Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales „Die Ferien halten uns nicht auf“ – Laura und Clara kämpfen für den Klimaschutz
Dresden Lokales „Die Ferien halten uns nicht auf“ – Laura und Clara kämpfen für den Klimaschutz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:48 21.06.2019
Laura Kaiser und Clara Hanitzsch (v.l.) demonstrieren nicht nur für den Klimaschutz – sie pflegen das Umweltbewusstsein auch im Alltag.
Laura Kaiser und Clara Hanitzsch (v.l.) demonstrieren nicht nur für den Klimaschutz – sie pflegen das Umweltbewusstsein auch im Alltag. Quelle: Anja Schneider
Anzeige
Dresden

Immer wieder freitags sind aktuell zahlreiche Schüler abseits der Klassenräume auf den Straßen unterwegs und demonstrieren für den Klimaschutz. Und es werden immer mehr. Auch Laura Kaiser (16) und Clara Hanitzsch (15) sind ein Teil der Fridays-For-Future-Bewegung. Sie erzählen im Interview, wie Eltern und Schule auf ihr Engagement reagieren, was sie täglich für den Klimaschutz unternehmen und räumen mit Vorurteilen auf.

Ihr fahrt am Freitag zum großen globalen Streik von Fridays for Future nach Aachen. Wird dann hier in Dresden nicht gestreikt?

Clara: Am Donnerstagabend fahren wir los. In Dresden wird es dann keinen Streik geben, da fast alle von uns mitfahren und hier keiner was organisieren kann.

Wie habt ihr die Anreise organisiert?

Laura: Der Plan war, dass wir mit dem Zug anreisen. Das ist leider nicht zustande gekommen. Deshalb haben sich jetzt die einzelnen Ortsgruppen um Busse und andere Anreisemöglichkeiten gekümmert.

Seit wann engagiert ihr euch schon für Fridays for Future?

Clara: Bei mir ging das im Februar los. Ich bin schon länger in Sachen Klimaschutz unterwegs, beispielsweise mit meiner Lehrerin, die eine Klima-AG an meiner Schule gegründet hat. Darüber bin ich dann zu Fridays for Future gekommen und hab Laura da mitgezogen. Dann haben wir es in die Organisations-Gruppe bei WhatsApp geschafft und so nahm das Ganze seinen Lauf.

Eine Fridays for Future-Demo in Dresden

Und was sind eure konkreten Aufgaben?

Clara: Es gibt verschiedene Arbeitsgruppen, zum Beispiel rund um die Anmeldung oder die Finanzen. Wir beide sind aktuell in der Social-Media-Gruppe und in der Fotografiegruppe, wo wir Bilder von den Demos machen.

Wie reagieren die Schulen darauf, vor allem hinsichtlich der Debatte zum Thema Schule schwänzen?

Clara: Ich habe das mit meiner Schulleiterin geklärt, um auf der sicheren Seite zu sein. Dadurch, dass wir unsere Schulgemeinschaft schon vorher für das Thema sensibilisiert haben, sind wir da auf viel Offenheit gestoßen. Bei großen globalen Streiks, wie es unter anderem am 15. März der Fall war, dürfen sich alle Schüler von ihren Eltern freistellen lassen. Dafür gibt es dann Checklisten. An den regulären Streiktagen müssen sich die Schüler selbst freistellen, das sind dann meist nicht so viele. Aber zu den globalen Streiks kommt schon ein Großteil der Schüler mit.

Laura: Ich gehe in Löbtau zur Schule und dort läuft das ganz anders. Das Thema Klimaschutz wurde dort nie wirklich thematisiert, nicht mal im Unterricht. Auch Fridays for Future war nie ein Thema, bis ich angefangen habe, das in meiner Schule zu kommunizieren. Bei dem ersten globalen Streik am 15. März durfte ich dann auch Werbung dafür machen und Entschuldigungen austeilen. Mein Schulleiter steht da sehr hinter mir.

„Anfangs hat mein Vater Fridays for Future sehr belächelt“

Was sagen eure Eltern zu eurem Engagement?

