Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Die Ärmel hochkrempeln – Ein Kommentar von DNN-Chefredakteur Dirk Birgel
Dresden Lokales Die Ärmel hochkrempeln – Ein Kommentar von DNN-Chefredakteur Dirk Birgel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:44 01.09.2019
Dirk Birgel Quelle: Archiv
Dresden

Das Ergebnis der sächsischen Landtagswahl ist ein Erfolg für Ministerpräsident Michael Kretschmer und eine Klatsche für seine CDU. Als Kretschmer im Dezember 2017 sein Amt antrat, hatte die Union abgewirtschaftet. Nicht wenige meinten damals, man müsse ihm angesichts der katastrophalen Umfragewerte für die neue Aufgabe eher das Beileid aussprechen. Noch im Mai lag die CDU bei der Europawahl in Sachsen hinter der AfD.

Doch Kretschmer krempelte die Ärmel hoch, suchte unermüdlich das Gespräch, wo immer es ging, und überzeugte am Ende viele, seiner Partei doch noch eine Chance zu geben. Dass die CDU am Ende doch recht deutlich vor den Nationalkonservativen liegt und einen Auftrag zur Regierungsbildung hat, ist vor allem Kretschmers Verdienst. Er ist nicht gewählt worden, weil, sondern obwohl er CDU-Mann ist. Er musste gegen den Merkel-Malus und gleichzeitig gegen starke innerparteiliche Gegner kämpfen, denen eine Koalition mit der AfD lieber wäre als ein Bündnis mit Parteien aus dem linken Lager. Dazu wird es nun aller Voraussicht nach kommen.

Zusammen mit den Grünen und der SPD kommt Kretschmer auf eine sichere Mehrheit im neuen Landtag. Das macht das Regieren sicher nicht leichter, aber in den Umfragen sah es lange Zeit so aus, als bräuchte die CDU drei Koalitionspartner. Es hätte also schlimmer kommen können. Auch für die Sozialdemokraten, die das schlechteste Wahlergebnis in Sachsen aller Zeiten verkraften müssen. Angesichts des desolaten Zustandes der Bundespartei könnte man Martin Dulig zu den knapp acht Prozent fast gratulieren. Die SPD hat in der Regierung viel Gutes bewirkt und ist hier deutlich unter Wert geschlagen worden.

Der zweite große Verlierer heißt Holger Zastrow. Der ewige FDP-Landeschef hatte den Wahlkampf voll auf seine Person zugeschnitten und verpasst mit den Liberalen erneut den Einzug in den Landtag, ebenso wie die Freien Wähler und eine gewisse Frauke Petry (Blaue), die bei den „Sonstigen“ gezählt wurden.

Für die Bundespolitik bedeuten die Ergebnisse in Sachsen und Brandenburg, dass es wie bisher nicht weiter gehen kann. Die Grünen sind reif für eine Regierungsbeteiligung, die SPD braucht eine Verschnaufpause auf der Oppositionsbank, um sich neu zu (er-)finden. Und die CDU braucht endlich frischen Wind. Bei allen Verdiensten, die Angela Merkel zweifelsfrei hat, ihre Zeit ist um. Gleiches gilt für Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer, deren Zeit noch gar nicht richtig begonnen hat. Michael Kretschmer hat gezeigt, wie man Menschen anno 2019 erreicht. Frisch, mutig und auf Augenhöhe.

Lesen Sie auch:
So hat Sachsen gewählt

Von Dirk Birgel

In Sachsen wurde ein neuer Landtag gewählt. Wir haben die Geschehnisse in einem Liveticker verfolgt und die Ergebnisse für die sieben Wahlkreise in Dresden verkündet.

01.09.2019

Kuriose Bilder aus der Neustadt: Unbekannte haben sich am Wochenende einen Scherz erlaubt und E-Roller völlig falsch abgestellt. So hängten Vandalen die Roller an Ampeln und Bäumen auf. Mehrere Fahrzeuge landeten in Mülltonnen.

01.09.2019

Sage und schreibe fast 62 Prozent der Dresdner Wahlberechtigten haben bis 14 Uhr ihre Stimmen abgegeben – deutlich mehr als zum gleichen Zeitpunkt vor fünf Jahren. Landesweit hatten bis um 14 Uhr 35,1 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimmzettel in die Urnen gesteckt.

01.09.2019