem breiten Spektrum von abstrakten linearen Kompositionen aus den beginnenden 50er Jahren über die große Werkgruppe der informellen farbigen Blätter und auch Lithographien aus den 60er Jahren bis zu den linearen Zeichnungen und Aquarellen seit den 70er Jahren.

Penck und sein Kreis mit eigenständiger Stilistik

In dieser Zeit, also den ausgehenden 50er/beginnenden 1960er Jahren, liegt auch der erste internationale Erfolg der skripturalen Blätter von Carlfriedrich Claus und der sensiblen Zeichnungen und farbigen Blätter von Gerhard Altenbourg. Claus blieb nur einem kleinen Kreis von Eingeweihten ein heißer Tipp, während Altenbourg mit seinen Zeichnungen mit der ihnen eigenen Ästhetik in der Bundesrepublik einen wachsenden Kreis von Sammlern und Liebhabern fand.

Diese sensible bildnerische Struktur, so unterschiedlich sie auch war, wurde für die jüngere Generation anregend und bestärkte eigenes bildnerisches Gestalten.

Hier muss wenigstens Wilhelm Müller genannt werden, der nach seinen künstlerischen Anfängen im informellen Bereich nach einer zweijährigen Schülerschaft bei Hermann Glöckner ein eigenständiges formbetontes malerisches und zeichnerisches Werk ausformte.

Wilhelm Müller (1928 – 1999) o.T.,1979, Schablonendruck und Diffusion, Tusche, Aquarell/handgeschöpftes Papier, monogr., dat., verso sign. Quelle: Kunstausstellung Kühl

Zum Kreis der konstruktiv Abstrakten gehört natürlich Peter Albert, der mit seinen wohlabgestimmten Farbmodulationen der Dresdner Mal- und Farbkultur einen eigenen Ton hinzufügte. Nicht zu vergessen Klaus Dennhardt mit farbigen Monotypien und Lithographien.

Klaus Dennhardt (*1941), o.T., 1985, Monotypie. Quelle: Kunstausstellung Kühl

Einen eigenständigen stilistischen Bereich verkörpern Ralf Winkler/A.R. Penck und sein Kreis, der einen breiten Strom der neuen expressiven Malerei beeinflusste, bis zu Michael Freudenberg oder Eberhard Göschel mit seiner ungegenständlichen Farbfeldmalerei.

Der unbändige künstlerische Freiheitsdrang schüttelte in den ausgehenden 1980er Jahren endgültig alle kulturpolitischen Indoktrinationen ab. Hier kann nicht auf alle Künstler detailliert eingegangen werden. Einige seien aber wenigstens genannt: Manfred Luther mit seinen „konkreten“ Zeichnungen und darauf aufbauend die farbigen Siebdrucke. Die Abstraktion – in welcher Ausformung auch immer, blieb stets ein Zeichen für geistige Freiheit.

bis 21. September, Kunstausstellung Kühl, Nordstraße 5, Kontakt: Tel. 0351 8045588geöffnet Mi-Fr 11-19, Sa 11-16 Uhr

www.kunstausstellung-kuehl.de
www.kunstshop-kuehl.de

Von Hans-Ulrich Lehmann

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