Laura: Meine Mama steht hinter mir und unterstützt mich. Bei meinem Vater sieht das etwas anders aus. Anfangs hat er Fridays for Future sehr belächelt. Das hat sich inzwischen aber geändert, weil er gemerkt hat, dass es eben nicht nur 100 Schüler sind, die mal vorm Landtag stehen, sondern es wirklich eine globale Bewegung ist.

Clara: Meine Eltern unterstützen das auch sehr. Sie waren sogar bei der letzten Demo mit dabei, da habe ich mich sehr gefreut.

Wann seid ihr das erste Mal auf das Thema Klimawandel aufmerksam geworden?

Clara: Ich hab mich schon lange vor Greta Thunberg mit dem Thema beschäftigt, allerdings noch nicht so fakten- und zahlenbasiert. Mir ging es da vor allem um das Vermeiden von Plastik.

Sie ist das Gesicht von Fridays for Future: Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. Quelle: dpa/Steffen Trumpf

Laura: Clara fragte mich, ob ich mit zu den Demos kommen möchte. Bis dahin hatte ich mich noch gar nicht mit dem Thema auseinandergesetzt. Nach den ersten Demobesuchen ist mir bewusst geworden, wie wichtig das Thema ist und habe angefangen, mich intensiv mit Klimaschutz zu beschäftigen.

In den Kommentarspalten der sozialen Netzwerke wird den jungen Demonstranten häufig vorgeworfen, sich abseits der Freitage nicht mit Klimaschutz zu beschäftigen und auch nur wenig aktiv dagegen zu tun. Wie sieht das bei euch aus?

Laura: Vor Fridays for Future habe ich mich vor allem im Tierschutz engagiert. Das ist zwar nicht weniger geworden, aber ich beschäftige mich jetzt mehr damit, was ich selbst aktiv gegen den Klimawandel tun kann. Ich bin natürlich nicht CO2-neutral und erst recht nicht perfekt, aber ich versuche, ein Everday for Future draus zu machen. Ich versuche, das auch meiner Familie zu vermitteln und verschenke ökologische Sachen oder wünsche mir beispielsweise einen Gutschein für ei­nen Unverpackt-Laden. Gerade bin ich dabei, meiner Mutter klarzumachen, dass sie mich nicht immer abholen muss und ich auch mit dem Bus fahren kann (lacht).

Clara: Bei mir ist es ähnlich. Ich fahre jetzt täglich mit dem Fahrrad zur Schule. In der Schule veranstalte ich Podiumsdiskussionen oder Workshops zum Thema. Das wichtigste ist doch, Aufklärung zu betreiben und selbst mit einem guten Beispiel voranzugehen.

Wie reagiert euer Umfeld darauf?

Laura: Aus meinem persönlichen Kreis hat niemand was gegen Fridays for Future. Ich werde oft darüber ausgefragt. Einige meiner Familienmitglieder haben sogar schon begonnen, etwas in ihrem Leben zugunsten des Klimas zu verändern.

Clara: Ich habe eine Freundin, die überhaupt nicht hinter Fridays for Future steht, sich aber trotzdem für das Thema Umwelt interessiert und mich unterstützt. Manche aus meiner Familie lassen das Auto öfter stehen oder verzichten mehr auf Flugreisen, als es früher noch der Fall war.

„Konstruktive Kritik ist jederzeit willkommen.“

Gibt man damit aber nicht viel auf, beispielsweise keine Flugreisen mehr zu unternehmen?

Clara: Nein, denke ich nicht. Man kommt trotzdem überall hin, auch ohne Flugzeug. In unserer Schule fand ein Schüleraustausch nach Spanien statt und wir sollten dahin fliegen. Leider ließ sich das nicht mehr ändern. Also haben wir uns genau ausgerechnet, wie viele Emissionen wir verbrauchen und in wie viele Bäume wir das umrechnen müssen. Und dann haben wir angefangen, entsprechend viele Bäume zu pflanzen. Drei waren es für den Hin- und Rückflug.

Fridays for Future

„Fridays for Future“ in Dresden – Das sagen Eltern, Schülern und Lehrer

„Fridays for Future“ legt erstmals Forderungskatalog vor – das steht drin

Wissenschaftler appellieren: Schüler haben Recht zu streiken

Noch mal zurück zu den negativen Kommentaren und Reaktionen: Wie geht ihr damit um?

