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Lokales Der Dresdner Postplatz – Mehr als ein Verkehrsknoten
Dresden Lokales Der Dresdner Postplatz – Mehr als ein Verkehrsknoten
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11:06 31.01.2019
In den vergangenen Jahren hat sich der Postplatz sichtbar verwandelt. Fast alle Lücken sind oder werden derzeit bebaut.. Quelle: Jürgen-M. Schulter
Dresden

Wie lange haben die Dresdner darauf gewartet, dass der Postplatz wieder eine städtebauliche Fassung erhält! Und wie oft ist diese Sehnsucht enttäuscht worden. Das unsägliche Gestänge über der Straßenbahnhaltestelle, ein Werk des Kölner Architekturbüros Joachim Schürmann, dessen Ruf im Rheinhochwasser untergegangen ist, die gesichtslosen Fassaden der neu entstandenen Kopfbauten an der Wilsdruffer und der Schweriner Straße, die an Provinzialität kaum zu überbietende Verkehrsführung – all das hat die Freude an der Wiederauferstehung des einst bedeutendsten Dresdner Stadtplatzes getrübt.

Wie sehr muss man an dieser Stelle dem im großen Architektenwettbewerb von 1991 nicht berücksichtigten Entwurf des Münchner Architekten Alexander Freiherr von Branca nachtrauern, der mit seiner Idee, ein echtes Wilsdruffer Tor zu schaffen, diesem ausfasernden Platzgebilde wieder städtebauliche Prägnanz geben wollte.

Der Postplatz – einst dem Münchner „Stachus“ ebenbürtig

Den Gipfelpunkt architektonischen Versagens stellte bisher der lang gestreckte, unglücklich proportionierte und lieblos abgewickelte Hotelbau mit einer an Belanglosigkeit nicht zu unterbietenden Fassade der Architekten Knerer und Lang dar. Schon der grandiose Einfall des Stadtplanungsamtes, am prominentesten Platz der Stadt ein Billighotel zu platzieren, hatte allen hochambitionierten gestalterischen Traditionen dieser Stadt hohngesprochen.

Nun ist ein weiterer Entwurf dieses Architektenbüros von niederschmetternder Einfallslosigkeit und Fadheit für denselben Platz in der Gestaltungskommission durchgefallen – endlich! möchte man sagen. Denn zum ersten Mal regt sich hier für die Einwohner der Stadt sichtbar in einem eigens dafür eingesetzten städtischen Gremium der Widerstand gegen eine Baupraxis, die sich allein der billigsten Funktionserfüllung verpflichtet weiß und Dresden schon lange mehr geschadet als genützt hat.

Der Dresdner Postplatz

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Ewig unvollendet, aber immer voller Leben: Der Dresdner Postplatz

Da es heute kaum noch üblich ist, sich städtebauliche und architektonische Anregungen aus der Vergangenheit zu holen, darf daran erinnert werden, welche herausragende Stellung der Postplatz einst für Dresden besaß. Er war, in seinen Funktionen und in seinem Anspruch, dem Karlsplatz in München („Stachus“) durchaus ebenbürtig. Hier trafen alle wichtigen Straßenbahnlinien der Stadt aufeinander. Von hier aus verzweigten sich die Geschäftsstraßen, deren Glanz und Reichtum an Kulturangeboten, an exquisiten Einzelhandelsgeschäften und Gaststätten, an Theatern und Versammlungslokalen die Stadt berühmt gemacht hatte. Das alles ist untergegangen und durch einen unsensiblen Wiederaufbau für unabsehbare Zeit verloren.

