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Lokales Der letzte Besuch bei Papa: 56-Jähriger wegen zweifachen Mordes vor dem Landgericht
Dresden Lokales Der letzte Besuch bei Papa: 56-Jähriger wegen zweifachen Mordes vor dem Landgericht
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10:38 29.03.2019
Eduardo A. mit seinem Verteidiger Matthias Ketzer zum Prozessauftakt. Der Angeklagte muss sich wegen Doppelmord verantworten. Quelle: Foto: Monika Löffler
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Dresden

„Beim ersten Anblick mussten wir erst einmal innehalten, da hatten wir einen Moment mit uns selbst zu tun“, erinnerte sich am Donnerstag ein Polizeibeamter an den Augenblick, als er und seine Kollegen im am 28. Juli 2018 die Bettdecke im Schlafzimmer einer Wohnung in Gorbitz zurückschlugen. Darunter lagen die blutverschmierten Körper von zwei kleinen Mädchen. Der herbeigerufene Arzt konnte nur noch deren Tod feststellen. Der eigene Vater soll die drei und sechs Jahre alten Kinder umgebracht haben.

Wegen Doppelmordes muss sich Eduardo A. nun vor der Schwurgerichtskammer des Dresdner Landgerichts verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 56-Jährigen vor, an jenem Tag seine völlig arglosen Töchter nach Spielplatzbesuch, Mittagessen und Fernsehen brutal und grausam getötet zu haben. Laut Anklage zertrümmerte er der Dreijährigen mit verschiedenen Gegenständen, darunter einer Gymnastikkeule aus Holz, den Schädel. Auch auf den Kopf der 6-Jährigen wurde massiv eingeschlagen. Als das Mädchen aber trotzdem noch lebte, soll er seiner Tochter mit einer Astsäge oder einem Messer den Hals durchtrennt haben.

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Der Angeklagte wollte sich weder zu den Tatvorwürfen noch zu seiner Person äußern. Aus den Akten geht hervor, dass der Mosambikaner im Zuge eines Regierungsabkommens über Vertragsarbeiter 1981 in die DDR kam. Er absolvierte eine Ausbildung zum Krankenpflegehelfer und arbeitete auch in dem Job. Seine Ehefrau, die Mutter der Kinder, stammt ebenfalls aus Mosambik.

Grund für die Tat, so die Staatsanwaltschaft, sei Rache an seiner Frau gewesen. Die 35-Jährige hatte sich nach tätlichen Übergriffen zu Silvester 2017 von ihrem Mann getrennt und war ausgezogen. Für die Kinder gab es eine Besuchsregelung, per Gerichtsbeschluss durften sie alle 14 Tage zu ihrem Vater. So auch an jenem Tag. Ihrem letzten. Als sie nicht pünktlich zurückgebracht wurden und ihr Mann nicht erreichbar war, ging die Mutter zur Polizei, die zur Wohnung des Mannes fuhr..

Eduardo A. öffnete in Unterhosen und mit einer Alkoholfahne die Tür und sagte, die Mädchen seien nicht da. „In der Wohnung lagen Spielsachen, aber alles war sauber, nirgendwo Blut. Nichts deutete auf etwas Schlimmes hin“, sagte der Beamte, der mit als Erster am Tatort war. Bis sein Kollege eine Rastalocke unter der Bettdecke bemerkte.

Der Vater blieb ganz ruhig. „Er war sehr distanziert und abwartend, so als ob ihn das alles überhaupt nichts angeht“, sagte der Polizist. Später habe der 65-Jährige dann erklärt, dass er sich freue, dass seine älteste Tochter jetzt bald in die Schule kommt. „Ich habe daraufhin die Schlafzimmertür geöffnet, aufs Bett gezeigt und gesagt: ,Ihre Kinder gehen in keine Schule mehr’. Da hat er kurz geweint.“

Die Mutter hatte bei der Polizei erklärt, dass sie ihm bei der Übergabe der Kinder gesagt hatte, dass sie vom Frauenhaus in eine Wohnung zieht. Vielleicht ist ihm da klar geworden, dass sie nicht zu ihm zurückkehrt. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Monika Löffler