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Dresden Lokales Der Trinkgeld-Knigge und die Realität
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14:39 07.11.2017
Frank Ollhoff, Chef des Petit Frank in Pieschen, kann beim Thema Trinkgeld nicht klagen. Ist er selbst Gast,weiß er genau wie viel Trinkgeld angemessen ist. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Verbraucherexperte Peter Escher, bekannt als Ratgeber beim MDR, stieß die Debatte rund um das Thema Trinkgeld an. Bei Facebook postete er am 9. Oktober seine Erfahrung in einer Leipziger Pizzeria. Dort wurde eine Rechnung von 125 Euro mit 130 Euro bezahlt. Kurze Zeit später kam die Kellnerin an den Tisch zurück und fragte, ob etwas nicht in Ordnung gewesen sei. Grund für ihre Nachfrage sei das geringe Trinkgeld gewesen.

Doch was ist denn nun eigentlich ein angemessenes Trinkgeld? Laut Knigge sollte in Deutschland zwischen fünf und zehn Prozent des Rechnungspreises gegeben werden. Dort steht auch: „Man sollte, muss aber nicht“. Denn die Bediengelder sind im Preis mit einberechnet. Laut Knigge besteht Einigkeit darüber, dass es für gute Leistung auch gutes Trinkgeld geben sollte. Die Höhe hänge aber von den Gegebenheiten ab. So empfiehlt Knigge bei einer hohen Rechnung eher ein fünfprozentiges Trinkgeld. Die Frage ist nun, wie es in der Realität aussieht und ob der Knigge da wirklich eine Rolle spielt.

Gastronomen sind großzügige Trinkgeldgeber

Frank Ollhoff macht in seinem Restaurant „Petit Frank“, an der Bürgerstraße 14 in Pieschen gute Erfahrungen. „Im Schnitt dürfen wir uns über ein Trinkgeld zwischen sieben und neun Prozent freuen“, erzählt der Inhaber, der abends gleichzeitig den Job als Kellner übernimmt. Auch er kennt die Geschichte, die Peter Escher zur Debatte stellte. „Man sollte als Kellner schon merken, wenn sich die Gäste unwohl fühlen und nicht erst dann, wenn das Trinkgeld nicht stimmt“, so Ollhoff. Es hänge aber auch immer von der Gastronomie ab, ergänzt er. In seinem Restaurant verbringen die Gäste in der Regel mehrere Stunden und da könne er viel besser auf seine Gäste eingehen, als beispielsweise in einem Schnellimbiss. Zum Feierabend teilt er das Trinkgeld brüderlich mit seinem Koch. Wenn Frank Ollhoff selbst essen geht, gibt er stets ein großzügiges Trinkgeld: „Als Gastronom weiß man wie es ist, wenn es wenig Trinkgeld gibt. Und man kennt auch die Arbeitsbedingungen, weswegen man vermutlich großzügiger ist. Oftmals arbeitet man als Kellner mehr als 40 Stunden und ist stets freundlich zu den Gästen, egal wie gestresst man eigentlich gerade ist“, erklärt er.

Abends gibt es mehr Trinkgeld

Im Bereich Mittagsimbiss und Lieferservice sieht die Realität etwas anders aus, wie Johannes Jäsch, Geschäftsführer der Burgerhotline an der Antonstraße 18, weiß. „Zu uns kommen die Leute oft in der Mittagspause. Das bedeutet, sie haben wenig Zeit. Die Trinkgelder um diese Zeit liegen pro Gast im Centbereich“, erzählt Jäsch. Er fügt hinzu, dass er in Dresden das Gefühl hat, das Mittagessen werde nicht nach Qualität, sondern nach einem möglichst günstigen Preis rausgesucht. Dementsprechend gering fallen dann auch die Trinkgelder aus. Die Auslieferer der Burgerhotline haben da schon etwas mehr Glück. „Unsere Fahrer können sich in der Regel über bis zu 15 Euro Trinkgeld pro Schicht freuen. Manche teilen das dann noch mit der Küche“, sagt Jäsch. Josie Fritzsch fährt seit Januar frische Burger aus und hat die Erfahrung gemacht, dass abends mehr Trinkgeld gegeben wird, als tagsüber. Der Geschäftsführer vertritt die Ansicht, dass den Mitarbeitern so viel gezahlt werden sollte, dass ein Trinkgeld nicht notwendig ist. Im Schnitt verdienen Kellner in Dresden zwischen 940 und 1 560 Euro pro Monat. Köche dagegen gehen in der Regel mit einem Gehalt zwischen 1 270 und 1 750 Euro nach Hause. Ob die Angestellten das Trinkgeld für sich behalten dürfen oder ob es zwischen allen aufgeteilt wird, entscheidet jedes Unternehmen selbst.

