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Dresden Lokales Das ist der neue Geschäftsführer der Dresdner Hilfsorganisation arche noVa
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08:12 30.06.2019
Der neue archeNova-Chef Mathias Anderson. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Mathias Anderson leistete 2006 humanitäre Hilfe in Sri Lanka, nachdem das Land 2004 von einem verheerenden Tsunami getroffen wurde. Er half 2016 in Griechenland, als das System der Erstaufnahme der ankommenden Geflüchteten auseinanderzubrechen drohte. Und er sorgte nach dem Erdbeben in Haiti für sauberes Wasser vor Ort. Nun ist er Geschäftsführer der Dresdner Hilfsorganisation arche noVa.

Im April übernahm er das Amt des im vergangenen Jahr verstorbenen Chefs und Mitbegründers Sven Seifert. Anderson lernte ihn 2009 bei einem Vorstellungsgespräch kennen. Danach ging es für ihn zu seinem ersten Arche-Einsatz nach Sri Lanka. Später waren sie für kurze Zeit gemeinsam in Haiti im Einsatz.

Zunächst keine Auslandseinsätze mehr

Anderson reiste 2010 dort hin. Das war eineinhalb Wochen nach dem Erdbeben mit mehreren hunderttausend Todesopfern. An die Zeit erinnert sich Anderson noch genau: „Ich war gerade in Sri Lanka und wollte mit meiner Frau, die ich dort kennenlernte, in ihre Heimat Australien fliegen. Wir wollten uns drei Monate Pause gönnen. Auf dem Zwischenstopp in Singapur sahen wir die Berichte über das Erdbeben im Fernsehen. In Australien folgte recht schnell ein Anruf, dass ich in Haiti gebraucht werde.“

Ein paar Impfungen später saß der 40-Jährige wieder im Flieger. Über die Dominikanische Republik reiste er nach Haiti ein und übernahm die Arbeit eines Ersthelfers, der wieder abreisen musste. „Die Übergabe fand durch die Tür seiner Duschkabine im Hotelzimmer statt. Dann stand ich da mit Auto, Einkaufsliste und ohne Spanischkenntnisse“, erinnert er sich. So begann sein damals zweiter Arche-Einsatz. Inzwischen war er in zwölf Ländern für die Dresdner Hilfsorganisation unterwegs.

Die weltweiten Einsätze muss Mathias Anderson nun erstmal auf Eis legen. Denn er ist nicht nur Geschäftsführer, sondern auch kommissarischer Leiter der Auslandsabteilung. Dort muss noch ein Nachfolger gefunden werden. Berufliche Reisen über die deutschen Grenzen hinaus bleiben da vorerst auf der Strecke. „Ich will aber sobald wie möglich wieder ins Feld“, plant Anderson.

„Jetzt müssen wir professionalisieren“

Die Frage, ob er nach dem Tod von Seifert ein schweres Erbe antritt, beantwortet Anderson zögerlich mit ja. „Einfach ist es nicht“, sagt der studierte Bauingenieur. Die Organisation sei mit ihm und durch ihn organisch gewachsen und sei ohne ihn heute nicht das, was sie ist. „Andererseits muss man auch sagen, dass ein paar Dinge auf der Strecke geblieben sind“, gibt Anderson zu. Mit seinem Führungsstil und seinen Aufgaben, die er nicht abgeben wollte, sei es nicht immer leicht gewesen. „Es ist dahingehend ein schweres Erbe, dass nicht so viel Struktur existiert, vor allem was interne Prozesse betrifft“, erklärt Anderson weiter.

