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Lokales Das fünfte Nagelkreuz für Dresden
Dresden Lokales Das fünfte Nagelkreuz für Dresden
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11:26 12.02.2019
Prof. Gerhard Glaser und Harald Bretschneider (r.) unterstützen die Errichtung der Gedenkstätte.
Prof. Gerhard Glaser und Harald Bretschneider (r.) unterstützen die Errichtung der Gedenkstätte. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Für die Gedenkstätte Sophienkirche-Busmannkapelle ist heute ein ganz besonderer Tag. Sie gehört ab sofort zur weltweiten Gemeinschaft der Nagelkreuzzentren. In einer Feierstunde am Nachmittag verleiht der Bischof von Coventry Christopher Cocksworth im Beisein weiterer Vertreter der Kathedrale von Coventry das symbolträchtige Kreuz offiziell an das Dresdner Mahnmal, wo es seinen Platz an einer Wand im Erdgeschoss finden wird.

Wunden der Geschichte heilen

Mitglieder von Bürgerstiftung und Fördergesellschaft Sophienkirche-Busmannkapelle waren zuvor nach Coventry gereist zur Weihe des Nagelkreuzes in einem Gottesdienst. Die öffentliche Gedenkstätte selbst ist kein geweihter Raum. Nun reiht sie sich – eine weitere Besonderheit – in die Liste kirchlicher Orte ein, die das Nagelkreuz als Zeichen der Versöhnung besitzen. In Dresden ist es der fünfte Platz mit diesem friedensstiftenden Symbol. Als erste Einrichtung erhielt die Evang.-Luth. Diakonissenanstalt bereits 1965 im Rahmen eines deutsch-britischen Jugendeinsatzes ein Nagelkreuz. Es folgten 1985 die Kreuzkirche, 2005 die Frauenkirche und 2006 die Kirche Maria am Wasser in Hosterwitz.

Sie alle setzen sich dafür ein, Wunden der Geschichte zu heilen und ein friedliches Miteinander zu leben. So wird die Gedenkstätte Sophienkirche-Busmannkapelle an die landes- wie kirchengeschichtliche Bedeutung der Sophienkirche erinnern, den Missbrauch von Macht thematisieren und der Toten des Zweiten Weltkrieges gedenken.

Oberlandeskirchenrat a. D. und Stiftungsrat der Bürgerstiftung Harald Bretschneider ruft insbesondere den geistlichen Hintergrund des neuen Nagelkreuzzentrums in Erinnerung. Seine Historie reicht vom Kloster der Franziskaner-Bettelmönche, über die evangelische Hofkirche, zum Ort des Widerstands gegen die Nazibarbarei bis zum Abriss durch die SED-Herrschaft. „Für mich geht mit dem Nagelkreuz aus Coventry ein Traum in Erfüllung“, sagt Bretschneider. Diesen Traum hat er im Sommer 2016 tatsächlich geträumt, in einer Zeit, in der er sich manchmal über politische Statements geärgert habe. Der Gedenkort auf dem Grundriss und mit dem ideellen Hintergrund einer Kirche habe nicht jedem gefallen.

Zurzeit fehlt es noch am Innenausbau

Nun zeigt sich auch in der langen Baugeschichte des gläsernen Raumes Licht am Horizont. Gerhard Glaser, der das Projekt lange bautechnisch betreut hat und ebenfalls Stiftungsrat der Bürgerstiftung ist, glaubt, dass im Herbst 2019 Eröffnung gefeiert werden kann – 25 Jahre nachdem der Stadtrat sich dafür ausgesprochen hatte. Zurzeit fehlt es noch am Innenausbau. Fußböden, Fußbodenheizung, Sanitäranlagen, ein Raum für die Mitarbeiter und diverse andere Dinge müssen noch installiert werden. Die Verantwortlichen warten auf die zugesagten Mittel aus dem Fonds Parteien und Massenorganisationen der DDR. Diese 874.000 Euro sollen noch diesen Monat freigegeben werden und den Weiterbau ermöglichen.

In der langen Phase seit der Errichtung der ersten Stelen und der Grundsteinlegung 2010 sind die Baukosten wie überall gestiegen. Die anfangs kalkulierten 2,6 Millionen Euro haben sich auf 3,5 Millionen Euro erhöht. Dafür kommen aus dem Fond der geparkten DDR-Gelder insgesamt knapp zwei Millionen Euro, 830.000 Euro steuerte die Stadt bei, mit 580.000 Euro beteiligten sich der Förderverein Sophienkirche-Busmannkapelle und die Evang.-Luth. Landeskirche. Ein kleiner Teil, der nicht näher beziffert wurde, fehle immer noch, bestätigt Glaser. Spenden sind jederzeit willkommen. Genia Bleier

Übergabe Nagelkreuz am Dienstag, 16.30 Uhr in der Gedenkstätte im Rahmen des 60. Jahrestages der Städtepartnerschaft Dresden – Coventry. Übertragung der Feier in der 1. Etage des Restaurants Max-Altstadt sowie in der Passage des „Lebendigen Hauses“.

Von Genia Bleier