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Lokales Der Neptunbrunnen findet wenig Beachtung – ein Stadtrat will das ändern
Dresden Lokales Der Neptunbrunnen findet wenig Beachtung – ein Stadtrat will das ändern
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11:14 17.07.2018
Der Neptunbrunnen in Dresden Friedrichstadt. (Archivbild) Quelle: PR .
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Dresden

Der Neptunbrunnen ist ein Kunstwerk von europäischem Rang. In seiner Wertigkeit kann der 1746 geschaffene Brunnen mit dem Trevi-Brunnen in Rom verglichen werden. Doch der Neptunbrunnen steht nicht im Mittelpunkt. Ganz im Gegenteil. Er fristet ein Schattendasein im Krankenhaus Friedrichstadt. Die meisten Touristen verlassen die Stadt, ohne die berühmte Anlage gesehen zu haben.

Peter Bartels, Stadtrat für die SPD, kämpft seit vielen Jahren für den Neptunbrunnen. Er war technischer Mitarbeiter, später Abteilungsleiter im Krankenhaus Friedrichstadt und hat selbst miterlebt, wie die Techniker unter größten Mühen den Brunnen zum Sprudeln brachten. „Er wurde mit Trinkwasser betrieben. Wenn wir ihn in Betrieb genommen haben, gab es in den umliegenden Häusern in den oberen Stockwerken kein Wasser, weil der Druck nicht mehr ausreichte.“

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Technische Mitarbeiter des Krankenhauses, rechts Meister Thomas Stade, 1990 bei einer Funktionsprobe des Neptunbrunnens. Quelle: Archiv Peter Bartels

In Eigeninitiative hätten die Mitarbeiter um Haustechnik-Meister Thomas Stade einen Grundwasserbrunnen gegraben und die marode Pumpenanlage repariert, so Bartels. Da der Boden undicht war, musste er abgedichtet werden, um den Wasserverlust zu minimieren. Am 19. Juli 1990 wurde der Neptunbrunnen wieder in Betrieb genommen.

Von 2009 bis 2013 wurde der Neptunbrunnen mit rund 1,8 Millionen Euro umfassend saniert. In den Blickpunkt des Tourismus rückte er trotzdem nicht. „Aber jetzt ist das Haus N fertiggestellt, jetzt brauchen wir ein Konzept“, fordert Bartels mit Blick auf das vor dem Brunnen befindliche Krankenhausgebäude, in dem auch ein „Café am Neptunbrunnen“ eröffnet hat. Für den Stadtrat wäre es selbstverständlich, eine Bushaltestelle auf der Wachsbleichstraße einzurichten. „Ich wundere mich darüber, dass so eine Diskussion überhaupt geführt werden muss„, erklärt er.

Die Wiederweihung des Neptunbrunnens nach der Sanierung

Stadtrundfahrten, Wegeleitsystem oder eine Bushaltestelle?

„Der Neptunbrunnen ist bislang nicht Teil des bestehenden touristischen Wegeleitsystems der Stadt“, ließ Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) auf Anfrage von Bartels mitteilen. Auch am Städtischen Klinikum Friedrichstadt gebe es bislang keine Beschilderung im Rahmen des bestehenden Wegeleitsystems. Immerhin plane das Klinikum ein neues Leitsystem, das in zwei Jahren umgesetzt werden solle. Die Aufnahme des Neptunbrunnens werde geprüft.

Eine Haltestelle für Busse sei schwierig zu realisieren, erklärte der OB, denn in diesem Fall würden Pkw-Parkplätze auf der Wachsbleichstraße wegfallen. „Diese stehen dann den Anwohnern und auch Patienten und Mitarbeitern des Klinikums nicht mehr zur Verfügung“, gibt Hilbert zu bedenken. Außerdem hätten sich bisher keine Anbieter von Stadtrundfahrten gemeldet und Bedarf an einer Besichtigungsroute mitgeteilt.

„Eine Einbindung des Neptunbrunnes in die bestehenden Routen großer Stadtrundfahrten wird sowohl aus der Perspektive des Klinikums als auch aus der Perspektive wirtschaftlicher Anbieter großer Stadtrundfahrten als problematisch eingeschätzt“, so Hilbert. „Touristen dürfen den Krankenhausbetrieb nicht behindern“, stimmt Bartels zu, verweist aber auch die beiden Türen in der Krankenhausmauer, die ein störungsfreies Besichtigen der Brunnenanlage möglich machen würden.

1988 wurde ein Tunnel zwischen Haus N und dem Brunnen gegraben. Die Brunnenrampen wurden als Lager für Baumaterial zweckentfremdet. Quelle: Archiv Peter Bartels

Eines ist sicher: Der Brunnen kann nicht an einen anderen Standort verlagert werden. Bartels erinnert sich an Ideen, den Neptunbrunnen am Japanischen Palais oder auf dem Neumarkt aufzustellen. Unmöglich, sagen die Denkmalschützer, eine Demontage werde auch bei größter Sorgfalt Schäden an der Substanz verursachen.

Peter Bartels Quelle: Pr

„Wir müssen es schaffen, den Brunnen ins Rampenlicht zu rücken“, sagt Bartels und fordert, dass die Stadt dem Klinikum die Kosten für Betrieb und Instandhaltung der Anlage erstattet. „Es ist nicht Aufgabe eines Krankenhauses, ein Denkmal von europäischem Rang zu betrieben“, findet er. Hilbert verweist darauf, dass die finanziellen Spielräume für die städtischen Brunnen längst ausgeschöpft seien. „Die Übernahme der Betriebs- und Instandhaltungskosten durch das Fachamt ist nicht möglich“, erklärte er.

„Es ist abwegig, auf der einen Seite Kulturhauptstadt werden zu wollen und auf der anderen ein solches Kulturdenkmal nicht in den Mittelpunkt zu stellen“, findet Bartels.

Der Neptunbrunnen ist von Anfang Mai bis Ende Oktober wochentags von 11.30 bis 13.30 Uhr und 16 bis 18 Uhr sowie sonn- und feiertags von 10 bis 12.30 Uhr und 15 bis 18 Uhr in Betrieb.

Von Thomas Baumann-Hartwig