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Lokales Deshalb beteiligt sich Kurt Biedenkopf so intensiv am Wahlkampf
Dresden Lokales Deshalb beteiligt sich Kurt Biedenkopf so intensiv am Wahlkampf
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06:57 30.08.2019
Kurt Biedenkopf war von 1990 bis 2002 Ministerpräsident des Freistaates Sachsen. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Kurt Biedenkopf sitzt im Büro seiner Anwaltskanzlei und rührt in der Kaffeetasse. Die Bücherregale sind vollgestellt, der Blick aus dem Fenster fällt auf den Ferdinandplatz. Biedenkopf unterhält sich angeregt mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Martin Modschiedler. „Natürlich unterstütze ich meine Partei im Wahlkampf“, erklärt der frühere Ministerpräsident, warum er ein für einen 89-Jährigen enormes Programm auf sich nimmt.

„König Kurt“, so war der Politiker in den Anfangsjahren des Freistaats von den Sachsen genannt worden. Jetzt ist er in seiner Wahlheimat unterwegs, um für seine Partei zu werben. Und eine Politik, die den Menschen nichts verspricht, sondern ihnen die Realität vor Augen führt.

1,4 Kinder pro Frau sind zu wenig

„Über die Notwendigkeit einer Zuwanderung hat die Bevölkerung selbst entschieden“, sagt Biedenkopf. „Bis Ende dieses Jahrhunderts wird es keinen angemessenen Nachwuchs geben.“ 1,4 Kinder pro Frau seien zu wenig. 50 bis 60 Prozent der Schulabsolventen würden studieren wollen, das sei ein Problem. „Uns fehlen die Menschen für die Leistungen, die notwendig sind.“

Der Freistaat Sachsen werde ohne qualifizierte Einwanderung nicht auskommen, stimmt Biedenkopf Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zu. Und warnt vor der AfD: „In dieser Partei steckt ein Willen, der herrschaftsorientiert ist. Wir brauchen aber freiheitliche Vorschläge für unser Zusammenleben, die von der Würde des Menschen ausgehen. Populisten erzeugen Ängste bei den Menschen, aber sie haben keine Antworten auf die vielfachen Veränderungen, Umbrüche und Herausforderungen.“

Weltordnung hat sich in 30 Jahren grundlegend verändert

Dass es jetzt, fast 30 Jahre nach der Deutschen Einheit, Unzufriedenheit und Frustration in der Bevölkerung gebe, sei nicht überraschend, sagt Biedenkopf. Zwar gehe es Dresden so gut wie noch nie. „Die Menschen haben in den vergangenen 30 Jahren alles geleistet, was sie konnten. Aber wenn sie sich mit den alten Bundesländern vergleichen, dann gibt es da immer noch einen Abstand, auch wenn er viel geringer geworden ist.“

Die Weltordnung habe sich in 30 Jahren grundlegend verändert, und trotz der vielen gravierenden Umbrüche müssten sich die Menschen neuen Herausforderungen stellen: Ausbildung, Weiterbildung, Qualifikation, da gibt es noch eine Menge zu tun. Das sorgt für Ängste“, sagt der 89-Jährige und lächelt. „Auch ich habe zwar keine Angst, aber Sorgen, wenn ich an die Konsequenzen denke.“

Sorge um das Lebenswerk

Vor einigen Tagen, so Biedenkopf, habe er wieder seinen Laptop aus der Schublade geholt. „Jetzt weiß ich gar nicht mehr, wie ich ihn bedienen soll.“ So gehe es vielen Menschen: Die Technik verselbstständige sich immer mehr. „Wir müssen darauf achtgeben, dass wir noch normal kommunizieren können“, mahnt er.

Biedenkopf gibt Modschiedler den Ratschlag, auf die Menschen zuzugehen und mit ihnen zu reden. „Wenn ich jemanden sehe am Morgen, der den Fußweg kehrt, dann bedanke ich mich bei ihm und zeige ihm, dass ich seine Arbeit achte“, erklärt „König Kurt“, der sich zu Dresden bekennt: „Meine Frau und ich wollen in dieser wunderschönen Stadt bleiben.“

„Ich bin beeindruckt von seinem Weitblick und seinem Scharfsinn und dankbar für seine Unterstützung“, sagt Modschiedler nach seinem Treffen mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten, den die Sorge um sein Lebenswerk zu einem enormen Pensum treibt.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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