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Lokales Der Feldschwarm rollt an
Dresden Lokales Der Feldschwarm rollt an
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15:05 08.03.2019
Der wissenschaftlicher Mitarbeiter Helge Wanta zeigt, wie sich der Feldschwarm steuern lässt. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Ingenieure der Technischen Universität Dresden (TUD), des Fraunhofer-Verkehrsinstituts IVI und weiterer Forschungspartner haben am Donnerstag in Dresden Sachsens Agrarminister Thomas Schmidt (CDU) die ersten Komponenten eines „Feldschwarms“ vorgeführt. Dahinter steckt die Idee, vergleichsweise leichte, elektrisch angetriebene und schnell umrüstbare Agrarroboter per Funk zu koppeln und dann Tag und Nacht die Felder autonom bestellen zu lassen. Diese Schwärme sollen Boden und Umwelt weniger belasten als heutige Riesenmaschinen und Monokulturen.

Der Minister war nach einer Besichtigung an der TU Dresden angetan von dieser Marschrichtung: „Wir stehen vor der Herausforderung, immer mehr Menschen zu ernähren, auf ökologische Herausforderungen zu reagieren und auch die Jugend wieder für die Landwirtschaft zu begeistern.“ Durch Hochtechnologie und Digitalisierung auf dem Lande, wie durch die Feldschwarm-Forscher vorexerziert, könne solch ein Spagat womöglich sogar gelingen.

Mit rund 20 Millionen Euro will Schmidt daher ein neues „SIMUL+ Innovation Hub“ in den nächsten vier Jahren fördern. Mit dem Geld sollen die Dresdner Forscher mit ihren Industriepartnern ihre Feldschwarm-Technologie weiterentwickeln. Weitere Schwerpunkte sollen neue, internetgetriebene Dienste für das „Digitale Dorf der Zukunft“, intelligente Ernte- und Forstmethoden und neue Umwelttechnologien für die Landwirtschaft sein. Konzentrieren wollen die Forscher und Wirtschaftspolitiker diese Projekte im Raum zwischen Dresden und dem Lehrgut Köllitsch bei Torgau. Dort soll ein deutschlandweit führendes Innovations-Zentrum für die „Landwirtschaft 4.0“ wachsen – ein ländliches Exzellenzzentrum.

Zudem winken Fördermillionen vom Bund: Im Hub-Raum möchten die Partner auch testen, wie sich der Mobilfunk der 5. Generation (5G) auf dem Land einsetzen lässt, um autonom fahrende Feldschwärme zu vernetzen und schnelles Internet in unterversorgte Dörfer zu bringen.

Weitere Millionen steuert Fraunhofer bei: Die Forschungsgesellschaft hat unter dem verlockenden Namen „Cognac“ („Cognitive Agriculture“) ein ehrgeiziges Entwicklungs-Programm aufgelegt, an dem das Verkehrsinstitut IVI und das Keramikinstitut IKTS aus Dresden beteiligt sind. Die IVI-Ingenieure wollen sich der Feldrobotik widmen, die Keramik-Spezialisten der Gewinnung von Energie, Nährstoffen und Frischwasser aus Agrarabfällen.

Die Sachsen sind auch an einer hochabgesicherten bäuerlichen Su­per-Cloud beteiligt, offiziell „Agricultural Data Space“ genannt, berichtete Professor Matthias Klingner, Leiter des Frauenhofer-Instituts: In diesem vernetzte Rechnerfarmen sollen die deutschen Landwirte wichtige agrarische Informationen so ablegen, dass kein Agrarspion aus dem Ausland darin herumschnüffeln kann. All dies soll Sachsen zu einer international führenden Position auf dem Weg zur „Landwirtschaft 4.0“ verhelfen.

Allerdings gibt es auch kritische Stimmen, die vor Datensammelkraken à la Google und Facebook in der Agrarwirtschaft warnen. Denn wenn nur wenige Landmaschinenkonzerne durch ihre Fahrzeuge weltweit Erntedaten horten können, entstehe daraus ganz schnell ein gefährliches Oligopol, warnten Klingner sowie Europas Imker-Präsident und Umweltschützer Walter Haefeker. Dennoch sieht der Bienenkönig auch Fortschritte: „Der schmerzhafte Strukturwandel in der Landwirtschaft war in den vergangenen Jahren vor allem eines: eine Anpassung der Kulturlandschaft an unsere dummen Maschinen“, kritisierte Haefeker. „In der Digitalisierung sehe ich mehr Chancen als Risiken – nämlich die Chance auf eine entscheidende Wende in der Landwirtschaft.“

Von Heiko Weckbrodt

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