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Lokales Der letzte Kunde und eine Küchenschlacht: Zwei Verhandlungen über Attacken in Restaurants
Dresden Lokales Der letzte Kunde und eine Küchenschlacht: Zwei Verhandlungen über Attacken in Restaurants
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18:39 04.03.2020
Symbolfoto Quelle: dpa
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Dresden

Einen „fetten Hund“, nannte Richter Thomas Hassel das, was sich der Angeklagte im vergangenen Jahr in einem Restaurant geleistet hatte – und da hat sich der Richter noch charmant ausgedrückt. Für die Attacke von Riccardo S. auf eine Kellnerin kann man auch andere Worte finden. Die Staatsanwaltschaft fand folgende Tatvorwürfe: sexuelle Nötigung, vorsätzliche Körperverletzung, Beleidigung sowie Widerstand und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte.

Der 32-Jährige hatte privaten Ärger und wollte seinen Frust in einer Bar im Hechtviertel runterzuspülen. Der Kellnerin fiel wohl auf, dass der Gast Probleme hatte. Sie unterhielt sich, wenn sie Zeit dafür hatte, mit ihm. Riccardo S. blieb sitzen, trank zu viel Gin, war dann im Lokal der letzte Kunde und benahm sich auch so.

Kein Wort der Entschuldigung

Er attackierte die 30-Jährige, versuchte sie zu küssen, stieß sie zu Boden, legte sich auf sie, drückte ihr seinen Ellenbogen auf den Kehlkopf, so dass sie Atemnot bekam, riss ihr T-Shirt und Slip vom Körper und einen Ohrring aus dem Ohr, betatschte sie im Intimbereich, beleidigte sie, spuckte ihr ins Gesicht und den Mund. Ihr gelang es zu flüchten. Als die Polizei anrückte, schlug und trat der 32-Jährige auf die Beamten ein.

Riccardo S. räumte den Vorfall ein, erklärte aber, sich an nichts erinnern zu können. Er sei erst in der Ausnüchterungszelle zu sich gekommen. Der Angeklagte nuschelte etwas von Streit mit seiner Frau, die ihn verlassen hatte, dass er frustriert und betrunken war und sich das alles nicht erklären könne. Ein Wort der Entschuldigung in Richtung der Kellnerin kam ihm nicht über die Lippen.

Kellnerin erhält 1500 Euro Schmerzensgeld

Die Frau ist noch heute traumatisiert. Sie hat versucht, die ganze Sache zu verdrängen, gelungen ist ihr das nicht. Ihr geht es schlecht und sie hat Angst. Ihren Job in dem Lokal hat sie aufgegeben. „Ich konnte dort nicht mehr arbeiten“, sagt sie.

Das Gericht verurteilte Riccardo S. zu einer Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem muss er 1500 Euro Schmerzensgeld an die 30-Jährige zahlen.

Weiterer Streit in der Gastronomie

Einige Säle weiter ging es ebenfalls um eine Körperverletzung. Tatort war dabei ein Restaurant an der Prager Straße. Dort waren ein Koch und ein Servicemitarbeiter aneinander geraten. Die hatten sich wegen zu lauter Musik in der Küche in die Wolle bekommen und gegenseitig mit Küchenutensilien attackiert. Der Koch soll dabei den Kollegen mit einem Messer am Kinn und einen anderen Mitarbeiter, der eingreifen wollte, am Unterarm verletzt haben. Die Streithähne wurden gefeuert.

„In der Gastronomie ist die Sprache etwas rauer“, sagte der Servicemitarbeiter. Da scheint was dran zu sein. Er hatte vor Gericht extremen Gedächtnisverlust und konnte sich an nichts erinnern – nicht einmal an seine Verletzung. Der andere Kollege erschien erst gar nicht. Das Verfahren gegen den Koch wurde gegen die Zahlung von 600 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung vorläufig eingestellt.

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