Verstarb im Juli 2018: Arche noVa-Mitgründer Sven Seifer. Quelle: dpa/Oliver Killig

Das will er nun ändern. In den Länderbüros sind bereits neue Strukturen eingeführt worden. Denn gerade in abgelegenen Regionen geht es nicht ohne, wie ein Einsatz auf einer kleinen Insel vor Sumatra zeigte: „Die einzige Verbindung war ein Boot, was einmal wöchentlich zur Insel kam. Wenn du dann eine Unterschrift für etwas nicht hast, musst du noch eine Woche länger auf die benötigten Mittel warten“, erklärt Anderson seine Absichten. Außerdem habe die Organisation in den letzten Jahren herausfordernde Länder für ihre Einsätze gewählt, „weil für diese auch mehr Fördermittel bereitstanden“, sagt er und fährt fort: „Dadurch sind wir sehr gewachsen. Jetzt müssen wir professionalisieren“.

Von Oslo nach Dresden

Dazu zählt auch das Thema Sicherheit. Seit kurzem gibt es bei der Arche eine Sicherheitsbeauftragte. Sie reist in die Länder, etabliert standardisierte Arbeitsanweisungen und recherchiert zur aktuellen Situation im Land. Auch jeder der insgesamt 30 Mitarbeiter im Dresdner Büro bekommt ein Sicherheitstraining.

Was macht die arche noVa?

1992 packten Sven Seifert und seine Freunde Hilfsgüter in einen Transporter und fuhren damit nach Irakisch-Kurdistan. Die Folge davon war die Gründung der arche noVa. Inzwischen ist die Hilfsorganisation in 15 Ländern weltweit tätig, 30 Mitarbeiter koordinieren im Dresdner Büro, über 200 agieren auf der ganzen Welt. Das Hauptziel ist es, die Menschen vor Ort mit sauberem Wasser und sanitären Anlagen zu versorgen und so die hygienischen Bedingungen zu verbessern. Die Helfer selbst nennen dieses Hilfspaket Wash. Bisher hat die arche noVa weltweit rund 1,3 Millionen Menschen mit sauberem Wasser versorgt. Mit mobilen Trinkwasseraufbereitungsanlagen, Wasserfiltern, Hilfsgüterverteilungen und ersten Wiederaufbaumaßnahmen helfen sie in Katastrophenfällen. 2017 führte die arche noVa weltweit 25 Projekte mit einem finanziellen Volumen von rund 13,5 Millionen Euro in 15 Ländern durch. Dabei lagen die Ausgaben für Öffentlichkeitsarbeit, Werbung und Verwaltung bei gerade mal 3,33 Prozent. Der Geschäftsbericht für 2018 ist noch nicht veröffentlicht worden. Neben der humanitären Hilfe gibt es auch zahlreiche Projekte in deutschen Schulen. Hierbei sollen die jungen Menschen angeregt werden, sich mit globalen Problemen und Ungleichheiten der globalisierten Welt auseinanderzusetzen.

Anderson weiß, wie wichtig das ist. Bei einem seiner ersten Einsätze im vom Bürgerkrieg gebeutelten Sri Lanka herrschte zunächst noch Waffenruhe aufgrund der Schäden, die der Tsunami damals verursachte. Doch im Laufe seines Aufenthaltes löste diese sich wieder auf und plötzlich waren die Kriegshandlungen wieder in vollem Gange – und Anderson mittendrin. Erlebnisse dieser Art habe es aber nur am Anfang seiner Karriere gegeben: „Man wird einfach schlauer und lernt Risiken besser einzuschätzen. Wenn ich Baumaterialien aus einem Gebiet holen soll, was unter Beschuss ist, suche ich mir lieber eine Alternative.“

Mit dem neuen Posten als Geschäftsführer bindet sich Anderson langfristig an einen Ort. Vorher arbeitete er bei einer Firma in der norwegischen Hauptstadt Oslo, die Trinkwasseraufbereitungsanlagen und Sanitäranlagen für Hilfsorganisationen herstellt und vertreibt. Auch seine Frau ist in Oslo tätig. Eigentlich wollten beide dort auch Wurzeln schlagen, doch dann kam die Anfrage der Arche. Aber auch in Dresden lässt sich Anderson gern nieder: „Ursprünglich komme ich aus Hamburg und nun bin ich wieder an einer Stadt an der Elbe gelandet“.

Von Lisa-Marie Leuteritz

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