Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Der Herzogin Garten und Orangerie vor der Fertigstellung
Dresden Lokales Der Herzogin Garten und Orangerie vor der Fertigstellung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
16:41 17.07.2018
Orangerie (links) und entstehende Parkanlage. Quelle: Dietrich Flechtner
Anzeige
Dresden

Mit dem Park „Der Herzogin Garten“ bekommt Dresden mitten im Zentrum jetzt eine historische Gartenanlage zurück. Das Areal ist 6500 Quadratmeter groß und entsteht gegenwärtig schräg gegenüber vom Zwinger an der Ostra-Allee. „Im vierten Quartal wird man durch den Park spazieren können“, sagt Torsten Nowack, Projektleiter der „Palais im Herzogin Garten Saal Projekt GmbH“ (PIH).

Die neu errichteten Gebäude links im Bild sind schon bewohnt. Auch die Orangerie wird künftig für Wohnzwecke genutzt. Quelle: Dietrich Flechtner

Denn das Areal ist nicht den Bewohnern der angrenzend neu entstandenen Wohnungen vorbehalten, sondern wird für die Öffentlichkeit zugänglich sein, versichert Nowack. Allerdings nur am Tag, voraussichtlich 8 bis 18 Uhr. Dann werden die Zugänge geschlossen, um die aufwändig gestaltete Anlage vor Vandalismus zu schützen.

Anzeige

Allein der Zaun ist ein Vermögen wert

Investor Saal steckt immerhin „einen einstelligen Millionenbetrag“ in den Garten, so der Projektleiter auf DNN-Nachfrage. Allein der Zaun ist ein Vermögen wert, wenn er dann steht. Acht historische Zaunsfelder gibt es noch. Sie werden bei Aust & Köckritz restauriert. 48 weitere Zaunsfelder lässt der Investor, der in engem Kontakt mit der Denkmalpflege steht, nach historischem Vorbild nachbauen. Ob nach Fertigstellung des Gartens ein Eintrittsgeld erhoben wird, schon um die Pflege des Grüns zu finanzieren, das sei allerdings noch völlig offen.

Wasserbecken nehmen Bezug auf historischen Mühlgraben

Die Grundstrukturen der Grünanlage sind schon zu erkennen. Stahlkanten trennen die geschwungen angelegten Wege von künftigen Rasen- und Pflanzflächen. Mehrere große Bäume sind gepflanzt. Zu Füßen des neu entstandenen Wohn-„Palais“ sind mit Sandstein eingefasste bandartige Wasserbecken. Sie nehmen Bezug auf den historischen Weißeritz-Mühlgraben an der Stelle.

Blick auf den neu entstehenden Park und die wieder aufgebaute Orangerie. Quelle: PIH

Das Gestaltungskonzept der Freianlage orientiere sich an deren Geschichte und Entwicklung und übertrage das in die heutige Zeit mit einer modernen, zeitgemäßen Formensprache, ist einer Veröffentlichung des Dresdner Büros Noack Landschaftsarchitekten zu entnehmen. Das zeichnet für den Entwurf des Gartens verantwortlich. Für die Umsetzung bekam die Mörbe & Co. GmbH Grünanlagenbau aus Kubschütz den Auftrag.

Erhalten gebliebenes Portal in Neubau integriert

Wiederentstanden ist an der Herzogin Garten auch die Orangerie. Sie war bei der Bombardierung Dresdens 1945 stark beschädigt worden. 1966 begannen Abrissarbeiten, nur das Eingangsportal an der Ostra-Allee blieb erhalten. Das wurde jetzt beim Wiederaufbau integriert.

Dem Original von einst nachempfunden: das große Eingangsportal in die Orangerie. Quelle: Dietrich Flechtner

Der Bau wird allerdings nicht mehr wie einst als Winterquartier für Kübelpflanzen dienen, sondern 13 Wohnungen mit einer Größe zwischen 130 und 200 Quadratmetern sowie zwei Gewerbeeinheiten (Büros) beherbergen. Die Wohnungen bekommen Terrassen bzw. innenliegende Loggias zum Garten hin – sensibel in die Fassade integriert.

Aufwändig gestaltete Fassade

Diese nimmt mit aufwändig gestalteten Sandstein-Pilastern und -Balustraden samt Schmuckvasen und natürlichen orangerietypischen großen Fenstern Bezug auf den früheren Bau. Um die 13 Wohnungen unterzubringen, wurde eine zusätzliche Zwischendecke eingezogen. Im Kopfbau wurde jetzt das große Holz-Eingangsportal eingebaut. „Wir haben anhand von historischen Abbildungen versucht, es so originalgetreu wie möglich zu rekonstruieren“, erklärt Torsten Nowack.

Blick in Richtung Zwinger, der hinter den Bäumen verborgen ist. Quelle: Dietrich Flechtner

„Wir sind guter Dinge, mit der Orangerie Anfang des 4. Quartals fertig zu sein“, sagt Torsten Nowack. Ob die Wohnungen verkauft oder vermietet werden, dazu wollte er sich allerdings noch nicht äußern. Die Vermarktung habe noch nicht begonnen, sie werde gegenwärtig erst vorbereitet.

Zur Geschichte

1591: Kurfürst Christian I. lässt als Geschenk an seine Gemahlin, die Kurfürstin Sophie (1568-1622), durch Zusammenlegen zweier vorhandener Gärten beidseitig des Mühlgrabens einen „Pomeranzengarten“ anlegen.

nach 1622: Kurfürstin Magdalene-Sybille (1587-1659) lässt den Garten bedeutend erweitern und in einen Orangengarten sowie einen Lorbeergarten gliedern. Es wird ein bewohnbares Gartenhaus errichtet, Springbrunnen und erstmals in Sachsen eine mit Wasserkünsten versehene Grotte angelegt.

bis Ende des 17. Jahrhunderts wird Der Herzogin Garten für Hoffeste genutzt, während er im 18./19. Jahrhundert vorwiegend zur Pflege und Aufzucht seltener Gewächse genutzt wurde sowie auch als Erwerbsgarten für den Hofgärtner diente. Es gab verschiedene Gewächshäuser.

1841: Unter Leitung des Architekten Otto von Wolframsdorf (1803–1849) wird ein neues Neorenaissance-Orangeriegebäude aus Sandstein errichtet.

1906: Infolge der Verbreiterung der Ostra-Allee wird die Orangerie um 9 Meter gekürzt und die Einfriedung versetzt.

um 1912: Die wertvollen Pflanzen werden nach Pillnitz gebracht. Auf dem verbliebenen Gelände wird eine Schrebergartenkolonie angelegt.

1945: Während der Bombardierung Dresdens wird auch die Orangerie stark beschädigt. Die Ruine verfällt.

1966: Abrissarbeiten. Nur das Eingangsportal an der Ostra-Allee bleibt erhalten. Das Gartengelände liegt zum großen Teil brach.

1992: Nach der Wende will das Kunstsammler-Ehepaar Hoffmann Dresden seine Kunstsammlung vermachen und präsentiert einen Entwurf des amerikanischen Künstlers Frank Stella für den Neubau einer Kunsthalle an Der Herzogin Garten. Das Projekt scheitert, der futuristische Entwurf wird nicht verwirklicht.

Quelle: Stadtlexikon Dresden, DNN-Archiv

Von Catrin Steinbach

Anzeige