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Dresden Lokales Die Dresdner Parkeisenbahn steht vor einem Kulturwandel
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12:37 03.05.2017
Die Parkeisenbahn steht vor größeren Umwälzungen.  Quelle: Archiv
Dresden

 Die Parkeisenbahn steht vor größeren Umwälzungen. Grund ist das nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorfälle in Auftrag gegebene Kinderschutzkonzept, dessen erste Stufe mit Beginn der neuen Saison am Wochenende zündet. Man habe allen Grund, positiv in die Zukunft zu schauen, sagt Christian Striefler, Geschäftsführer der Schlösser, Burgen und Gärten gGmbH (SBG), zu der die Parkeisenbahn gehört. Es geht um nicht weniger als einen Kulturwandel.

Darauf lassen zumindest die ersten Maßnahmen und die Äußerungen der Kommission schließen, die die SBG nach Bekanntwerden weiterer Vorwürfe im Februar in aller Eile berufen hat. Zu ihr gehören neben dem mit der Aufklärung betrauten Rechtsanwalt Thomas Giesen der Geschäftsführer des Verkehrsmuseums Dresden Joachim Breuninger und die Leiterin der Beratungsstelle zur Prävention von sexuellem Missbrauch Shukura, Heike Mann. Schlüsselworte zur Vermeidung weiterer Vorfälle sind Transparenz und Kommunikation.

So hat Shukura ein Beschwerdeformular erstellt, über das Kinder und Eltern Missbräuche und andere Vorkommnisse künftig relativ einfach mitteilen können. Alles werde dann im Sechsaugenprinzip beurteilt, sagt Shukura-Chefin Mann. Sie gehe davon aus, dass die Beratungsstelle bei allen Fällen, die das Kindeswohl betreffen, auch hinzugezogen wird. Nach Ende der Saison wolle man das Verfahren evaluieren und wenn nötig verbessern. Außerdem hat man eine Leitungsgruppe gegründet, die sich derzeit im Wochentakt trifft. An ihr sind Vertreter der Elternschaft, sowie der Kinder und Jugendlichen beteiligt. Sie soll später in eine reguläre Eltern- und Kindervertretung überführt werden. „Es geht hier nicht um ein Strohfeuer, sondern um einen dauerhaften Wandel“, sagt Mann. Die Parkeisenbahn müsse ein Schutzraum für Kinder und Jugendliche werden, fordert Breuninger.

Der Museumschef vor allem sieht derzeit ein Manko: Es fehle an pädagogischen Personal. Bei der Parkeisenbahn arbeiteten vor allem technisch und naturwissenschaftlich bewanderte Menschen, pflichtet ihm Giesen bei. „Es herrscht mitunter ein sehr rauer Ton“, sagt Giesen. Bis zum Sommer soll nun ein Pädagoge angestellt werden. Was genau seine Kompetenzen sein werden, ist unklar. An der Ausschreibung werde derzeit noch gearbeitet, sagt Striefler. Außerdem gab es Schulungen zur Prävention sexualisierter Gewalt und wurden 32 Mitarbeiter zu Jugendleitern ausgebildet.

Mit neuen Regeln soll möglichen Missbrauchssituationen vorgebeugt werden. So wird es künftig außerplanmäßige Beschäftigung einzelner Mitarbeiter mit Kindern auf dem Gelände der Parkeisenbahn nicht mehr geben. Alles erfolgt nach Anmeldung und ist für jeden einsehbar. Zudem gilt nun bei der Parkeisenbahn ein striktes Alkoholverbot.

Um das System der Begünstigung einige Lieblingskinder durch Leitungspersonal aufzubrechen, werden künftig Dienstpläne geschrieben und tragen alle Parkeisenbahner im Dienst Namensschilder. Falls sich ein Kind beschweren möchte, weiß es somit, über wen. Fehlverhalten soll zudem an internen Aushängen an den Bahnhöfen mitgeteilt werden. Außerdem wird es künftig nach Dienstende ein Auswertungsgespräch geben, bei dem sich die Kinder über Kritikpunkte äußern können.

Die Änderungen sollen bis 2018 um weitere ergänzt werden. Es ist beabsichtigt, sie auch in einer Änderung des bestehenden Betriebsvertrags zwischen Parkeisenbahn und SBG festzuhalten. Außerdem soll die Parkeisenbahn eine Kooperation mit dem Jugendamt schließen. Das ist viel Kontrolle, die den Wandel zu einem offenen, kinderfreundlichen Klima garantieren soll. Für SBG-Chef Striefler der einzige gangbare Weg. „Die Alternative mag ich mir gar nicht auszudenken, geschweige denn will ich sie erleben“, sagt er für den Fall des Scheiterns. Dabei hat er allen Grund zur Hoffnung. Von 42 Neuanmeldungen von Kindern für die neue Saison hat es nur eine Abmeldung wegen der Missbrauchsvorfälle gegeben.

Aufklärung der Missbrauchsvorfälle bei der Parkeisenbahn Dresden wirft Fragen auf

Der Zwischenbericht zum Kinderschutzkonzept ist ab Donnerstag unter www.grosser-garten-dresden.de einzusehen.

Von Uwe Hofmann

Hinweis der Redaktion: Der auf dem ursprünglichen Artikelbild abgebildete Mitarbeiter hat mit den hier thematisierten Vorfällen nichts zu tun. Die Auswahl des Bildes erfolgte zufällig.

„Das ist nur die Spitze des Eisbergs“, fasst Martin L. sein Resümee der im „Zwischenbericht über ein vorläufiges Kinderschutzkonzept anlässlich eines Vorfalls sexuellen Missbauchs bei der Dresdner Parkeisenbahn“ getätigten Aufarbeitung zusammen. Martin L., das ist der Vater des Opfers Henry L.

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