In der gehobenen Gastronomie und Hotellerie verschwimmt die Prozentregel laut Knigge offenbar. Zumindest macht das Fünf-Sterne Relais & Châteaux Hotel Bülow Palais an der Königsstraße 14 diese Erfahrung. Ab Beträgen über 100 Euro werde sich nicht mehr an die fünf bis zehn Prozent Regel gehalten, heißt es von dort. Dennoch liege es den Mitarbeitern fern, Gäste zu fragen, warum sie so wenig Trinkgeld gegeben haben, wie es im Fall des Peter Escher ablief. „Wir sind zufrieden, wie es ist, und freuen uns auch über verbale Anerkennung oder über positive Online-Bewertungen. Das Trinkgeld ist zwar willkommen, aber deswegen machen wir unseren Job nicht“, erklärt Jutta Rönsch vom Relais & Châteaux Hotel Bülow Palais .

Außerdem habe das Hotel festgestellt, dass sich die Höhe der Trinkgelder in den letzten Jahren deutlich verringert hat. Zu Beginn eines Jahres werde oftmals weniger gegeben, als gegen Ende. Zimmermädchen des Bülow Palais dürfen sich hin und wieder über Trinkgeld in den Zimmern freuen. Oftmals fragen die Gäste aber im Vorfeld, wie es im Hotel gehandhabt wird. So hat das Bülow Palais beispielsweise eine gemeinsame Trinkgeldkasse, dadurch bekommen auch die Kollegen hinter den Kulissen etwas ab, die keinen direkten Gastkontakt haben, auch wenn es nicht die empfohlenen fünf bis zehn Prozent sind.

Ein Blick in die Friseurbranche

Christoph Steinigen, Chef des „Directors Cut“ – Friseursalons an der Böhmischen Straße 18 in der Dresdner Neustadt, hält die angestoßene Debatte für sehr wichtig. „Wir müssen uns vor Augen führen, das im Friseurhandwerk, in der Gastronomie aber auch in anderen Dienstleistungsbranchen viele Kolleginnen und Kollegen mit großer Leidenschaft sowie Liebe zum Beruf und zu Menschen arbeiten“, sagt der Friseurmeister. Im Salon gehe es nicht allein um die handwerkliche Leistung, sondern auch darum, ein offenes Ohr für den Kunden zu haben. „Ein gute Portion Freundlichkeit und Liebe zu seiner Tätigkeit gehören eben auch dazu“, erklärt Steinigen. Und das eben auch, obwohl der Verdienst vieler Friseure selten über dem Mindestlohn liegt. In Dresden verdienen sie durchschnittlich zwischen 1 160 und 1 900 Euro pro Monat.

Im Salon „Directors Cut“ können sich die Angestellten regelmäßig über Trinkgeld freuen, meist sind es die klassischen zehn Prozent. Verändert habe sich die Höhe laut seinen Angestellten über die letzten Jahre nicht. Wenn Christoph Steinigen selbst ins Restaurant geht, gibt er gerne ein ordentliches Trinkgeld für eine freundliche und angenehme Bedienung, wie er erzählt. Die Reaktion der Kellnerin, die Peter Escher und seine Gruppe aufgrund des geringen Trinkgeldes angesprochen hat, findet Steinigen durchaus legitim.

Peter Escher selbst ist da anderer Ansicht, wie er wenige Tage nach dem Anstoß der Debatte auf seinem Facebook-Profil erklärt. „Kellner denken sich bei ´sparsamen Gästen´ ihren Teil, Ansprechen oder gar Einfordern geht gar nicht!“, schreibt Escher dort. Doch auch er ist der Meinung, dass guter Service nicht nur im Restaurant belohnt werden sollte, sondern auch in anderen Branchen. Und das kann manchmal auch ein einfaches „Danke“ sein.

Von Lisa-Marie Leuteritz

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