1920 und 1953 wurde hier demonstriert und geschossen

Was den Postplatz einst so bedeutend gemacht hatte, das war ja gerade seine Schlüsselrolle bei der Großstadtwerdung Dresdens im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Hier hatte die gründerzeitliche Stadt ihren Lebensmittelpunkt, ihre pulsierende Mitte. Von hier aus erschloss sie sich auch für den Fremden in alle Himmelsrichtungen. Hier manifestierte sich die Identität des „modernen Dresden, das zu Kaisers Zeiten noch die viertgrößte Stadt des Deutschen Reiches war. Das kam nicht zuletzt in der auftrumpfenden historistischen Architektur zum Ausdruck, die mit dem monumentalen Postgebäude einen fast majestätischen Ausdruck erhielt.

Mehr als ein Knotenpunkt – Der Postplatz in Dresden

Man muss sich klarmachen, dass die Bedeutung eines zentralen Stadtplatzes über die eines Verkehrsknotens weit hinausreicht und für die Entwicklung einer Kommune kaum abschätzbare Potenziale besitzt. Der Maidan in Kiew, der Tahrir-Platz in Kairo, der Syntagma-Platz in Athen, die Puerta del Sol in Madrid, der Taksim-Platz in Istanbul, der Platz des Himmlischen Friedens in Peking und der Zuccotti Park in New York – sie alle sind zu Synonymen für Reurbanisierung, Aufwertung der Zentren, Wiederkehr des Regionalen und Lokalen, Wiederbelebung der städtischen Struktur geworden.

Erst das machte sie zu den heute weltweit bekannten Entscheidungsräumen der Politik. Auch der Dresdner Postplatz hat mindestens zweimal bewiesen, dass sich an ihm das Selbstverständnis und der politische Gestaltungswillen der Stadtgesellschaft zu orientieren vermochte: 1920 beim Kapp-Putsch und 1953 beim Aufstand des 17. Juni. In beiden Revolutionen erlangte er für die Stadt die Bedeutung eines kleinen Maidan. Hier wurde nicht nur demonstriert, sondern geschossen, und Menschen blieben in ihrem Blut auf dem Pflaster liegen.

 Gestaltungskommission sendet einen Weckruf

Diese historische Rolle des Postplatzes hat sich nicht von selbst ergeben. Sie hatte sehr viel mit dem Rang zu tun, den die Stadt- und Verkehrsplanung, der architektonische Anspruch und das Geschäftsinteresse diesem Mittelpunkt der Stadt hatten angedeihen lassen. Hier wurden den Bauherren höhere Investitionen abverlangt, hier erkannten diese für sich selbst die Aufgabe, dem Ruf dieser Stadt gerecht zu werden und ihr eigenes Ansehen zu stärken.

Es ist deshalb nicht zuviel gesagt, wenn man dem Postplatz bescheinigt, was auch für andere wichtige Stadtplätze gilt: dass er in seinen besten Zeiten zu einem Motor der Stadtentwicklung wurde – zu einem Brennpunkt, dessen urbane Dynamik auf die ganze Stadt ausstrahlte. Wie erbärmlich nimmt sich dagegen das aus, was die heutige Baupraxis an diese Stelle setzt! Zwei gerundete Ecken bilden schon das ehrgeizigste Stilmittel, mit dem dieser Platz künftig aufwarten kann (Tchoban Voss Architekten).

Dass diese stiefmütterliche Behandlung des für Dresden so wichtigen zentralen Ortes viel mehr als nur ästhetische Fragen berührt (obwohl gerade sie für diese Stadt von unschätzbarem Bedeutung sein müssten), das zeigt sich gerade in dem klaffenden Widerspruch seiner einstigen Bedeutung und seiner Behandlung heute. Attraktivität lässt sich nie allein aus Funktionen ableiten, sondern ist immer zugleich eine Kategorie des heute vielfach nur noch in Gänsefüßchen gebrauchten Begriffes von Schönheit. Das Stoppsignal, das die Gestaltungskommission gesetzt hat, kommt zwar schon fast zu spät, wenn es darum gehen soll, diesen Platz vor seiner endgültigen Verbeliebigung und Verschandelung zu retten. Aber es ist ein Weckruf. Danke!

Von Dankwart Guratzsch

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