Laura: Man beschäftigt sich schon damit, nimmt die Kritik an und überlegt, was man verbessern kann. Das geht aber nur bis zu einem bestimmten Grad. Sobald es Hate wird, sollte man es ignorieren und es nicht so nah an sich heran lassen. Aber konstruktive Kritik ist jederzeit willkommen. Ich schaue mir auch viel häufiger Filme von Klimaleugnern an, einfach um zu verstehen, was sie denken und warum sie so denken.

Denkt ihr, dass ihr mit den Demos was erreichen könnt?

Clara: Ich denke, wir konnten schon ganz viel erreichen. Schon allein, dass wir jetzt hier beim Interview sitzen, zeigt das doch. Wir konnten das auch an den Wahlen sehen, dass mehr Menschen für den Klimaschutz gewählt haben.

Laura: Das denke ich auch. Auch wenn die Politiker noch nicht viel getan haben, haben wir zumindest das Thema in die Köpfe der Menschen gebracht. Darauf bin ich sehr stolz.

Wenn ein Politiker wie Christian Lindner sagt, das Thema Klimaschutz sollt ihr mal den Profis überlassen oder eine Annegret Kramp-Karrenbauer das Thema Schule schwänzen über das Thema Klimaschutz stellt – Was macht das mit euch?

Clara: Auf der Demo am 15. März waren die Wissenschaftler dabei, die Christian Lindner angesprochen hat. Sie stimmen unseren Forderungen zu und sagen, es ist realistisch, was wir fordern. Da haben wir die Profis hinter uns stehen.

„30 000 Wissenschaftler stehen hinter unseren Forderungen„

Aber ist es dann nicht umso frustrierender, wenn Leute, von denen ihr gehört werden wollt, so etwas sagen?

Clara: Ja, es macht einen traurig. Immerhin haben sie unsere Zukunft in der Hand. Aber es gibt auch Politiker, die uns unterstützen und das ist eine Motivation. Am schönsten ist es zu sehen, wie viele Menschen bei den Demos dabei sind.

Eine eurer Forderungen ist, dass junge Menschen mehr in den demokratischen Prozess eingebunden werden sollen. Was wünscht ihr euch da konkret?

Clara: Die Jugendlichen sollten mehr gefragt werden, was sie wollen. Es ist unsere Zukunft, von der die 60-plus-Wähler nicht mehr so viel haben werden, wie wir. Deshalb sollten wir auch mitgestalten dürften.

Also ein Wahlrecht ab 16?

Clara: Ja, das wäre ein erster Schritt. Wenn man die Schüler in der Schule vorbereiten würde, könnte man damit auch ihre politische Mündigkeit stärken.

In Aachen begebt ihr euch ganz in die Nähe des rheinischen Braunkohlereviers. Kann der Kohleausstieg funktionieren und gleichzeitig sozial verträglich sein, so wie ihr es fordert?

Laura: 30 000 Wissenschaftler stehen hinter unseren Forderungen und da sind die Sozialforscher mit dabei. Sie haben die soziale Verträglichkeit bereits belegt. Es ist auch gar nicht unser Ziel, irgendjemanden zu benachteiligen. Ist es nicht gerade am sozialsten, wenn man für alle Generationen eintritt? Klima betrifft jeden und wenn wir jetzt nicht handeln, ist es am wenigsten sozial verträglich.

Nun stehen die Ferien vor der Tür. Demonstriert ihr weiter?

Laura: Ja! Gerade um zu zeigen, dass wir keine Schulschwänzer sind. Die Ferien halten uns nicht auf. Da wir mehr Zeit haben, wollen wir nicht nur demonstrieren, sondern auch mehr kreative Aktionen planen. Unter anderem steht ein Sommerkongress in Dortmund an.

Clara: Es wird keine Pause geben. Wir haben auch am Brückentag im Mai keine Pause gemacht, sondern einen Workshoptag eingelegt.

Gespräch: Lisa-Marie Leuteritz

Von Lisa-Marie Leuteritz