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Lokales Der Dresdner Fernsehturm – Blickfang im Tal der Ahnungslosen – wird 50
Dresden Lokales Der Dresdner Fernsehturm – Blickfang im Tal der Ahnungslosen – wird 50
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14:14 17.09.2019
Eberhard Mittag, Vorsitzender des Fernsehturm Dresden e.V., steht mit einem Modell des Dresdner Fernsehturms auf einem Dach eines Wohnhauses in der Innenstadt. Nun soll der Turm aus einem langen Dornröschenschlaf erwachen. Quelle: dpa-Zentralbild
Dresden

Manchmal wird Mitleid zur Antriebskraft. Irgendwann konnte der Informatiker Eberhard Mittag nicht länger mehr zusehen, ohne zu handeln. Mit dem Dresdner Fernsehturm verbindet ihn nicht nur sein Geburtstag am 7. Oktober. Mittag wird demnächst 67 Jahre alt, der Fernsehturm 50. Nach dessen Sperrung für das Publikum war der Diplomingenieur aus beruflichen Gründen noch ein paar Mal oben. „Der Turm tat mir leid, wird mussten etwas für ihn tun“, erinnert er sich an die Anfänge des Fernsehturmvereins, der sich seit 2004 um eine Renaissance für den „Riesen von Dresden“ bemüht: „Das Thema ging ab wie eine Rakete.“

Mitte 1991 wurde der Fernsehturm für den Publikumsverkehr geschlossen. Seither gilt er als wichtiges Bauwerk der Ost-Moderne. Quelle: dpa-Zentralbild

Tatsächlich war der Fernsehturm zu DDR-Zeiten ein Besuchermagnet. Die Dresdner fuhren gern zum Hochland, um Gästen die Schönheiten der Stadt aus der Vogelperspektive zu zeigen. Bei guter Sicht kann man von hier nicht nur die Sächsische Schweiz und das Erzgebirge sehen, auch die Oberlausitz liegt im Blickfeld. Die Entstehung des Turmes wurde damals genau verfolgt. „(...) Sektkorken knallten, Gläser wurden auf die Standfestigkeit des Turmes geleert und zerschellten schließlich an seinem Betonschaft. Unter den Klängen der Nationalhymne schwebte die Richtkrone in ihre luftige Höhe von etwa 125 Meter“, schrieb das „Sächsische Tageblatt“ am 17. Dezember 1965.

Einweihung am 20. Jahrestag der DDR

Es sollte mit dem Turm noch höher gehen – bis auf 252 Meter. Auch international geriet er in den Fokus. Klaus Martin, als Technologe für die Planung der Gastronomie zuständig, nahm im Jahr vor der Vollendung des Bauwerks an einem internationalen Turmbauer-Symposium in Liberec (Tschechien) teil. „Es waren zirka 20 Teilnehmer da und ich lernte in Gesprächen die Chefarchitekten der Türme von Rio, Toronto, Moskau oder Wien kennen“, sagt Martin. In einer Auswertung habe man den Dresdner Turm zu einem der schönsten der Welt gezählt.

Am 18. September 1969 erfolgte die technische Inbetriebnahme, am 7. Oktober – dem 20. Jahrestag der DDR – die Einweihung. Seither dient er als Sendeturm für Fernsehen, Rundfunk und Mobilfunk. Da Dresden in einem Tal liegt, wird er gebraucht. Zu DDR-Zeiten wurde die Gegend mangels Empfang von Westsendern Tal der Ahnungslosen genannt.

Rundgang auf dem Dresdner Fernsehturm

Wichtiges Bauwerk der Ost-Moderne

Mitte 1991 wurde der Turm für den Publikumsverkehr geschlossen. Seither gilt er als wichtiges Bauwerk der Ost-Moderne. In gut 145 Meter Höhe gab es auf zwei Etagen ein Restaurant, darüber eine Aussichtsplattform. Vor der Schließung kamen im Schnitt pro Jahr etwa 200 000 Gäste, für einen wirtschaftlichen Betrieb braucht es auch heute in etwa so viele. Ein Handicap ist die Lage. Der Turm liegt im Dresdner Hochland und ist für Besucher nicht leicht erreichbar.

Mittag und seine Mitstreiter haben unermüdlich für eine Renaissance des Turmes gekämpft, unzählige Briefe an Politiker von Bund und Land oder an die Telekom und ihre Betreiberfirma Deutsche Funkturm geschickt. „Es gab ein Auf und Ab. Irgendwann hatten wir die Faxen dicke“, sagt Mittag. Im Vorfeld der Dresdner Oberbürgermeisterwahl 2008 sammelte der Verein Tausende Unterschriften. Später machten mehr als 11 000 und danach nochmals 22 000 Menschen bei einer Online- Unterschriftensammlung mit. So kam Bewegung in die Angelegenheit.

Finanzierungskonzept für die Sanierung steht

Auch Sachsens CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer ist überzeugt davon, dass es eine breite gesellschaftliche Mehrheit für eine Öffnung des Bauwerkes gibt. Am 12. Mai dieses Jahres war er selbst in luftiger Höhe zu Gast. Der Tag könnte als weiteres wichtiges Datum in die Geschichte des Fernsehturms eingehen. Denn seither gibt es ein Finanzierungskonzept für die Sanierung. Nachdem der Bund im vorigen Herbst 12,8 Millionen Euro und damit die Hälfte der veranschlagten Kosten zusagte, sicherte am 12. Mai auch das Land Sachsen seinen 25-prozentigen Anteil zu. Den Rest trägt Dresden.

Bevor der Fernsehturm wie früher hoch über der Elbe wieder Besucher empfängt, dürfte noch einige Zeit vergehen. Zunächst gilt es einen Betreiber zu finden, der die Gastronomie übernimmt. Dazu will man im Oktober die Expo Real in München nutzen. Dann soll das Projekt vorgestellt und potenziellen Betreibern Appetit gemacht werden. Eine richtige Gastronomie erfordert logistisches Geschick. Aus Gründen des Brandschutzes kann eine Küche nur am Fuße des Turmes Speisen zubereiten. Allerdings ist das kein unlösbares Problem. Auch beim Berliner Fernsehturm wird zu ebener Erde geköchelt.

Der Verein hat Visionen

Momentan ist der Turm ein rein technisches Bauwerk, alle Zulassungen für den öffentlichen Betrieb sind erloschen. In einem der beiden Aufzugschächte sind Kabel für die Technik verlegt. Der Verein hat Visionen, möchte am Fernsehturm ein Wissenschaftszentrum etablieren und Besucher auch mit einer Seilbahnoder der in Dresden entwickelten Magnetschwebebahn SupraTrans zum Aussichtspunkt befördern. Doch das ist ferne Zukunftsmusik. Die 80 Vereinsmitglieder sind realistisch und wollen den Turm erstmal so zurückhaben, wie er bis 1991 war.

Eberhard Mittag hält 2025 für einen realistischen Termin – wenn Dresden vielleicht den Titel „Europäische Kulturhauptstadt“ trägt. Vereinssprecherin Barbara Lässig ist da optimistischer: „Ich sage, in drei Jahren ist es soweit.“ Ohne Optimismus hätte der Verein bis heute ohnehin nicht durchgehalten.

Von Jörg Schurig, dpa

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